Test: DS7 Crossback | heise autos

Test: DS7 Crossback

Das Topmodell der neuen Nobelmarke von Citroën ist ein Frontantriebs-SUV, das mit dem Audi Q5 konkurriert. Ob der DS7 Crossback mehr zu bieten hat als einen extravaganten Auftritt, musste der 180-PS starke Vierzylinder-Topdiesel im Test beweisen

vorlesen Druckansicht 20 Kommentare lesen
DS7 Crossback
Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Christian Lorenz
Inhaltsverzeichnis

Die Verlaufsblinker geben der Front die Anmutung eines animierten Glücksspielautomaten. Es fehlt nur noch das „Düdeldü”, das man vom Flippertisch kennt. In den Scheinwerfern hebt danach ein LED-Ballett an. Jeweils drei Leuchtwürfel pro Scheinwerfer drehen sich nacheinander um 180 Grad und wieder zurück. Dieser Stellmotorenmarathon findet bei jedem Öffnen des DS 7 Crossback statt. Die Rückseite der LED-Bausteine ist nur für diese Zeremonie beleuchtet. Kleinigkeiten wie diese zeigen: Der reine Nutzwert stand nicht ganz oben im Lastenheft des neuen Topmodells der Citroën-Nobelmarke. Hoher Wert wurde offenbar auf einen extravaganten Auftritt gelegt. Getestet haben wir den DS7 Crossback mit dem 177-PS-Diesel.

Im Innenraumdesign geht der DS ganz eigene Wege. Der Blick fällt über eine großzügig in Alcantara gekleidete Cockpitlandschaft, die zur Ausstattungslinie „Performance Line“ gehört. Statt auf ein klassisches Kombiinstrument mit Zeigern schaut man auf einen schwarzen Bildschirm. Ein zentraler Neunzoll-Touchscreen thront über der breiten, mit Alcantara bezogenen Mittelkonsole. Die Schalter für die Fensterheber sind neben dem eigenartig geformten Automatikwählhebel angeordnet. Sie sind aus chromartigem Material und haben eine Form, die man sich bei Täfelchen hipper Schweizer Schokoladen vorstellen könnte.

Test: DS7 Crossback (28 Bilder)

Der DS7 ist das vorerst größte Modell der Marke. Der Testwagen kam in der Ausstattungslinie "Performance Line" in die Redaktion. Dies sollte jedoch ...
(Bild: Pillau)

Sowohl Materialauswahl als auch Verarbeitung sind beeindruckend. Auch in doppelt so teuren Autos sieht man gar nicht so selten schlechtere Qualität. Das gilt auch für die Alcantara-Sportsitze, die nicht nur gut aussehen, sondern es auch sind: Bequem, weit verstellbar und ordentlicher Seitenhalt sind gute Zutaten. Dazu kommt eine zwischen 51 und 56 cm variierbare Sitzflächenlänge. Die Fondpassagiere finden ihrerseits bequem und wohnlich Platz. Weil der Testwagen mit einem optionalen Sitzpaket ausgestattet ist, sind sogar die Rücksitzlehnen elektrisch in der Neigung verstellbar. Das ist sehr komfortabel. Allerdings finde ich, dass wenn man schon den Aufwand mit der elektrischen Verstellung betreibt, sollten die Rücksitze auch für einen größeren Laderaum längs verschiebbar sein. Der Kofferraum des DS7 ist mit 555 bis 1755 Litern zwar sehr groß. Die coupéhaft schräge Heckklappe schränkt den Nutzwert jedoch ein.

Ärgerlich ist, dass sich die die Gestenbedienung der teuren elektrischen Heckklappe selbst ad absurdum führt. Die öffnet nicht, wenn man ihr zu nahe steht. Sie erkennt dann ein Hindernis und bricht den Öffnungsvorgang ab. Hat das nie irgendwer während der Entwicklung ausprobiert? Der verstellbare Ladeboden krachte herunter, als ich eine schwere Einkaufstüte darauf stellte. Ganz grundsätzlich sind knapp 400 kg Zuladung für ein SUV dieser Größe viel zu wenig.

So sehr der große DS bei der Fertigungsqualität im Innenraum überzeugt, so sehr kann seine Bedienung im Alltag nerven. Da hätte ein wenig mehr Konventionalität durchaus gutgetan. Erst mal dauert es eine Weile bis man den Start-Stopp-Knopf mit rot pulsierendem chromfarbenen DS-Schriftzug oben mittig auf dem Armaturenbrett entdeckt hat. Entschädigt wird man durch eine ausfahrende Analoguhr von B.R.M., was in diesem Fall keine britische Sportwagenmarke ist, sondern eine französische Edeluhrenwerkstatt. Das Design der Uhr ist sicher Geschmackssache. Warum sie aber einen Stellmotor zum Aus- und Einfahren bemühen muss, verstehe zumindest ich nicht. Die Heizungsbedienung über den Touchscreen nervt und ein Tageskilometerzähler ist spontan nicht zu finden. Auch die Bedienung des Bordcomputers ist kniffelig. Auf dem virtuellen Kombiinstrument wurde zu viel Platz und Übersichtlichkeit auf dem Altar der Extravaganz geopfert.

Das Pairen eines Handys konnte man im Testwagen nicht im Stand abschließen. Vollzug wird erst nach ein paar Minuten Fahrt gemeldet – möglich, ja wahrscheinlich ein Bug, denn so kann das keiner gewollt haben. Wenn man bei der Navigation die Perspektive ändert, ist manchmal die Zielführung beendet. Man muss im Anschluss die Route neu starten. Das DAB-Radio stottert beim Losfahren. Ebenso zögert der elektrische Fahrersitz beim Anlassen des Motors kurz, während er in die gespeicherte Position fährt. Das sind alles Eigenheiten, die ein wenig französische Nonchalance verlangen und wohl einige typische BMW- oder Audi-Kunden in den Herzinfarkt treiben könnte. Lobend zu erwähnen sind die Echtzeitverkehrsdaten und die kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung mit einer recht hohen Trefferquote.

Der 177 PS starke Vierzylinderdiesel, teuerster von den drei bislang angebotenen Motoren, verfällt sofort nach dem Anspringen in einen leisen Leerlauf ohne spürbare Vibrationen. Die Achtgang-Wandlerautomatik verwaltet die maximal 400 Nm Drehmoment sehr angenehm. Nur gelegentlich kommt eine leichte Anfahrhektik auf, die aber in Doppelkupplungs-Audis oder Automatik-BMWs auch vorkommen kann. Bei diesen wenigen Gelegenheiten klingt der Turbodiesel auch angestrengt. Ich halte den DS7 mit dem Topdiesel aber für harmonisch motorisiert.

Zumal das Fahrwerk des DS 7 ganz klar anzeigt, dass es Gleiten bevorzugt. Der DS 7 hat eine Stahlfederung mit adaptiven Dämpfern. Komfort und Ansprechverhalten erinnern aber stark an eine Luftfederung. Seltsamerweise ist die Karosserie dennoch immer leicht in Bewegung, was besonders auf Autobahnfahrten gewöhnungsbedürftig ist. Kollege Martin hat sich daran gestört und spöttisch gemeint, dass ein Wackeldackel bald verschlissen wäre.

Ich halte dagegen, dass man auch in einem X5 E70 auf der Autobahn vom Fahrwerk ständig in Bewegung gehalten wird. Da kommt es aber von einem harten Fahrwerk. Im DS 7 fühlt man sich dagegen französisch weich-wiegend. Das macht den französischen Edel-SUV zur echten Alternative gegen die selbsterklärten Premium-Dynamic-SUV. An dieser Stelle möchte man noch eine Träne für die Hydropneumatik verdrücken, die einst Alleinstellungsmerkmal von Citroën war und gerade dem DS 7 besonders gut gestanden hätte.

Passend zum Fahrwerk ist auch die Lenkung eher komfortabel ausgelegt, also rückmeldungsarm bzw. sogar völlig frei davon. Das hat aber auch zur Folge, dass man in dem Frontantriebs-SUV trotz immerhin 400 Nm Drehmoment kaum Antriebseinflüsse in die Lenkung spürt. Zunächst hat man den Eindruck, dass das in einer „schiffigen“ Fahrweise resultiert. Für die Kollegen ist der DS 7 ein behäbiger Luxusliner und auch andere Medien attestieren ihm eine starke Seitenneigung. Ich hatte diesen Eindruck aber nicht. Der DS 7 setzt meines Erachtens seine Priorität auf dem Federungskomfort, lässt sich aber trotzdem sehr souverän ums Eck wuchten. Die Tourerqualitäten gehen hier ganz klar vor dem Talent, flott um die Kurve zu kommen. Der Sportmodus aber zeigt, dass man sich mit dem großen Frontantriebs-SUV auch auf kurvigem Geläuf nicht deplatziert vorkommt.

Dabei genehmigt sich der Franzose auch ganz gern einen Schluck extra. Ich kam auf einen Testverbrauch von 7,1 Litern auf 100 km. Das übertrifft die Angabe im NEFZ um 2,2 Liter. Mit einem federleichten Gasfuß und wenig Stadtanteil erreichte Martin 5,8 Liter, viel weniger wird es wohl nicht.

Alle drei Modelle erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-temp. Nach einer Messung von Emissions Analytics und Auto Motor und Sport kommt der DS 7 BlueHDI 180 auf einer Referenzstrecke auf einen NOx-Ausstoß von 18 mg/km. Zur Einordnung: Die Abgasnorm Euro 6d, die ab September 2021 für alle erstmals in der EU zugelassenen Autos gültig ist, erlaubt über den so genannten RDE-Konformitätsfaktor maximal 120 mg/km NOx – mehr als das Sechsfache also.

Die Preise des DS 7 Crossback beginnen 31.490 Euro für den 130-PS-Diesel mit manuellem Sechsgang-Getriebe. Dann gibt es noch einen 1,6-Liter-Turbobenziner mit 225 PS ab 38.990 Euro. Der von uns getestete BlueHDI 180 kostet mindestens 39.790 Euro. Die beiden stärkeren Vierzylinder sind serienmäßig mit einer Achtgang-Wandlerautomatik kombiniert. Den DS 7 gibt es vorerst nur mit Frontantrieb. Später kommt noch ein Hybrid, dessen zusätzlicher Elektromotor die Hinterachse antreibt.

Der Testwagen gehört zur zweithöchsten von fünf Ausstattungslinien, der sogenannten „Performance Line” für 42.290 Euro. Darin sind viele schöne Dinge wie das Alcantara-Interieur, die Voll-LED-Scheinwerfer mit aktivem Kurvenlicht, die Klimaautomatik, DAB-Radio, das virtuelle 12-Zoll-Bildschirm-Kombiinstrument und 18-Zoll-Leichtmetallräder schon enthalten. Für 600 Euro zusätzlich sind die Sitze elektrisch verstellbar, haben einen Speicher für die Position des Fahrersitzes und eine elektrische Neigungsverstellung der Rückbanklehne. Die Sitzheizung kostet 300 Euro. 1000 Euro würde ich auch noch in die „Active Scan Suspension“ investierten, welche die adaptiven Dämpfer proaktiv per Kamera dem Straßenverlauf anpasst. Hinzu kommen dann noch 1290 Euro für das Navigationspaket. Empfehlenswert scheint uns auch das Safety-Pack mit Einparkhilfe vorne und Abstandstempomat für 1200 Euro.

Unter der Rubrik Optionspakete findet sich der Preisliste ganz oben ein Posten, den wir erst für einen Aprilscherz hielten. Im „Sicherheitspaket“ für 50 Euro sind Warndreieck, Verbandskasten und Warnweste enthalten. Serienmäßig liefert die Nobelmarke DS also Autos aus, die so gar nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürften. Das ist eine Frechheit.

Alles in allem kostet ein gut ausgestatteter DS7 Crossback BlueHDI 180 47.420 Euro. Ein Audi Q5 mit 163-PS-Diesel, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und vergleichbarer Ausstattung kostet gut 10.000 Euro mehr. Allerdings ist da dann auch der Allradantrieb dabei. Wer auf diesen verzichten kann und eine komfortables SUV für die Fernreise sucht sowie keine übertrieben sportlichen Ambitionen hat, für den ist der DS 7 Crossback ein Gedanke wert. Mit der Bedienung und den expressiven Details müsste man sich allerdings arrangieren.

Motorart Diesel, SCR-Kat
Zylinder 4
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1997
Leistung in PS 177
Leistung in kW 130
bei U/min 3750
Drehmoment in Nm 400
bei U/min 2000
Antrieb Vorderrad
Gänge 8
Getriebe Wandler-Automatik
Spurweite vorn in mm 1637
Spurweite hinten in mm 1616
Räder, Reifen vorn 235/50 R19
Räder, Reifen hinten 235/50 R19
Länge in mm 4573
Breite in mm 1621
Höhe in mm 1625
Radstand in mm 2738
Kofferraumvolumen in Liter 555
Anhängelast, gebremst in kg 1850
Tankinhalt in Liter 55
Höchstgeschwindigkeit in km/h 218
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,4
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,9
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 5,6
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,4
Schadstoffklasse Euro 6d-temp
Modell DS 7 Crossback BlueHDI 180 Automatik
Bohrung x Hub in mm 85 x 88
Grundpreis 42.290
Währung Euro
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
Kopfairbags hinten Serie
Klimaautomatik Serie (2 Zonen)
Automatikgetriebe Serie, Achtstufen-Wandler-Automatikgetriebe
Navigationssystem 1290 (Paket)
Schiebedach 1250, Panorama-Glasschiebedach elektr. mit elektr. Sonnenrollo
Metallic-Lackierung 690
Leichtmetallfelgen Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung -, Alcantara Serie
Modell DS 7 Crossback BlueHDI 180 Automatik Performance Line
Preisliste Stand Januar 2018
Freisprecheinrichtung Serie
DAB+ (Digitalradio) 1290 (Paket)
Soundsystem 1100
Head-up-Display -
Abstandstempomat 500
Spurhalteassistent Serie (passiv), 700 (aktiv, Paket)
Fahrwerksoption Serie
Einparksensoren vorn 700 (Paket)
Einparksensoren hinten Serie
Einparkassistent 1890 (Paket)
Totwinkelwarner 700 (Paket)
Elektrische Heckklappe Serie
USB-Anschluss für Musik Serie
Lederlenkrad Serie
LED-Scheinwerfer Serie
Sitzheizung 300
DS 7 Crossback BlueHDI 130 Manuell Chic 31.490 Euro
DS 7 Crossback BlueHDI 180 Automatik Business Line 43.090
DS 7 Crossback BlueHDI 130 Manuell Chic 31.490 Euro
DS 7 Crossback BlueHDI 180 Automatik Business Line 43.090

(chlo)