Unausgewogen
Regierung will Kartenakzeptanz vorschreiben
Die Bundesregierung arbeitet an der Kartenannahmepflicht im Handel. Doch ohne flankierende Maßnahmen profitiert nur die Zahlungsverkehrsbranche, während kleine Händler und Verbraucher wohl mehr zahlen müssen.
Ob an der Supermarktkasse oder an der Pommesbude: 2025 zahlten die Menschen in Deutschland laut einer Studie der Bundesbank über die Hälfte ihrer Einkäufe und Dienstleistungen an der Ladenkasse elektronisch (siehe ct.de/y5c9). Das Finanzministerium verweist auf Erwartungen von Verbrauchern, erwähnt aber auch die Gefahr von Steuerhinterziehung bei Barzahlungen und erarbeitet gerade ein Gesetzentwurf zur elektronischen Zahlung. Danach sollen Händler künftig verpflichtet sein, neben Bargeld auch digitale Bezahlarten zu akzeptieren. Doch ob das Gesetz etwas nützt, ist fraglich – es könnte ehrlichen Händlern sogar schaden.
Denn Gespräche mit Inhabern kleiner Läden, aber auch mit Zahlungsverkehrsexperten zeigen uns, dass kleine Händler im Dschungel komplizierter Angebote und kreativer Vertriebsmethoden leicht in zu teure Verträge geraten. Aus unserer Sicht gehören daher auch die Praktiken der Zahlungsverkehrsbranche auf den Prüfstand – und die Steuerhinterziehung lässt sich allein mit der geplanten Akzeptanzpflicht nicht eindämmen.