Lost Places
Dass Spieleentwickler beneidenswerte Berufsgenießer seien, ist ein verbreitetes Vorurteil. Nicht nur unerbittliche Deadlines tragen dazu bei, dass die Arbeit an widerspenstigen Games auch ausgesprochen nervenzehrend sein kann.
Mit einem krachenden „Kawoosh“ sauste Leos Avatar in die virtuelle Tiefe. Stahlbetonbrocken flogen mit hinab und auf dem Monitor flackerten dramatisch schillernde Farben. Was anfangs cool aussah, hörte gar nicht mehr auf, sondern wurde immer intensiver. Die Grafiken verzerrten sich, das Videospiel fror ein, schließlich stürzte die gesamte Entwicklungsumgebung ab. Shit, er war absolut sicher gewesen, dass sein Code makellos war.
Es war schon spät und Leo war der Letzte im Büro. Die stickige Luft machte ihn müde, sein Magen knurrte. Er nahm einen großen Schluck aus seiner Energy-Drink-Dose und weitete ein paar Mal die Augen. Dann streckte er seine knackenden Finger und öffnete das Entwicklungssystem erneut. Mit einem Shortcut wechselte er zum Quelltext und starrte darin auf einen von mehreren markierten Codeblöcken. Leo arbeitete an einem neuen Level seines 3D-Videospiels Hidden, dessen Hintergrund das Erkunden von Lost Places bildete.