Kontrollverlust
Geliefert wie trainiert: Was technisch hinter dem vermeintlichen KI-Eigenleben steckt
KI verhält sich nicht so, wie sie soll. Das beweist nicht, dass sie übermenschliche Fähigkeiten hat, sondern nur, dass sie zu naiv trainiert wurde. Wir erklären, was technisch dahintersteckt.
Autonome Agenten „verschwören“ sich, „brechen aus“ ihrer abgesicherten Umgebung und ziehen marodierend durchs Web, um Webseiten zu hacken und ihren Auftrag zu erfüllen – koste es, was es wolle. Die „Vermenschlichung“ der sogenannten künstlichen Intelligenz hat in den letzten Monaten wohl ihren Höhepunkt erreicht. Lanciert werden die True-Crime-Geschichten aus den KI-Laboren von den Firmen selbst, dankbar aufgegriffen und ausgeschmückt von der medialen Aufmerksamkeitsökonomie, reichweitenverstärkt wiederum von den Algorithmen der ersten Generation, die Aufregerthemen nach oben spülen.
Insbesondere die US-Firmen setzen stark auf das Narrativ von der übermenschlichen künstlichen Intelligenz, die die Menschheit dereinst von schweren Krankheiten und anderen Zumutungen befreien wird. Bis es so weit ist, muss die Gesellschaft aber erst mal ein paar Opfer bringen und ordentlich Geld in die Technik pumpen. Um sie bei Laune zu halten, müssen hin und wieder kleinere oder größere Wunder geschehen, die zeigen, dass es in die richtige Richtung geht: Dazu gehörten etwa die emergenten Fähigkeiten der großen Sprachmodelle bis hin zum Few-Shot-, One-Shot- und Zero-Shot-Learning. Später kam die Fähigkeit zum Reasoning hinzu und nun Agenten, die mathematische Beweise führen sowie stundenlang ohne menschlichen Eingriff selbstständig programmieren.