Was funktioniert, wenn nichts mehr geht?
Einbetonierte USB-Sticks und Bluetooth-Mesh-Netzwerke zeigen, wie Menschen kreative Wege um zentrale Infrastruktur herum finden, um sich zu vernetzen und politischen Protest zu organisieren.
Es ist 2011. Ich stehe in Berlin Mitte neben einem Betonsockel, in den mein Kollege Marcello mit einer Bohrmaschine ein Loch bohrt. Gerade groß genug für einen USB-Stick. Eine halbe Stunde später ist der Stick einbetoniert und nur noch der Anschluss ragt heraus. Wer vorbeikommt, kann seinen Laptop anstöpseln, Dateien herunterladen oder eigene auf den Stick laden. Das Konzept stammt vom Künstler Aram Bartholl, der 2010 die ersten fünf USB-Sticks in New York City einmauerte und sie zu einem anonymen Offline-Filesharing-Netzwerk erklärte. Das Ganze nannte er Dead Drop – toter Briefkasten. Damals fand ich den anarchischen Charme der Idee großartig. Heute fasziniert mich, wie wenig dieses Offline-Filesharing-Netzwerk braucht, um zu funktionieren.
Unsere digitale Welt hängt an einem Geflecht von Abhängigkeiten. Strom. Mobilfunkmasten. Glasfaserkabel. Rechenzentren. DNS. Cloud-Anbieter. Accounts. App Stores. Damit digitale Services reibungslos laufen, muss im Hintergrund viel funktionieren und ineinandergreifen. Das tut es meistens erstaunlich gut. Doch was, wenn zentrale Infrastruktur ausfällt? Und was, wenn der Ausfall kein Unfall ist, sondern jemand aktiv das System stört?