Die Neuerungen von Fedora 16
Das neue Fedora bringt eine aktuelle Softwareausstattung sowie Verbesserungen rund um Virtualisierung und Cloud Computing. Bei der Partitionierung und beim Booten schwenkt Fedora auf neue Techniken um.
- Thorsten Leemhuis
Fedora 16 (16 Bilder)

Gnome 3.2
Zwei Wochen später als ursprünglich geplant, aber ohne eine bei Fedora sonst so häufige Verschiebung kurz vor der Fertigstellung hat das Fedora-Projekt die sechzehnte Ausgabe seiner Linux-Distribution veröffentlicht. Mit ihr stellt das Projekt auf den Boot-Loader Grub 2 um und setzt zur Partitionierung von Datenträgern standardmäßig auf die GPT (GUID Partition Table). Mit Gnome 3.2, KDE 4.7, LibreOffice 3.4 und Kernel 3.1 enthält Fedora 16 zudem eine aktuelle Softwareausstattung; es bringt außerdem eine ganze Reihe von Verbesserungen rund um Virtualisierung und Cloud Computing mit.
Die kurz "Verne" genannte Fedora 16 wurde nach dem Schriftsteller Jules Verne benannt; gewidmet ist die Distribution allerdings dem kürzlich verstorbenen Dennis Ritchie, der die erste Unix-Version mitentwickelte und zusammen mit Ken Thompson und Brian Kernighan die Programmiersprache C konzipierte.
Systemstart
Mit Verne vollzieht nun auch das Fedora-Projekt den Wechsel auf Grub 2 – Ubuntu nutzt den Boot-Manager/-Loader schon seit Karmic Koala (9.10) standardmäßig, der sich offiziell auch heute noch in der Entwicklungsphase befindet. Bei Updates auf Fedora 16 wird das Paket mit dem neuen Boot-Manager zwar eingespielt, die alte Boot-Loader-Installation im MBR oder Bootsektor aber nicht ersetzt.
Nicht nur bei Rechnern mit UEFI (Unified Extensible Firmware Interface), sondern auch bei x86-32/x86-64-Systemen ohne UEFI nutzt das Installationsprogramm nun standardmäßig eine GPT (GUID Partition Table) zum Aufteilen des Platzes in Partitionen. Beim automatischen Partitionieren legt der Installer dabei eine spezielle, 1 MByte große GPT-Partition vom Typ "BIOS Boot Partition" (Flag bios_grub in parted, nicht mit einer auf /boot/ gemounteten Partition zu verwechseln) an und installiert dort den Bootloader, wodurch auch Systeme ohne UEFI von GPT-Datenträgern Grub 2 starten können. Wer manuell partitioniert, muss solch eine Partition eigenhändig anlegen.
Windows ist allerdings auf die Hilfe von UEFI angewiesen, um von Datenträgern zu booten, die mit einer GPT eingeteilt sind. Dank der GPT kann Fedora alledings Datenträger mit mehr als 2 Tebibyte (241 Byte entsprechend 232 × 512-Byte-Sektoren oder 2,2 Terabyte) einteilen. Mehr Platz lässt sich mit dem bislang standardmäßig verwendeten und aus DOS-Zeiten stammenden MBR (Master Boot Record) beziehungsweise dessen Partitionstabelle nicht adressieren; allenfalls mit einem nicht ganz ungefährlichen Trick kann man nahezu 4 Tebibyte mit dem MBR einteilen, sofern man den Platz jenseits der 2-Tebibyte-Marke nur mit Linux nutzt.
Oberflächliches
Als Standard-Desktop-Umgebung verwendet Fedora Gnome 3.2.1 – eine um Fehler bereinigte und Übersetzungen erweiterte Ausführung der Ende September vorgestellten Version 3.2. Die beseitigt nicht nur einige viel kritisierte Probleme in von Gnome 3.0, sondern bringt auch Neuheiten wie einen überarbeiteten Log-In-Manager oder das Framework Gnome Online Accounts, die maßgeblich von Red-Hat-/Fedora-Entwicklern vorangetrieben wurden. Anwender können bei Gnome Online Accounts ihre Google-Zugangsdaten hinterlegen, sodass Gnome-Programme wie Empathy und Evolution damit auf die Google-Dienste zugreifen können, ohne dass die Konten überall eingerichtet werden müssen.
Gnome 3.2 (13 Bilder)

Feintuning
Mit den KDE Plasma Workspaces 4.7.2 liegt dem neuen Fedora zudem das zweite Service-Update des Ende Juli vorgestellten KDE 4.7 bei. Letzteres zeichnet sich unter anderem durch einige Verbesserungen für Mobilgeräte aus und hat und bringt größeres Update von DigiKam, das Verne in Version 2.2 beiliegt. Das kürzlich freigegeben KDE 4.7.3 dürfte Fedora bald als Update nachreichen. Die KDE-Oberfläche lässt sich beim Einspielen mit der traditionellen Installationsumgebung auswählen; beim KDE-Spin ist sie Standard.
Es gibt weitere Spins – Live-Systeme zum Start oder zur Installation von CD oder USB-Datenträgern – mit Lxde und Xfce als Standard-Desktop-Umgebung. Die Desktops finden sich zudem alle in den Paket-Depots, sodass man beispielsweise bei einer Installation mit Desktop-Spin, der Gnome nutzt, auch KDE nachinstallieren kann.
Innenleben
Als Kernel dient die kürzlich freigegebene Linux-Version 3.1. Den haben die Fedora-Entwickler kaum modifiziert; zu den von Fedora integrierten Änderungen zählen Utrace, das aber langfristig vermutlich durch Uprobes ersetzt wird, sowie einige Änderungen von Linux 3.2, darunter eine größere Aktualisierung des Nouveau-DRM/KMS-Treibers. Sie bringt Code zum Ansprechen der Grafikchips NVCF und NVD9 mit, was die Unterstützung neuerer GeForce-Grafikchips verbessert. Die meisten Staging-Treiber haben die Fedora-Entwickler allerdings nicht mitkompiliert; selbst der quelloffene WLAN-Treiber von Broadcom fehlt, der bei Linux 3.2 den Staging-Bereich verlässt.
Um die grafische Oberfläche kümmert sich der X-Server 1.11.1 von X.org, der für 3D-Unterstützung unter anderem mit dem aktuellen Mesa 3D 7.11 zusammenarbeitet. Bei den AMD- und Nouveau-Grafiktreibern setzt Fedora auf Entwicklerversionen, um aktuelle Grafik-Hardware besser zu unterstützten. Die proprietären Herstellertreiber von AMD und Nvidia fehlen Fedora wie üblich, da die Distribution nur Open-Source-Treiber und -Software enthält; nicht quelloffene Firmware, ohne die viele moderne Hardware-Komponenten nicht arbeiten, sind allerdings Bestandteil der Distribution.
Nvidias proprietärer Grafiktreiber lässt sich über auf Fedora zugeschnittene Depots wie RPM Fusion einspielen; hier findet man auch auf Fedora abgestimmte Pakete zur Wiedergabe gängiger, aber durch Patente geschützter Audio- und Video-Formate. Die Einrichtung der Nvidia-Treiber ist aber längst nicht so komfortabel wie etwa bei Ubuntu; auch bei Updates gibt es mit dem Grafiktreibern des Depots häufiger Hakeleien. Die neuste Version von AMDs proprietären Grafiktreibern arbeitet nicht mit dem X-Server von Fedora 16 zusammen.
Als Standard-Dateisystem verwendet Fedora weiterhin Ext4; der zeitweise angedachte Umstieg auf Btrfs wurde auf Fedora 17 vertagt, weil das Programme Btrfsck zum Prüfen und Reparieren von Btrfs-Laufwerken nicht rechtzeitig fertig wurde. Wie schon bei früheren Fedora-Versionen kann das Installationsprogramm aber durchaus Btrfs-Laufwerke anlegen.
Weitere Neuerungen
Ausgebaut und Aktualisiert
Die Fedora-Entwickler nehmen zwar laufend neue oder aktualisierte Software in die Paket-Depots für aktuelle und in Arbeit befindliche Distributionen auf, heben aber einige Anwendungen in der Fedora-16-Dokumentation als neu hervor; darunter die Texterkennungs/OCR-Software Cuneiform, das für Gnome gemachte Präsentationsprogramm Ease oder das Microblogging-Anwendung Hotot. Ebenfalls erwähnt werden der Routenplaner Routino, der auf Daten von OpenStreetMap zurückgreift, oder das LibreOffice-Add-on Oo2gd, das Dokumente der Office-Suite an Google Docs exportiert.
Wir üblich wurde die meiste enthaltene Software auf einen aktuellen Stand gebracht; Blender etwa liegt jetzt in Version 2.59 bei und LibreOffice in Version 3.4.3. Als VNC-Software dient TigerVNC 1.1, zu dem die Fedora-Entwickler Code beigesteuert haben, damit es die Bilddaten mit Hilfe von TLS verschlüsselt übertragen kann.
Entwickler finden in der Distribution jetzt Werkzeuge zur ADA- und D-Programmierung. Perl wurde auf Version 5.14.1 gehoben und auch Boost hat das Fedora-Projekt aktualisiert. Über ein GCC Plugin können Entwickler jetzt Python-Skripte bei der GNU Compiler Collection einklinken, die beispielsweise Code individuell prüfen können.
Virtualisierung und Cloud
Fedora 16 bringt nun wieder alles Nötige zum Aufsetzen eines Xen-Hosts mit; das beherrschte zuletzt das vor vier Jahren freigegeben Fedora 8. Bei dessen Nachfolger setzte Fedora voll auf KVM: Nachdem der damalige Dom0-Code schon länger nicht zu den zu den jeweils aktuellen Kernel-Versionen passte, waren es die Fedora-Entwickler Leid, den Xen-Code selbst auf neuere Kernel-Versionen zu portieren. Dieses Problem, das auch viele andere Distributoren plagte, haben die Xen-Entwickler nach langer Zeit mit dem Kernel 3.0 weitgehend beseitigt: Linux 3.0 enthält alle zum Dom0-Betrieb essenziellen Komponenten, bietet allerdings noch nicht den vollen Funktionsumfang der früheren Xen-Entwicklungslinie.
VirtualBox liegt Verne nicht bei – Virtualisierungslösung der Wahl bleibt KVM, das in verschiedener Hinsicht verbessert wurde. So lassen sich über die USB Network Redirection USB-Geräte, die an einem anderen System stecken, über das Netzwerk ansprechen; Gastsysteme sollen auf diesem Weg USB-Hardware nutzen können, die am Host hängt. Spice, ein Protokoll zum Weiterleiten der Desktop-Oberfläche von virtuellen Maschinen an entfernte Arbeitsplätze, liegt in Version 0.10 bei, die das Weiterleiten von USB-Geräten vom Client an einen entfernt laufendes Gast-System unterstützt und den X-Server "XSpice" mitbringt.
Qemu liegt in Version 0.15 bei. Die Netzwerk-Konfiguration im Virt-Manager wollen die Fedora-Entwickler an mehreren Stellen verbessert haben. Der kann nun auch Gastsysteme erkennen und bietet Funktionen, um das Dateisystem des Gastes oder eine darin gespeicherte Windows-Registry anzuzeigen. Mit Hilfe eines Lock Managers stellt das Werkzeug jetzt sicher, dass nicht mehrere virtuelle Maschinen gleichzeitig ein Laufwerk oder Image einbinden.
Einige Neuerungen für Cloud Computing erinnern daran, das bei Fedora Techniken den Feldtest durchlaufen, die für das auf Fedora basierende Red Hat Enterprise Linux (RHEL) für Unternehmenskunden relevant sind. Erstmals liegt Fedora Aeolus Conductor bei (Feature Seite, Homepage), eine Browser-basierte Software zum Cloud-übergreifenden Management von virtuellen Maschinen, die im lokalen Cluster oder in den Clouds verschiedener Anbieter laufen.
Condor Cloud (Feature Seite, Kurzbeschreibung) ist eine Cloud-Implementierung, die eine Infrastructure-as-a-Service (IaaS) bereitstellt. Condor Cloud basiert auf Condor, einer für rechenintensive Jobs optimierten Software zum Workload-Management in Clustern, und Deltacloud, einer einheitlichen Management-API für verschiedene Cloud-Anbieter. Ebenfalls neu ist HekaFS, eine "Cloud Ready"-Version von GlusterFS. Dessen Hersteller hat Red Hat kürzlich gekauft – es ist noch unklar, wie sich dieser Schritt auf die Zukunft von HekaFS auswirkt.
In den Bereich Cloud Computing fallen auch die Monitoring- und Management Software Matahari (Feature Seite, Homepage) sowie Pacemaker-Cloud (Feature Seite, Homepage) zum Sicherstellen von hochverfügbaren Anwendungen. Auch OpenStack (Feature Seite, Homepage) ist dabei. Vermutlich dürften einige dieser Komponenten über kurz oder lang in Red Hat Enterprise Linux oder anderen Produkten von Red Hat auftauchen.
Kleinkram
Weitere Informationen
Der nebenstehende Text verlinkt an vielen Stellen auf Webseiten mit Hintergründen zu den Neuerungen von Fedora 16. Weiteren Informationen liefern die Projekt-Homepage, das Wiki und eine Subdomain mit Dokumentation. Auf letzterer liegen beispielsweise die ausführlichen Release Notes und ein Installation Guide; die meisten der dort angebotenen Dokumente sind allerdings nicht in Deutsch erhältlich. Einen kurzen und ebenfalls nur in englischer Sprache erhältlichen Überblick über die Neuerungen bieten die die Talking Points und das Release Announcement im Wiki. Dort findet sich auch eine Liste mit häufiger anzutreffenden Problemen, welche die Entwickler in den nächsten Tagen erweitern dürften.
Die Fedora-Entwickler haben noch eine ganze Reihe weitere Änderungen bei Verne umgesetzt:
- Nach dem bei Fedora 15 erfolgten Umstieg auf die Sysvinit- und Upstart-Alternative Systemd hat das Projekt bei Version 16 weitere Dienste angepasst, die jetzt nicht mehr über SysV-Init-Scripte, sondern über Service-Units von Systemd starten. Dadurch ruft Systemd nun mehr Dienste als zuvor parallel auf, was den Systemstart beschleunigen soll.
- Reguläre Nutzer erhalten von nun an eine User-ID/UID von 1000 oder höher; andere Distributionen verfahren schon länger so, bei Fedora ging es bislang bei 500 los.
- Nachdem das früher zur Abstraktion von Hardware und Kernel genutzte Hal im Rahmen der Standard-Installation von Fedora schon länger nicht mehr aufgespielt wurde, haben es die Entwickler nun komplett aus den Depots entfernt; dazu haben sie einige Dutzend Programme angepasst, die bislang noch Hal erforderten.
- Zur Java-Unterstützung setzt Fedora weiterhin auf OpenJDK 1.6.0; Anwender, die das noch junge Java 7 nutzen wollen, können das als "Technology Preview" eingestufte OpenJDK 1.7.0 einfach über die Paket-Depots beziehen und über das Alternatives-Framework zur Standard-Laufzeitumgebung erklären.
- Bei Neuinstallationen legt Fedora keine /etc/rc.d/rc.local mehr an. Wenn man solch eine Datei anlegt und als ausführbar kennzeichnet, führt Systemd sie allerdings immer noch aus.
- Chrony übernimmt die Aufgabe als Standard-Client für das Network Time Protocol (NTP). Es eignet sich laut Fedora-Dokumentation besser für virtuelle Maschinen und Notebooks, die nur gelegentlich über eine Netzwerkverbindung verfügen.
- Ext2- und Ext3-Dateisysteme spricht der Fedora-Kernel jetzt mit dem Ext4-Code an.
- Im Installationsprogramm Anaconda lässt sich nun die WLAN-Anbindung konfigurieren, um darüber während der Installation zusätzlich Software nachzuladen. Einige weitere Änderungen an Anaconda listen dessen Entwickler im Fedora-Wiki.
- Laut Release Notes sind zur Installation von Verne mindestens 640 MByte Arbeitsspeicher erforderlich; die Textinstallation von Fedora 15 kam noch mit 256 MByte aus.
- Fedora 16 bringt eine Reihe von Verbesserungen am Security Framework SELinux, die Fedora-Entwickler Dan Walsh in den Blog-Einträgen "Prebuilt Policy", "File Name Transitions", "Permissive domains module" und "Shrinking policy" näher erläutert. Die im erstgenannten Blog-Eintrag erwähnte "Prebuild Policy" beschleunigt das Aktualisieren der SELinux-Policy und reduziert den Speicherverbrauch.
Ausführungen
In den Paket-Depots von Fedora 16 finden sich für die x86-64-/x64-Systeme fünfundzwanzigtausend Pakete, die das Fedora-Projekt zu unterschiedlichen Varianten der Distribution kombiniert.
Die umfangreichste Software-Ausstattung und den größten Einflussmöglichkeiten bietet die traditionelle Installationsumgebung, bei der der man Paketauswahl, Dateisystem und viele andere Faktoren beeinflussen kann. Die DVD-ISOs mit der flexiblen Installationsumgebung enthalten die gängigste Software; Desktop-Umgebungen wie LXDE oder XFCE fehlen, lassen sich aber direkt mitinstallieren, wenn man die Online-Depots als Installationsquelle aktiviert. Nur mit der traditionellen Installationsumgebung gelingt eine Netzwerkinstallation sowie die voll- oder teilautomatische Installation via Kickstart. Die traditionelle Installationsumgebung kann auch älteres Fedora-Installation aktualisieren; ein Update via PreUpgrade dürfte für die meisten Anwender allerdings die bessere Lösung sein, denn dieser Weg ist komfortabler, schneller und aktualisiert auch gleich Pakete, die nicht auf den Medien enthalten sind.
Bei den vom Projekt angebotenen "Spins" handelt es sich um Live-Medien, die auf unterschiedliche Benutzerkreise abgestimmte Software-Zusammenstellungen enthalten. Ähnlich wie eine Installations-CD von Ubuntu eignen sich Spins nicht nur zum gefahrlosen Ausprobieren der Distribution, sondern auch zum installieren. Dabei lässt sich allerdings weder die Softwareauswahl noch das Dateisystem für die Root-Partition beeinflussen – dafür ist diese Installationsmethode mit einem schnellen Quellmedium rasend schnell. Ideal ist ein flotter USB-Stick, auf den man die ISOs der Spins mit Programmen wie "dd" überträgt – die werden dadurch bootfähig, weil es sich bei den Images um Hybrid-ISOs handelt. Alternativ kann man USB-Sticks mit dem Liveusb-Creator bespielen; dabei kann man auch einen Speicherbereich einrichten, auf dem man im Live-Betrieb Daten ablegen kann.
Einige der Spins starten direkt in eine englische Benutzeroberfläche durch; wer diese in Deutsch möchte, muss sich und beim Neu im Anmeldemanager "Deutsch" als Sprache auswählen. Da viele der Spins auch auf CDs passen sollen, landet bei der Installation mit den meisten Spins weniger Software auf der Platte als beim Einspielen mit der traditionellen Installationsumgebung. So fehlt aus Platzgründen typischerweise das recht große LibreOffice. Es lässt sich nach der Installation aber über den folgenden, als Root auszuführenden Kommandozeilenbefehl leicht nachholen:
yum install \
libreoffice-{calc,draw,graphicfilter,impress} \
libreoffice-{writer,xsltfilter,langpack-de}
Ausblick, Fazit, Download
Ausblick
Parallel zur Fertigstellung von Verne haben die Fedora-Entwickler bereits mit der Arbeit an Fedora 17 begonnen, das für den Mai nächsten Jahres geplant ist. Dort soll die Gnome-Shell funktionieren, selbst wenn der Grafiktreiber keine OpenGL-Beschleunigung beherrscht. Die Entwickler wollen bei dieser Version zudem alle Dienste über Systemd-Units starten und damit die letzten SysV-Init-Skripte aus der Distribution verbannen. Möglicherweise nehmen die Fedora-Entwickler auch einen größeren Umbau vor und legen das Gros der ausführbaren Dateien in /usr/bin/ ab, statt sie zwischen /bin/, /sbin/, /usr/bin/ und /usr/sbin/ zu verteilen.
Die nächste Fedora-Version wird den Namen "Beefy Miracle" tragen. Damit war die Kampagne für das "Fleischwunder" schließlich doch erfolgreich: Einige Fedora-Mitstreiter hatten den Namen schon lautstark für Fedora 16 propagiert, wo er "Verne" in der Abstimmung allerdings knapp unterlag. Der ungewöhnliche Name und das zugehörige Logo gehen auf den Hotdog zurück, der während der Installation von Red Hat Linux 7.3 zu sehen war.
Fedora 16 (0 Bilder)
Fazit
Das neue Fedora bringt einen ganzen Stoß an Neuerungen. Einzeln betrachtet sind es eher kleine, evolutionäre Verbesserungen – in der Summe macht die Distribution damit aber wieder einen spürbaren Schritt vorwärts.
Durch den Batzen von Änderungen rund um Virtualisierung und Cloud erinnert Verne daran, das Red Hat die treibende Kraft hinter Fedora ist und in der Distribution einige eher auf Unternehmenskunden zugeschnittene Verbesserungen den Feldtest durchlaufen, die früher oder später in Red Hat Enterprise Linux auftauchen dürften. Dennoch eignet sich die Distribution durchaus für Desktop-PCs oder Notebooks, denn auch für solche ist die Distribution gemacht.
Genau wie seine Vorgänger ist aber auch Verne nicht so gut auf Linux-Neulinge zugeschnitten, wie es etwa Ubuntu ist. Soll es auch gar nicht, denn Fedora richtet sich bewusst eher an Anwender mit fortgeschrittenen Kenntnissen oder einem Interesse an Linux. (thl)
Herunterladen
Das Fedora-Projekt pflegt mehrere Seiten zum Herunterladen der Linux-Distribution. Die Haupt-Download-Seite offeriert lediglich die Standard-Version: Den für x86-32-/x86-Systeme ausgelegten "Desktop Spin". Die x86-64/x64-Variante des mit dem Gnome-Desktop ausgestatteten und zirka 600 MByte großen Live-Mediums findet sich auf einer Seite, welche die populärsten Fedora-Spins zum Herunterladen anbietet – darunter jene mit KDE oder XFCE. All diese Spins liegen als Hybrid-ISO vor, das sich zum Transfer auf CD-Rohling oder USB-Stick eignet.
Die mit Verne neuen Spins "Robotics" und "Scientific" finden sich über eine eigene Subdomain. Diese liefert auch Informationen zur Ausstattung und Zielgruppe der verschiedenen Fedora-Varianten und bietet die von früheren Versionen bekannten Spins zum Download an; darunter "Security" und "Sugar on a Stick" (SoaS) sowie den für DVDs oder größere USB-Sticks vorgesehenen "Games"-Spin.
Eine weitere Download-Seite verweist auf ISOs mit der traditionellen Installationsumgebung; sie installieren Fedora von DVD oder via Netzwerk, eignet sich aber nicht zum vorherigen Ausprobieren der Distribution. Es steht auch ein gXPE-Image bereit, um die Installationsumgebung selbst mithilfe von boot.fedoraproject.org direkt aus dem Netz zu starten. Viele der Download-Links führen den Anwender im Idealfall zu einem nicht allzu weit von ihm entfernen Spiegel-Server; die meisten Images bietet Fedora auch zum Download via Bittorrent an.
(thl)