Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Warum uns 100-80-100 zufriedener macht (und ich meine nicht die Konfektionsgröße)
Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!
Einen Tag pro Woche weniger arbeiten bei gleichem Gehalt, genauso produktiv sein: Dafür steht das Modell 100-80-100. Gemeint ist die Viertagewoche. Getestet wurde diese im vergangenen Jahr mit 2900 Angestellten in Großbritannien und in Pilotprojekten in Irland, Neuseeland, Australien, Kanada und den USA. Allesamt seien erfolgreich gewesen, heißt es.
»Das Wohlbefinden der Einzelnen stieg spürbar an, sie waren auf der Arbeit zufriedener, schliefen besser«, berichtet Brendan Burchell von der Universität Cambridge, der das Projekt in Großbritannien begleitet hat. »Und die Leistungen sind, wenn überhaupt, eher gestiegen als gesunken.«
Mehr als 90 Prozent der weltweit beteiligten Unternehmen blieben laut den Organisatoren nach den sechs Monaten bei der Viertagewoche, in Großbritannien behielten 56 der 61 teilnehmenden Betriebe das Modell bei, schreibt meine Kollegin Theresa Stoll in ihrer Analyse . Kein Wunder: Die Krankheitstage gingen zurück, Kündigungen ebenso. Und der Umsatz der beteiligten Firmen stieg laut deren eigener Aussage sogar um 1,4 Prozent.
Kollegen verlassen ein Bürogebäude (Symbolbild)
Foto: Catherine Falls / Moment / Getty ImagesDie gute Nachricht: Auch in Deutschland wird es ein solches Experiment geben. Demnächst sollen 50 Unternehmen testen, wie es läuft, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens sechs Monate lang einen Tag pro Woche weniger zur Arbeit erscheinen. Seit Donnerstag können sich Arbeitgeber für die Teilnahme bewerben. Organisiert wird das Projekt in Deutschland von der Firma Intraprenör aus Berlin gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation Four Day Week Global.
Viel Erfolg und Spaß allen, die daran teilnehmen. Ich finde: Es klingt großartig.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Warnhinweise für Alkohol: Irland wird Vorreiter in Europa
Auf Zigarettenschachteln haben die Hinweise nach Ansicht der irischen Regierung bereits Wirkung gezeigt. Jetzt sollen auch die Etiketten auf Bier- und Whiskyflaschen vor Gefahren wie Lebererkrankungen oder Krebs warnen. Von 2026 an müssen in dem Land auf allen Flaschen und Dosen Warnhinweise gedruckt werden, die Alkoholisches enthalten. Irland ist damit das erste EU-Mitgliedsland mit einer derart weitreichenden Regelung.
Autofreie Innenstadt: Hannover zeigt, wie es gehen könnte
Mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr: Hannovers grüner Oberbürgermeister Belit Onay möchte den Autoverkehr in seiner Stadt radikal reduzieren. »Möglichst überall« soll im Zentrum Tempo 20 gelten, Ampeln und Parkplätze wegfallen. Lesen Sie hier, was bis 2030 noch alles geplant ist.
Georgsplatz in Hannover: Vor und nach den Umbauten (Visualisierung)
Fotos: Ole Spata / Ole SpataMogelpackungen sollen aus dem Supermarkt verbannt werden
Weniger Inhalt, gleicher Preis: Gegen solche versteckten Preiserhöhungen will Umweltministerin Steffi Lemke vorgehen. Künftig soll laut Lemke klar geregelt werden, »dass gleichbleibend große Verpackungen bei verringertem Inhalt unzulässig sind«. Das gelte auch, wenn der Inhalt gleich bleibe und die Verpackung vergrößert werde. Die Verbraucherzentrale Hamburg und die Stiftung Warentest hatten vor einigen Wochen auf eine starke Zunahme von Mogelpackungen aufmerksam gemacht.
Nachhaltige Baumwolle: Eine neue Technik könnte Europas Textilindustrie revolutionieren
Mehr als 24 Millionen Tonnen Baumwolle werden nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) jedes Jahr weltweit produziert. Doch die Fast-Fashion-Branche beutet Natur und Menschen aus. Der Spanier David René Rodríguez möchte das ändern. Er ist Mitbegründer des Baumwollproduzenten Magtech und produziert in Valencia nachhaltige Baumwolle – mit Hydroponik. »Die Pflanzen hängen in einer Nährlosung und werden in Gewächshäusern gezüchtet«, berichtet er in einem Beitrag der »Deutschen Welle« . »Die Holländer machen das bereits seit Langem mit Gemüse. Es ist die Zukunft, weil es Wasser und Chemikalien spart und den Boden schont.«
Angepasste Omikron-Impfstoffe: Die Spritze für den Herbst ist da
Empfohlen ist die Impfung für besonders gefährdete Gruppen: Biontech, Moderna und Novavax sind nun als angepasster Impfstoff zu haben.
Weniger Todesfälle durch Infarkte und plötzlichen Herztod in Deutschland
Noch immer sterben jährlich Zehntausende in Deutschland an Herzkrankheiten, doch es gibt Entwicklungen, die Hoffnung machen: Immer weniger Menschen erliegen einem Infarkt – und die Zahl der Ersthelfer steigt. Empfehlen möchte ich Ihnen auch diesen sehr persönlichen Text meiner Kollegin Katja Iken, in dem sie beschreibt, wie sie einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitt und warum sie das Glück hatte, zu überleben.
Dieses weltweit einzigartige Team arbeitet an Lösungen für die großen Menschheitsprobleme
Ob Mensch, Pflanze, Pilz oder Bakterium: Fast alles, was ein Lebewesen ausmacht, verdankt es der Wirkung von Proteinen. Eine weltweit einzigartige Forschergruppe in Seattle um David Baker will nun mit synthetischen Proteinen den großen Schwierigkeiten unserer Zeit begegnen: Umweltgiften, klimaschädlichen Stoffen, Krebs und anderen. Mein Kollege Johann Grolle aus unserem Wissenschaftsressort hat das Forscherteam besucht. Lesen Sie hier seinen Report über den Werkstoff der Zukunft .
Modell eines am Computer entworfenen Proteins
Foto: UW Institute for Protein DesignWas gut ist – für Sie:
Vielleicht auch ein Stück Schokolade: So können Sie 100 Jahre alt werden
Es sind nicht nur die Gene: Wer möglichst alt werden möchte, kann selbst sehr viel dafür tun – und damit ist nicht unbedingt sportlicher Drill, mageres Essen oder sonstiger Verzicht gemeint. Sondern vielmehr, körperlich, geistig und emotional in Bewegung zu bleiben sowie Wertschätzung und Aufgaben im sozialen Umfeld. Und: Das hohe Alter auch als etwas Positives anzusehen. Im Interview mit meiner Kollegin Sabrina Knoll sagt Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg: »Such dir Aktivitätsformen, die dir guttun, die dich erfüllen. Dazu gehören anregende, motivierende und unterstützende Umwelten. Und vielleicht auch ein Stück Schokolade.«
Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: So schön ist Albanien
Karibisch anmutende Strände, spektakuläre Berglandschaften, düstere Bunker: Albanien ist vielleicht das unkonventionellste Reiseziel Europas – aber niemals langweilig. Hier stellt die SPIEGEL-Redaktion die außergewöhnlichsten Orte vor.
Küste von Ksamil: Azurblaues Meer, grüne Inselchen
Foto: Pedro Emanuel Pereira / iStockphoto / Getty ImagesBildungsurlaub: Wieso wir unseren Anspruch auf bis zu zehn freie Tage extra nutzen sollten
Ich bin eine der 27 Millionen Menschen in Deutschland, die Anspruch auf Bildungsurlaub haben. Doch wie 96,5 Prozent der Berechtigten habe ihn noch nie genutzt. Dabei habe ich es mir schon so oft vorgenommen, doch dann kam immer etwas dazwischen (am Ende vermutlich auch die Sorge, als Urlaubsschnorrerin dazustehen). Dabei können die Kurse durchaus helfen, die eigene Persönlichkeit, Sprachkenntnisse oder die mentale und physische Fitness weiterzuentwickeln – was einem selbst und auch dem Arbeitgeber zugutekommt. Wie Sie endlich Ihren Bildungsurlaub einreichen, bespricht mein Kollege Lenne Kaffka in dieser Podcast-Folge mit Lara Körber, Mitgründerin von bildungsurlauber.de.
Essen als Leistungsbooster: »Normaler Quark ist genauso gut«
Welches Training am besten beim Abnehmen hilft, warum Nahrungsergänzungsmittel nichts bringen und Proteinshakes nicht besser sind als schnöder Quark: Hier räumt die Ökotrophologin Anja Carlsohn mit Sportlermythen auf – und verrät, was sie selbst vor einem Marathon isst .
Zubereitung eines Eiweißshakes
Foto: PeopleImages / iStockphoto / Getty ImagesUnd sonst?
Die Ampelregierung hat entschieden, dass Zuwanderer künftig schneller einen deutschen Pass bekommen können. Sehr berührend fand ich diesen Text meiner Kolleginnen Katrin Elger und Asia Haidar, in dem bereits eingebürgerte Syrerinnen und Syrer berichten, was es für sie bedeutet, deutsch zu sein.
So erzählt etwa Matya Kourie, 32:
»Die deutschen Pässe geben uns Sicherheit. Als ich die Papiere zum ersten Mal in den Händen hielt, war mein erster Gedanke: Wir können endlich Wurzen schlagen. Ich weiß jetzt: Wir müssen nie wieder zurück, keiner wird uns wegschicken, wir sind Deutsche. Dieses Gefühl, dass die Kinder eine gute Zukunft haben werden, ist das beste Geschenk, das Gott uns machen konnte. Hinzu kommt, dass wir als deutsche Staatsbürger endlich problemlos reisen können. Wir haben den Trip nach Kanada schon geplant. Mein Mann wird nach mehr als zehn Jahren seine Mutter wiedersehen und Oma kann zum ersten Mal ihre Enkelkinder in die Arme schließen.«
Familie von Matya Kourie in Bochum: »Ich vermisse Syrien, aber unsere Zukunft liegt in Deutschland«
Foto: Fabian Ritter / DER SPIEGELDie gute Nachricht von Ihnen:
François L. aus Merzhausen schrieb uns:
»Ich bin trotz meiner 83 Jahre ein begeisterter Wanderer und habe mir angewöhnt, alle Menschen, auch jene, denen ich in der Stadt begegne, zu grüßen. Ich bekomme so viel Lächeln zurück, das meine Stimmung beflügelt. Ich fände es schön, wenn möglichst viele Mitmenschen diesen Brauch wieder aufnähmen, um anderen und sich selbst etwas Gutes zu tun!«
Wenn auch Ihnen etwas Schönes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen.*
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Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort
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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.