Neue Version des Taupunktlüfters | Make | heise magazine
Make 5/2026
S. 116
Make
In eigener Sache

Neue Version des Taupunktlüfters

Der Taupunktlüfter hat sich in den letzten Jahren als zuverlässiges System zum Trocknen von Wohnungen und Häusern erwiesen. Nun gibt es ein Update der Software und ein paar Hardware-Anpassungen, die mit allen Versionen möglich sind.

Das Projekt Taupunktlüfter erfreut sich weiterhin hoher Beliebtheit. Es wurde vom Autor selbst nicht nur mit Daten-Logging versehen, sondern auch zum Radonlüfter erweitert. Weiterhin wird es in vielen weiteren Projekten zitiert, sei es als Taupunktlüfter mit Shelly-Geräten oder direkt in das Smart Home eingebunden.

Jetzt gibt es Neuerungen für das Originalprojekt des Taupunktlüfters. Der Autor Ulli Schmerold schreibt:

„Angestoßen wurde das neue Taupunktlüfter-Update von der Chart-Plattform Highcharts, die bisher das Rendern der Taupunktlüfter-Charts für das Projekt erledigt hatte. Ohne Vorankündigung wurden bei allen Taupunktlüftern keine Charts mehr generiert, ich vermute seit Anfang 2026. Grund dafür war eine Änderung der Lizenzpolitik von Highcharts.“

Und weiter:

„So war ich gezwungen, ein anderes kostenloses Chartprojekt zu suchen, Highcharts aus dem Code herauszuoperieren und meinen neuen Favoriten Chart.js einzubauen – ein nicht unerheblicher Aufwand. Und wenn ich dann ohnehin schon dabei bin, kann ich auch gleich so einiges, was von Lesern (Taupunktlüfter-Betreibern) herangetragen wurde umsetzen.“

Das Update ist für vorhandene Installationen schnell selbst erledigt oder im heise-Shop als kompletter Bausatz (ohne Lüfter, Kabel und Gehäuse) erhältlich.

Die Neuerungen

Herausgekommen ist eine neue Version 7.0 (die Platine bleibt auf Stand 5.0) mit folgenden Verbesserungen:

  • Die Weboberfläche wurde zusammen mit dem Umbau der Chartplattform komplett neu gestaltet. Der ESP generiert jetzt mehrere Webseiten, z. B. zum Anzeigen des Fehlerprotokolls (ebenfalls neu), zum Anzeigen der eingestellten Werte (Optionen), zum Anzeigen des Datenmaterials und zum Anzeigen der Speichernutzung des ESPs.
  • Verschiedene Aktionen wie ein Neustart des ESPs, das Löschen des Fehlerprotokolls oder das Löschen der Daten, können auch direkt auf den Seiten ausgeführt werden. Dafür wurden die jeweiligen Buttons auf diese Seiten eingebunden.
  • Der Aufbau der einzelnen Datensätze wurde umgebaut, sodass jetzt nur noch ca. 20 Prozent des Speicherplatzes der vorigen Version benötigt werden. Großes Augenmerk lag dabei auf Datenkonsistenz. Weist auch nur ein Wert beim Check eine Ungereimtheit auf, wird der komplette Datensatz verworfen. Nach wenigen Sekunden wird dann ein erneuter Speicherversuch unternommen.
  • Als Dateisystem wurde das veraltete SPIFFS durch das neue und ausfallsicherere LittleFS ersetzt.
  • Bereits die beiden letzten Punkte haben eine Beschleunigung beim Aufbau der Webseiten gebracht, da weniger Daten übertragen werden müssen. Einen zusätzlichen Boost wurde durch das Straffen des HTML-Codes erreicht. Den größten Anteil dabei haben die Leerzeichen und Zeilenvorschübe. Diese Zeichen machen zwar den Code leserlicher, müssen dann aber auch zum Client übertragen werden. In diesem Fall wurde der Code ca. 40 Prozent kleiner und die Seite nun auch um 40 Prozent schneller geladen.
  • Auf den Webseiten wurde ein Menübalken am unteren Rand der Seite eingefügt. Damit kann jetzt leicht zwischen den einzelnen Taupunktlüfter-Seiten hin und her gewechselt werden.
  • Wird ein Radonmessgerät betrieben, so kann jetzt auch das Lüftungssignal des Radonsensors den Taupunktlüfter starten. Die Taupunktlüfter-Steuerung zeichnet dann die genauen Zeiten auf und zeigt auf der Webseite die gesammelten Zeiten in einem Balkendiagramm an (rot = Radon, blau = Taupunktlüfter).
  • Zu guter Letzt wurde der Taupunktlüfter so angepasst, dass er mit dem aktuellen ESP32 Arduino Core (Stand 3.3.9) in der Arduino IDE kompatibel ist. Dazu waren einige Änderungen am Taupunktlüfter-Code nötig, da Espressif u. a. die Watchdog-Routinen und Timer-Funktionen geändert hatte.

Entstörung

Durch Supportanfragen und Fehlermeldungen wurde ein wohlbekanntes Problem bei DHT22-Sensoren auffällig. Sie sind sehr anfällig für elektromagnetische Störungen (EMI = Electromagnetic Interference). Wenn etwa Rollladenmotoren schalten, entstehen Spannungsspitzen und Magnetfelder, die die empfindliche, proprietäre Kommunikation des DHT22 stören.

Beheben lässt sich dieses Problem durch jeweils einen 10-kΩ-Pull-up-Widerstand zwischen den DATA-Pins (Pin 5 und Pin 15) und der VCC-Leitung (3,3 V). Anderenfalls zieht jede kleine Funkstörung die Sensordatenleitung auf Masse und der Sensor liefert dann Datenmüll.

Bild 1: Die zwei Möglichkeiten, die Pull-up-Widerstände zu montieren.
Bild 1: Die zwei Möglichkeiten, die Pull-up-Widerstände zu montieren.

Diese Widerstände können entweder direkt mit in die Sensorbuchsen geschraubt oder auf die Rückseite der Platine an die jeweils passenden Platinenanschlüsse gelötet werden (Bild 1).

Die Signalisierung vom Radonmessgerät erfolgt über einen Stecker auf dem praktischen Lochraster auf der Platine (Bild 2).

Bild 2: Radonmessgerät-Eingang über eine Steckverbindung auf dem Lochraster-Erweiterungsfeld.
Bild 2: Radonmessgerät-Eingang über eine Steckverbindung auf dem Lochraster-Erweiterungsfeld.

Zu beachten: Es wird nicht der jeweilige Radonwert, sondern nur das Start- und Stoppsignal für den Radonlüfter übermittelt. Somit kann kein konkreter Becquerelwert am Taupunktlüfterdisplay abgelesen werden, aber die Zeit, die der Lüfter aufgrund der zu hohen Radonwerte aktiv war.

Aussicht

Für die nähere Zukunft plant der Autor, dass alle Einstellungen, die bisher nur direkt an der Taupunktlüfter-Steuerung verändert werden konnten, auch im Webbrowser eingetragen werden können.

Außerdem soll es dann möglich sein, wahlweise DHT22- oder BME/BMP280-Sensoren an den Taupunktlüfter anzuschließen. Schaut auf make-magazin.de, beobachtet das GitHub-Repository oder schaut direkt auf der Shopseite vorbei. —caw

Alles zum Artikel im Web unter make-magazin.de/xw9d