Die Maker Faire Hannover 2026 | Make | heise magazine
Make 5/2026
S. 44
Make
Maker Faire Update

Die Maker Faire Hannover 2026

17.500 Besucher, mehr als 200 Aussteller und unzählige Ideen: Die Maker Faire Hannover 2026 war wieder ein Fest für Technikbegeisterte, Tüftler und Neugierige. Die Make-Redaktion war mittendrin und blickt zurück auf ihre ganz persönlichen Highlights, überraschende Entdeckungen und besondere Begegnungen.

von Daniel Bachfeld, Johannes Börnsen, Akos Fodor, Meina Franzius, Marcus Hansson, Alexander Panknin, Daniel Schwabe und Carsten Wartmann

Die coolste Messe des Jahres, die Maker Faire Hannover, ist vorbei und hat 17.500 Besuchern ein Wochenende beschert, das man nicht so schnell vergisst. Über 200 Aussteller waren vor Ort, von denen ein Drittel sogar das erste Mal auf einer Maker Faire waren. Sie alle haben interessierten Makern ihre Projekte vorgestellt. Mittendrin war natürlich auch wieder die Make-Redaktion, die das ganze Jahr auf diesen Moment hingefiebert hat und stolz auf ihrem eigenen Stand Heftprojekte präsentieren und mit Besuchern fachsimpeln konnte. Da das Erleben einer Maker Faire so individuell ist, wie ihre Besucher, Aussteller und Projekte, gibt jedes Redaktionsmitglied hier einen Einblick in seine ganz persönlichen Highlights.

Die Make-Redaktion auf der Messe. Von hinten Links nach rechts: Daniel Bachfeld (Make-Chef-redakteur), Dunia Selman, Rebecca Poweleit, Meina Franzius, Carsten Wartmann, Ákos Fodor, Daniel Schwabe, Alexander Panknin, Johannes Börnsen, Melika Azimi und Marcus Hansson.
Die Make-Redaktion auf der Messe. Von hinten Links nach rechts: Daniel Bachfeld (Make-Chef-redakteur), Dunia Selman, Rebecca Poweleit, Meina Franzius, Carsten Wartmann, Ákos Fodor, Daniel Schwabe, Alexander Panknin, Johannes Börnsen, Melika Azimi und Marcus Hansson.

Daniel Bachfeld

Weil ich auf der Maker Faire Hannover jedes Jahr die Rundgänge für Politik, Presse und Wirtschaft plane und durchführe, bekomme ich immer einen sehr guten Überblick, wer was auf unserem Festival präsentiert. Dieses Jahr waren besonders viele Schulen, Hochschulen und Bildungsinitiativen unter den Ausstellern, die ihre Projekte und Programme rund um Make Education zeigten.

Da war es natürlich naheliegend, dieses Thema als Grundthema für den Rundgang zu setzen und dafür zu sensibilisieren. Gerade jetzt, da Schulen unter Druck stehen, Fachkräfte fehlen und KI unsere Welt verändert, brauchen wir Berührungspunkte wie Makerspaces, Maker Faires und handlungsorientierte Bildungsansätze dringender denn je. Bildung darf sich nicht darauf beschränken, Antworten aus Lehrbüchern zu vermitteln. Sie muss zeigen, wie man sich auf die Suche nach neuen und eigenen Lösungen macht.

Auf dem Rundgang hat Daniel Bachfeld (rechts) der lokalen Politik, hier dem Oberbürgermeister von Hannover Belit Onay (2 v. r.), einen Einblick in die Maker-Szene gegeben.
Auf dem Rundgang hat Daniel Bachfeld (rechts) der lokalen Politik, hier dem Oberbürgermeister von Hannover Belit Onay (2 v. r.), einen Einblick in die Maker-Szene gegeben.

Parallel dazu habe ich mich dieses Jahr auf die Pflege meiner Kontakte konzentriert. Viele Autoren begleiten uns seit 2012, als wir noch c’t Hardware Hacks hießen und so manche Aussteller und auch Besucher sind seit der ersten Maker Faire 2013 immer noch dabei. Manchmal fühlt es sich dann wie ein Klassentreffen an, mit besonders interessanten Werdegängen, spannenden Entwicklungen, manchmal auch mit traurigen Geschichten. Die neue Lese-Ecke mit Couch auf unserem Make-Stand war dahingehend für entspannte Gespräche bestens geeignet. Um über neue Artikel und Ideen zu sprechen und Feedback zu sammeln.

Mein persönliches Highlight war unsere kaufmännische Auszubildende Meina, die für acht Wochen in der Redaktion hospitierte und ein Bierpong-Tisch „from scratch“ plante und baute. Meina hatte sich das Konzept selbst ausgedacht und dann im Sparring mit ChatGPT und Redakteuren das Wissen angeeignet, das sie zur Umsetzung brauchte: 3D-Konstruktion, 3D-Druck, Mikrocontroller-Programmierung, LED-Ansteuerung, Lichtschranken einlesen, Holzbearbeitung, Bohren, Schrauben, Löten, Verkabeln, Schrumpfschläuche schrumpfen usw..

Alex

Mit Makey:Lab war ich dieses Jahr in der neuen Makey World vertreten. Was ich noch nicht wusste: Viel weiter sollte ich an diesem Wochenende auch nicht kommen.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, durch die Hallen zu ziehen, Projekte anzuschauen, mit Leuten zu sprechen und möglichst viele Eindrücke zu sammeln. Das hat allerdings nicht so ganz geklappt. Vielleicht lag es daran, dass ich vergessen hatte, die Workshop-Zeiten an meinem Makey:Lab-Stand aufzuhängen (Bild 3). Und so wurde aus dem eigentlich geplanten Programm ziemlich schnell eine Art zweitägiger Hackathon.

Bild 2: v.l.: Daniel Bachfeld (Make), Alexander Panknin (Make), Prof. Dr. Klaus-Uwe Gollmer (Umwelt-Campus Birkenfeld).
Bild 2: v.l.: Daniel Bachfeld (Make), Alexander Panknin (Make), Prof. Dr. Klaus-Uwe Gollmer (Umwelt-Campus Birkenfeld).

Dabei habe ich gemerkt: Für den Geist einer Maker Faire muss man gar nicht unbedingt weit laufen. Manchmal reicht ein einziger Tisch. Dort wurde ausprobiert, gefragt, verändert und verworfen. Und irgendwann entstanden aus den ersten Experimenten der Besucher ganz eigene Projektideen.

Besonders gefreut haben mich die vielen jungen Teilnehmer. Bei Makey:Lab sagen wir normalerweise „ab 14“. Eine Altersangabe muss man schließlich machen. In der Makey World saßen allerdings einige deutlich jüngere Besucher vor mir, die sofort loslegten. Vielleicht ist Neugier sowieso die bessere Altersangabe.

Bild 3: Nach Eröffnung der Messe waren diese Maykey:Lab-Plätze durchgehend besetzt.
Bild 3: Nach Eröffnung der Messe waren diese Maykey:Lab-Plätze durchgehend besetzt.

Zwei Jungs kamen zwischendurch mit ordentlich Hacker-Energie an den Tisch und wollten vor allem wissen, was sich mit der Technik alles „anstellen“ lässt. Also gab es eine Extra-Challenge: Baut mir einen Chat über ESP-NOW. Ganz geklappt hat der am Ende nicht. Dafür wurde das völlig überfrachtete Messe-WLAN analysiert, viel herumprobiert und der ESP32 ordentlich zum Schwitzen gebracht.

Genau solche Momente mag ich: Man beginnt mit einer Anleitung und irgendwann kommt die Frage: „Geht das eigentlich auch anders?“ Ab da wird es oft erst richtig interessant.

Zwar war ich dadurch am Makey:Lab-Stand eingespannt, aber immerhin hielt unser XXL-Makey:Lab am Make-Stand die Stellung und schickte den einen oder anderen Besucher in meine Richtung. So bekam ich an meinem Platz in der Makey World immer wieder neuen Nachschub.

Meina

Ich bin mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr zur Medienkauffrau Digital und Print bei heise.

Dadurch war ich 2024 und 2025 bereits auf der Maker Faire, habe dort allerdings ganz andere Aufgaben übernommen als die eines typischen Makers, der dort seine Projekte ausstellt. Im ersten Jahr habe ich mich unter anderem um den Fotoautomaten und um die Besucherumfragen gekümmert, im zweiten Jahr dann um den Verkauf im heise shop. Einen Tag war ich außerdem noch privat auf der Messe.

In meinem ersten Jahr auf der Maker Faire habe ich etwas entdeckt, was mich für mein eigenes Projekt inspiriert hat: eine Art leuchtenden (Bier-)Pongtisch. Mit Bier hatte der Tisch allerdings nicht besonders viel zu tun, es handelte sich eher um eine Arcade-Version des Partyspiels. Später konnte ich die Aussteller und das genaue Projekt leider nicht mehr finden, habe die Idee aber so, wie ich sie noch im Kopf hatte, als Inspiration genutzt und konnte jetzt zum ersten Mal wirklich als Maker auf der Messe auftreten!

Mein Projekt: ein Tisch mit zehn Löchern in denen LED-Ringe leuchten (Siehe Bild 4). In diese Löcher muss man einen Tischtennisball mit einem gezielten Wurf hinein befördern. Aber Obacht: Alle paar Sekunden wechselt die Farbe zwischen Rot, Grün und Blau. Je nach Farbe gibt es unterschiedliche Punkte – Grün bringt am meisten, Rot zieht Punkte ab. Gesteuert wird das Ganze von einem ESP32, der über Infrarot-Lichtschranken erkennt, in welchem Loch der Ball gelandet ist.

Bild 4: Als erstes Projekt direkt so ein Brecher: Der digitale Bierpong-Tisch am Messestand mit der stolzen Makerin.
Bild 4: Als erstes Projekt direkt so ein Brecher: Der digitale Bierpong-Tisch am Messestand mit der stolzen Makerin.

Mit diesem Projekt stand ich gemeinsam mit den Redakteuren und ihren Projekten am Stand des Make Magazins und durfte die Messe dadurch aus einem ganz neuen Blickwinkel kennenlernen. Die letzten zwei Jahre hatte ich mich von anderen und ihren Projekten inspirieren lassen, dieses Mal war ich auf der anderen Seite.

Die Hauptzielgruppe meines Projektes waren ursprünglich zwar keine Kinder, bei denen kam es aber auf jeden Fall am besten an. Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Kindern die Regeln zu erklären, sie anzufeuern und zu sehen, wie der Tisch sie begeistert hat.

Am besten ist natürlich das Fachsimpeln. Den Besuchern zu erklären, wie mein Projekt funktioniert, was ich mir bei den einzelnen Teilen gedacht habe und für welche Bestandteile ich mich entschieden habe, ist einfach toll. Außerdem konnte ich davon berichten, wie ich das erste Mal einen 3D-Drucker benutzt habe und wie viel Kleinarbeit das Verkabeln und Löten war. Mit einigen bin ich auch darüber ins Gespräch gekommen, was man noch verbessern oder hinzufügen könnte, zum Beispiel verschiedene Spielmodi.

Dass man als Besucher auf der Maker Faire inspiriert wird, wusste ich schon. Was ich aber gar nicht so auf dem Schirm hatte: Das funktioniert als Aussteller genauso. Durch den Austausch mit den Besuchern und den anderen Makern bin ich selbst mit ganz vielen neuen Ideen für mein Projekt nach Hause gegangen. Am Ende hatte ich das Gefühl, ich könnte wahrscheinlich noch die restliche Zeit meiner Ausbildung in der Redaktion verbringen, um den Tisch weiter zu perfektionieren.

Ákos

Die Maker Faire ist für mich wie ein Freizeitpark, den man immer wieder gerne besucht und sich auf Attraktionen (und in dem Fall auch Menschen) freut, die man nicht nur kennt sondern auch lieb gewonnen hat. Aber es ist auch schön, mal etwas Neues zu erleben. Und so hat es mich dieses Jahr sehr gefreut, dass ich Dinge entdecken konnte, die ich so noch nicht gesehen habe.

Am Stand von Haunted Gears Creations gab es spektakuläre Animatronics zu beobachten. Etwa einen lebensechten Raben (Bild 5), der nur halbseitig mit Federn bedeckt war und auf der anderen Seite einen Blick in sein Inneres ermöglichte. Auch ein Baby-Roboter war zu bestaunen, dessen 3D-gedruckter Körper komplexe Bewegungen ausführen und sogar einzelne Finger bewegen konnte. Auf die Frage, wie Standbetreiber Eddie zur Ani-matronik gekommen sei, erzählte er mir, dass ihn das Thema bereits sein Leben lang begleite und als Hobby begann. Mittlerweile seien aber auch schon Aufträge für die Filmindustrie und die Forschung entstanden (etwa für ein Vogelbeobachtungs-Projekt). Von der mechanischen Konstruktion in Solidworks über das organische Modellieren in ZBrush, bis hin zum 3D-Druck und Silikongießen mache er alles selbst. Dass er damit viel Erfahrung hat, konnte man den Modellen wirklich ansehen.

Bild 5: „Nimmermehr! Nimmermehr! Nimmermehr!“... Werde ich eine Maker Faire verpassen.
Bild 5: „Nimmermehr! Nimmermehr! Nimmermehr!“... Werde ich eine Maker Faire verpassen.

Wie auf einer Maker Faire üblich, leidet man irgendwann ein wenig an Reizüberflutung. Da hätte ich (ohne einen Tipp) fast ein Projekt von Relions3d übersehen, das mich hellauf begeistert hat: eine 3D-gedruckte Murmelbahn namens Marble Runner. Sie besteht aus unterschiedlichen Modulen (Bild 6), die man stapeln und mithilfe von Magnetkugeln aneinander stecken kann. So entstehen in kurzer Zeit Gebilde, die hochkomplex wirken, und sich mit wenigen Handgriffen modifizieren, abreißen und neu aufbauen lassen. Sein Erfinder, Michel, hat die in Bild 6 gezeigte Konstruktion eben mal so vor Ort zusammengestellt. Für die Fertigung der Module reichte ein 3D-Drucker, und um die Kugeln in den Kunststoff zu drücken, präsentierte mir der Maker sogar ein eigens dafür entwickeltes Werkzeug. Michel plant, bald ein paar Basisteile zu veröffentlichen, es soll zukünftig aber auch spezielle Module geben, für die man bezahlen muss. Das ist ein schöner Ansatz und ich freue mich schon darauf, den Drucker anzuschmeißen.

Bild 6: Kunterbunt und durcheinander: So muss eine Kugelbahn sein.
Bild 6: Kunterbunt und durcheinander: So muss eine Kugelbahn sein.

Carsten

Wie immer war unser eigener Stand sehr ambitioniert und wir hatten alle Hände voll zu tun. Meine Rundgänge auf der Messe waren auf kurze Besuche in meinen Pausen bei wenigen Ausstellern und Freunden beschränkt. Am Stand hatte ich allerdings praktisch jederzeit einen Gesprächspartner. Dieses Mal hatte ich nur eines meiner eigenen Projekte am Stand: die AllSky-Kamera aus Make 3/2026 und 4/2026. Ich hatte bereits bemerkt, dass der Artikel im Heft und online erfolgreich lief. Dennoch war ich überrascht, das immer jemand Fragen, Anregungen oder Lob für mich hatte. Viele wollten schon länger so etwas bauen und gehen es nun an. Anscheinend hat auch die Sonnenfinsternis viele Maker und Hobbyastronomen inspiriert, sich mal wieder mit unserem Himmel zu beschäftigen und so wurde dann auch viel über Teleskope - smart oder klassisch - diskutiert und Fotos ausgetauscht.

Es kamen auch immer wieder Aussteller direkt an den Stand und haben mich angesprochen. Sonst hätte ich mein Highlight der Messe, das schnurlose Dosentelefon, sicher verpasst. ESP Now wird hier benutzt, um ein authentisches Dosentelefon ohne Schnur zu machen. Die Ravioli-Dosen klingen herrlich metallisch durch einen Vibrationslautsprecher, die Senderichtung wird durch Lagesensoren bestimmt. Also die Dose ganz natürlich vor den Mund halten und sprechen, am anderen Ende hält sich der Gesprächspartner die Dose ans Ohr. Funker werden das noch kennen, es erfordert Disziplin, so Gespräche zu führen.

Zum Glück ließ ich mich vom „Cocktail-Mixer im Rucksack“ (Bild 7) vom Stand weglocken. An sich gibt es wohl auf jeder Maker Faire ein solches Projekt und inzwischen gibt es wohl auch eine Spezialmesse für Mix-Roboter. Und hier hat dann der Zauber der Maker Faire zugeschlagen: Mix-Roboter kenne ich zwar schon hunderte, aber dieser kleine Mixer war wirklich eine neue, kleine und simpel zu druckende Evolution. Durch ein Mehrwegeventil und die Tatsache, dass die Flüssigkeiten nicht durch die (einzige) Pumpe fließen und die Zutaten erst im Glas gemixt werden, leicht zu reinigen und hygienisch. Und natürlich: jenseits des Spaßfaktors sind Mischsysteme ja für industrielle und handwerkliche Prozesse eine sinnvolle Sache: Sei es zum Dosieren von Chemikalien für die Wasserbehandlung oder zum Mischen von Zutaten für Epoxidharz mit Härter und Farbstoffen.

Bild 7: Bei diesem mobilen Cocktailmaker, pumpt die Pumpe Luft in die Flaschen um die Flüssigkeit heraus zu drücken.
Bild 7: Bei diesem mobilen Cocktailmaker, pumpt die Pumpe Luft in die Flaschen um die Flüssigkeit heraus zu drücken.

Marcus

Als stolzer Maker-Papa konnte ich den mit meinen Töchtern selbst gebastelten Flipper „Blue Mermaid„ (Artikel darüber auf Seite 18 in diesem Heft) als Teil der neuen Leseecke beisteuern. Aber so sehr es mich auch freut, andere Kinder damit spielen und Spaß haben zu sehen: Ich musste mir unbedingt so schnell es ging die Ausstellung anschauen.

Dabei bin ich direkt beim Stand von Flippertogo.de vorbeigekommen - passend. Ein dezenter Holzkasten, 60 cm breit, wie ein normales Flipperspiel eben, mit den typischen beiden Knöpfen an den Seiten – das war alles, was zu sehen war. Und eine VR-Brille. Neugierig wie ich bin, habe ich mir die sofort umgeschnallt – und befand mich nicht mehr auf der Maker Faire, sondern in einer Spielhalle voller Flipperautomaten. Daneben fühlte sich unsere Blue Mermaid mit ihren beweglichen Teilen und gummibandbefeuerten Flippern doch recht bescheiden an!

Was mich mindestens genauso in den Bann gezogen hat, war BuzzBird (Bild 8) – eine Installation, die auf ähnliche Weise die Grenze zwischen dem Physischen und dem Virtuellen verwischt, nur ganz ohne VR-Brille. Auf einem Gerüst ragte ein Vogel – eine Möwe, würde ich sagen – mit etwa vier Metern Flügelspannweite in die Höhe. Man stellt sich davor, schaut dem Vogel in die Augen (kleine runde Bildschirme), und die Bewegungen der eigenen Arme übertragen sich auf das mechanische Tier. Möglich machen das zwei Armbänder mit Bewegungssensoren.

Bild 8: Eines der Messe-Highlights: Der BuzzBird
Bild 8: Eines der Messe-Highlights: Der BuzzBird

Die Idee dahinter: vermitteln, wie es sich anfühlt zu fliegen. Der Schöpfer der Installation, Eitan Rieger, nennt sich Creative Technologist – und das passt. Was auf der Maker Faire zu sehen war, ist erst ein Prototyp. Später soll es möglich sein, direkt im Vogel Platz zu nehmen, um dem Gefühl des Fliegens noch näher zu kommen. Auf einem ganz anderen Level – nichtsdestotrotz äußerst unterhaltsam – waren die Zahnbürstenroboter am Stand 143 von Wunderwuzzi Roboter. Ein kleiner Vibrationsmotor, eine Minibatterie, eine abgesägte Zahnbürste. Ganz ohne VR, ganz ohne Bewegungssensoren – und trotzdem haben mich die kleinen, herumhüpfenden Roboter sofort überzeugt. Zwölf Stück habe ich gleich für den anstehenden Kindergeburtstag meiner Tochter eingepackt. Man braucht eben nicht immer die große Technik, um zu begeistern – manchmal reicht eine Zahnbürste.

Johannes

Wie viel Inspiration eine Maker Faire bietet, können die Fotos ganz gut vermitteln. Von 3D-Druck-Projekten über Uni-Gruppen, Makerspaces, Angebote für Kinder und handwerklichen Vorführungen bis hin zu den immer zahlreicher werdenden Mini-Elektroautos bleibt sicher kein Maker-Herz unberührt. Weniger offensichtlich ist für die meisten Besucher dagegen, wie viel Feedback man zu eigenen Projekten bekommen kann, wenn man sie auf der Maker Faire zeigt.

Unseren Make-Stand haben wir wieder mit allerhand Projekten aus dem Magazin gefüllt. Ich habe beispielsweise die ArcadeBox, die Elektrowerkstatt im Koffer und meinen Osziloskop-Trainer mitgebracht. Letzterer erscheint demnächst als Artikel im Make Magazin, den aktuellen Entwicklungsstand kann man auf unserem YouTube-Kanal bereits anschauen.

In zahlreichen Gesprächen ging es tief in die technischen Feinheiten der Projekte. Es kamen viele sehr fachkundige Fragen und vor allem auch gute Ideen, wie man die Projekte erweitern, weiterentwickeln oder zweckentfremden könnte. Dabei haben sich auch mehrere spannende Kontakte zu Personen ergeben, die Lust haben, zu den Projekten einen Beitrag zu leisten, weil sie ohnehin tief im Thema stecken.

Ähnliches habe ich auch von anderen Makern gehört, die teilweise seit vielen Jahren ihre Kreationen auf der Maker Faire zeigen. Auf den ersten Blick mag es also sehr selbstlos erscheinen, den Aufwand zu treiben, sich einen Stand zu überlegen, die Projekte sicher zu verpacken und nach Hannover zu bringen. Wenn man es aber einmal gemacht hat, stellt man das erfahrungsgemäß in den Folgejahren kaum noch infrage. Das erklärt auch, warum viele Maker jedes Jahr wiederkommen und man Projekte über mehrere Jahre wachsen sehen kann, wenn man jedes Jahr zur Maker Faire kommt. Und man kann auch sehen, wie sich einzelne Maker weiterentwickeln – sicherlich auch durch den Austausch mit anderen Makern auf der Maker Faire.

Ich kann daher nur empfehlen, einmal eigene Projekte auf der Maker Faire zu zeigen. Es muss ja kein komplett eigener Stand sein, auch ein gemeinsamer Stand mit anderen Makern funktioniert super. Das Elektro-Quad auf dem Bild 9 habe ich beispielsweise am Stand des Makerbuzz entdeckt,

Bild 9: 50ccm-Billig-Benzinmotor raus, Elektromotoren aus defekten Hoverboards rein.
Bild 9: 50ccm-Billig-Benzinmotor raus, Elektromotoren aus defekten Hoverboards rein.

Daniel Schwabe

Ich war dieses Jahr wirklich noch mehr begeistert von unserem Stand. Etwas größer, mehr Luft zwischen den Projekten und eine neue und viel genutzte Leseecke samt gemütlicher Couch. Da konnten wir die Besucher gebührend empfangen.

Schon vor Beginn der Messe war ja bekannt, dass ein Drittel der Aussteller zum ersten Mal dabei sein werden. Und das ist mir immer wieder aufgefallen. Zwischen den bekannten Gesichtern und den weiterentwickelten Projekten, blitzte immer wieder Unbekanntes auf, bei dem ich dann direkt in den „Aufsaug-Modus“ gewechselt bin. Genau zu schauen, was da Cooles von einem neuen Maker vorgestellt wurde, hat am meisten Spaß gemacht.

Und selbstverständlich war es wieder toll, den Besuchern eigene Projekte zu zeigen und zu erklären. Meist war ein Wechsel im Gesichtsausdruck von fragend („Wieso steht hier eine Fußgänger-Ampel?“) hin zu interessiert („Oh, Für Teams? Das ist perfekt für mein Büro“) zu verfolgen. Ähnlich ging es mir dann auch mit dem Make-Adventskalender, den wir zusammen mit Franzis entwickelt haben und der dieses Jahr zum ersten Mal auf der Messe fertig zu sehen und zu erwerben war. Zu wissen, dass er jetzt schon für einige Kinder und Enkel bereit liegt, lässt mich ein bisschen wie der Weihnachtsmann fühlen.

Dieses Jahr habe ich mir außerdem mal die Zeit genommen und in den Außenbereichen gegessen, anstatt immer in der Halle oder am Stand. Dort die herumsausenden Kinder zu sehen, die handwerklich arbeitenden Maker und die ganzen glücklich schauenden Gesichter, hat mir viel Energie gegeben.

Wie jedes Jahr haben die Kollegen und ich wieder viele Ideen, wie man den Stand nächstes Jahr noch cooler machen kann. Darauf freue ich mich jetzt schon!

Kommende Events

Damit ist der Maker-Höhepunkt für 2026 toll über die Bühne gegangen. Aber das Maker-Jahr ist natürlich noch nicht vorbei. Im DACH-Raum gibt es bis zum Jahresende noch Maker Faires. Von Tübingen bis ins Rheinland. Und auch für nächstes Jahr stehen Termine fest. Am besten trägt man sich jetzt schon das Datum für die Maker Faire Hannover 2027 am 21. bis 22. August in den Kalender ein. —das

kommende Maker Faire Termine
Veranstaltung Datum Veranstaltungsort
Maker Faire Tübingen 17. Oktober 2026 Shedhalle Tübingen
Maker Faire Salzburg 7. November 2026 HTBLuVA Salzburg
Maker Faire Mittleres Rheinland 7.–8. November 2026 Industriedenkmal Sayner Hütte Bendorf
Maker Faire Heilbronn 6. Februar 2027 Experimenta-Platz Heilbronn
Maker Faire Ruhr 13.–14. März 2027 DASA Arbeitswelt Ausstellung
Maker Faire Solothurn 13.–14. März 2027 Enter Technikwelt, Schweiz
Maker Faire Minden-Lübbecke 3.–5. Juni 2027 Hallenareal der DB Systemtechnik
Maker Faire Lübeck 10.–11. Juli 2027 Musik- und Kongresshalle (MuK)
Maker Faire Hannover 21.–22. August 2027 Hannover Congress Centrum