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c't 19/2026
S. 46
Aktuell
Sicherheitslücke
Bild: Christopher Kunz
Bild: Christopher Kunz

Kalt erwischt

Sicherheitslücke in Midea PortaSplit

Unbefugte in Funkreichweite können mobile Klimaanlagen von Midea per Bluetooth fernbedienen oder abschalten. Midea erkennt erst nach beharrlichem Nachfragen eine Sicherheitslücke in dem Problem.

Von Christopher Kunz

PortaSplit-Klimageräte des chinesischen Herstellers Midea haben in den Hitzewellen des Jahres 2026 viele Haushalte auf erträgliche Temperaturen heruntergekühlt. Die Geräte lassen sich per App fernsteuern – Unbefugte sollen freilich nicht die Kontrolle übernehmen. Doch ein Blick hinter die Fassade zeigt: Per Bluetooth kann jeder im Umkreis die Geräte steuern. Analysiert hat das ein anonymer Hinweisgeber, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. Der Hersteller reagierte zunächst verhalten.

Um die PortaSplit zu steuern, sieht Midea drei Wege vor: mit der mitgelieferten Infrarotfernbedienung, per Tastenfeld am Gerät oder mit der herstellereigenen App „Midea Air“. Letztere baut für die Einrichtung eine Verbindung per WLAN mit der PortaSplit auf, die der Besitzer dafür zunächst in den „Access-Point-Modus“ versetzen muss. Ist die Anlage gekoppelt, kann der Zugriff zudem per PIN gesichert werden.

Doch es geht auch ganz ohne App-Kopplung, wie uns ein anonymer Hinweisgeber offenbarte. Er schilderte uns, jedes PortaSplit-Gerät per Bluetooth fernsteuern zu können.

Dazu setzte der Hinweisgeber an der Schnittstelle für Bluetooth Low Energy (BLE) an, doch nicht am offiziellen Endpunkt im msmart-SDK, sondern bei einer Programmierschnittstelle für OEMs (Original Equipment Manufacturer) namens com.midea.oem.iot.sdk.ble. Dieses SDK kennt keine Geräte-PIN, nimmt Steuerbefehle allerdings AES-verschlüsselt entgegen. Das Problem: Die Klimaanlagen posaunen per Bluetooth-Broadcast genug Informationen in die Welt hinaus, um die nötigen AES-Schlüssel zu berechnen.

Mitgeliefert hatte der Hinweisgeber eine Android-App und einige Python-Skripte. Die testeten wir an einer PortaSplit mit der zum Testzeitpunkt neuesten Firmware V.012236_0000_4000_8000_5006_1012. Die Kältemaschine war per WLAN bereits mit der offiziellen Midea-App verbunden und per PIN gesichert.

Die prototypische App unseres Hinweisgebers horchte nach dem Start auf Bluetooth-Pakete und fand unser Testgerät nach wenigen Sekunden. Dieses konnten wir dann ein- und ausschalten, zwischen Kühl- und Heizmodus wechseln und die Zieltemperatur ändern.

Sicherheitslücke oder kein Problem?

Nach unserer Ansicht eine klare Sicherheitslücke: Unbefugte können die Kontrolle über das Gerät übernehmen.

Diese Auswirkungen sind zwar eher nervig als lebensbedrohend, aber die Sicherheitstriade besteht nun einmal aus Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit – und die Verfügbarkeit wird durch den Bluetooth-Hack eingeschränkt.

Wir übernahmen die Kontaktaufnahme mit dem Hersteller. Dass es sich um eine Sicherheitslücke handele, war für uns unstrittig. Doch Midea sah das zunächst anders. Zuerst schrieb uns die deutsche PR-Stelle, man habe die Meldung geprüft: „Ein Szenario, in dem ein Unbefugter die PortaSplit aus der Ferne übernimmt oder zurücksetzt, lässt sich auf Basis der von uns geprüften Funktionen nicht nachvollziehen.“ Midea begründete das mit dem notwendigen physischen Zugriff, um das Gerät vor einer neuen Kopplung zurückzusetzen und die Nutzer-PIN auszuhebeln.

Update unterwegs

Doch mit dem von uns gemeldeten Trick war es weder nötig, das Gerät zurückzusetzen, noch es zu übernehmen. Wir wiesen die Midea-Pressestelle auf dieses Missverständnis hin. Darauf die Kehrtwende: Der chinesische Hersteller kündigte an, an einer Aktualisierung zu arbeiten: „Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse arbeiten unsere technischen Teams an einem OTA-Firmware-Update […]. Das Update befindet sich derzeit in der erforderlichen Validierungs- und Testphase […]“, heißt es in der neuerlichen Stellungnahme.

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht die neue Firmware noch nicht bereit. Betreiber von PortaSplits sollten in den kommenden Wochen in der App nach Updates Ausschau halten. (jam@ct.de)

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