Digitalisierung: Legt die Nutzungsquoten offen! | c't | heise magazine
c't 22/2026
S. 3
Standpunkt
Bild: Hans Jürgen Marhenke
Bild: Hans Jürgen Marhenke

Digitalisierung: Legt die Nutzungsquoten offen!

Was bringen eigentlich die milliardenteuren Digitalisierungsprojekte von Bund und Ländern? Zum Beispiel all die neu entwickelten Onlinedienste für die Kfz-Anmeldung, das Elterngeld oder die Wohnsitzummeldung? Nehmen die Bürger solche Dienste an? Oder füllen sie weiterhin Papierformulare aus, weil sie digitale Hürden wie den E-Perso nicht überwinden können?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist leider alles andere als simpel. Denn die deutschen Behörden veröffentlichen die Nutzungsquoten ihrer digitalen Angebote in der Regel nicht. In den meisten Fällen schlummern die Daten irgendwo in den Systemen, verteilt auf Tausende von Kommunen. Für unseren Realitätscheck zum Stand der Digitalisierung mussten wir deshalb 25 Großstädte einzeln befragen (siehe S. 126).

Die Ergebnisse unserer Umfrage sind für die Politik unbequem. Die Daten zeigen, dass die Onlinedienste immer dann floppen, wenn komplexe, seitenlange Formulare auszufüllen sind oder wenn man sich mit dem E-Perso ausweisen muss. Führen die Angebote hingegen schnell und einfach zum Ziel, ist die Akzeptanz überwältigend. Zum Beispiel beantragen in Hamburg, München und Nürnberg schon über 90 Prozent der Bürger den Bewohnerparkausweis über das Internet. Am Willen der Menschen scheitert Digitalisierung also nicht.

Um die Hürden abzubauen, ist Transparenz nötig. Bund und Länder sollten ein öffentliches Dashboard einrichten, das die Onlinequoten bei den wichtigsten Verwaltungsleistungen anzeigt. Dann kann man analysieren, welche Maßnahmen wirklich etwas bringen. Darüber hinaus würde eine positive Dynamik entfacht, denn von den Digitalisierungsvorreitern könnten die restlichen Behörden lernen.

Die beste Zeit für mehr Durchblick ist jetzt. Denn mit der digitalen Brieftasche EUDI-Wallet, der KI-gestützten Deutschland-App und der Vernetzung der Behörden im Rahmen der Registermodernisierung laufen die nächsten teuren Mammutprojekte zur Digitalisierung.

Christian Wölbert
Christian Wölbert

Christian Wölbert

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