Alles Gute vom SPIEGEL: Der neue Newsletter mit garantiert nur guten Nachrichten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Lena Greiner

meinung •Garantiert nur gute Nachrichten – der neue Newsletter Wie ein Syrer in Ostelsheim Bürgermeister wurde – und was sein Deal mit Deutschland ist

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Herzlich Willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind.

Auch wenn er das Wort hasst, ist Ryyan Alshebl wohl das Vorbild für eine gelungene, ja nahezu perfekte Integration. 2015 kam der Syrer als Flüchtling in einem Schlauchboot in die EU und über die Balkanroute nach Deutschland. Er machte ein Praktikum und schließlich eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. In dieser Woche nun wurde er zum Bürgermeister von Ostelsheim gewählt, einer 2500-Einwohner-Gemeinde in Baden-Württemberg, und damit wohl der erste aus Syrien stammende Bürgermeister im Südwesten Deutschlands.

Mein Kollege Florian Pütz hat mit ihm gesprochen. »Mir ist besonders aufgefallen, wie stolz Ryyan Alshebl darauf ist, was er hier in so kurzer Zeit erreicht hat«, sagt Florian. Im Interview mit dem SPIEGEL  erklärt Alshebl, warum er das Wort Integration nicht mehr hören kann: »Das sollte doch selbstverständlich sein«, sagt er. Letztlich sei es ein Deal: »Wer herkommt, geht den Deal ein, lernt die Sprache, gliedert sich ein und tut alles dafür, ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein. Wenn das gegeben ist, muss die aufnehmende Seite aber auch bereit sein zu helfen. So ist das bei mir gelaufen, ich habe mich angestrengt, aber es gab auch Leute, die mich gern unterstützt haben.«

Mehr zum Thema

Springen wir nach Mittel- und Südamerika: Vielleicht erinnern Sie sich an die verstörenden Bilder aus einem neuen »Mega-Gefängnis« in El Salvador: Tausende Männer mit kahl geschorenen Köpfen und Tattoos, lediglich in weißen Boxershorts gekleidet, sitzen dicht an dicht auf dem Boden, die Arme hinter dem Rücken gefesselt – der jüngste Schritt der Regierung in ihrem umstrittenen Vorgehen gegen Bandenkriminalität.

In Brasilien hingegen entstand bereits in den 1970er-Jahren eine humane Alternative zum klassischen Strafvollzug. Der Katholik Mario Ottoboni entwickelte die Utopie einer Haftanstalt, in der Würde und Eigenverantwortung der Insassen im Vordergrund stehen. Die Idee dahinter: Wer mit Respekt behandelt wird, der kann sich zu einem besseren Menschen entwickeln.

SPIEGEL-Korrespondentin Nicola Abé hat zwei dieser 67 alternativen Haftanstalten besucht. Sie sagt: »Die Insassen könnten im Grunde leicht ausbrechen – die Mauern sind nicht sehr hoch, die Küche voller scharfer Messer, es gibt kaum Sicherheitsleute. Aber sie bleiben dort, weil der Ort ihnen Hoffnung zurückgibt.«

Zwei Insassen im alternativen Gefängnis in Belo Horizonte beim Häkeln

Zwei Insassen im alternativen Gefängnis in Belo Horizonte beim Häkeln

Foto: Rogério Vieira / DER SPIEGEL

Und Zahlen belegen den Erfolg der humanen Gefängnisse, berichtet Nicola: »Wer in Brasilien aus einem normalen Gefängnis entlassen wird, hat ein 85-prozentiges Risiko, binnen fünf Jahren wieder straffällig zu werden. Hier liegt die Rückfallquote nur bei knapp 15 Prozent.« Auch die Kosten pro Häftling betragen nur etwa ein Drittel im Vergleich zum normalen Strafvollzug. Lesen Sie hier Nicolas Reportage aus Belo Horizonte.

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Erdbeben-Katastrophe: Mutter und Baby nach 54 Tagen wieder vereint – dank DNA-Test
Dass sie lebt, grenzt an ein Wunder: Mehr als fünf Tage nach den verheerenden Erdbeben in der Türkei und in Syrien war Anfang Februar die kleine Vetin, damals dreieinhalb Monate alt, unverletzt aus den Trümmern geborgen worden. Zunächst war angenommen worden, dass die Mutter nicht überlebt hätte – so wie der Vater und zwei Brüder. Nun stellte sich heraus: Yasemin B. lebt, und nach knapp zwei Monaten konnten Mutter und Tochter wieder vereint werden.

Konjunktur in Deutschland: Wachstum besser als erwartet, Entspannung bei der Inflation
Experten sind von der Stärke des Aufschwungs überrascht: Die deutsche Industrie hat einen unerwartet starken Anstieg beim Auftragseingang verzeichnet. Auch in einem anderen Bericht aus der Woche haben Experten führender Forschungsinstitute ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft angehoben.

Geringster Wert seit Messungen: Menschen in Deutschland essen deutlich weniger Fleisch
52 Kilogramm pro Kopf: Seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1989 haben Menschen in Deutschland zu keinem Zeitpunkt weniger Fleisch gegessen als im vergangenen Jahr. Gründe könnten der Trend zu einer pflanzenbasierten Ernährung sein sowie die zuletzt stark gestiegenen Preise für viele tierische Lebensmittel. Lesen Sie hier die ganze Meldung. Kleiner Sidekick: Der Verzehr von Schokolade hingegen ist gestiegen, auf 9,56 Kilogramm pro Jahr.

38 Prozent weniger: Inlandsflüge in Deutschland besonders stark rückläufig
Zurückhaltender – und klimabewusst – zeigen sich die Deutschen auch beim Fliegen. Im deutschen Luftraum ist die Zahl der Inlandsflüge 2022 so stark zurückgegangen wie sonst kaum irgendwo in der EU. In Deutschland wichen viele Kunden demnach vor allem auf Bahnverbindungen aus. Lesen Sie hier mehr. Und der Flughafen Shiphol in Amsterdam, einer der größten Europas, hat angekündigt, Privatjets und Nachtflüge zu stoppen – für eine »stillere, sauberere und bessere Luftfahrt«.

Familie mit kleinem Kind: Nach der Geburt soll es in Zukunft mehr Sonderurlaub geben

Familie mit kleinem Kind: Nach der Geburt soll es in Zukunft mehr Sonderurlaub geben

Foto: The Good Brigade / Digital Vision / Getty Images

Mehr Sonderurlaub nach Geburt eines Kindes
Bislang mussten Partner oder Partnerinnen sich für die Zeit nach der Geburt regulären Urlaub nehmen – oder die Mutter allein lassen. Das soll sich jetzt mit einem neuen Gesetz für die »Familienstartzeit« ändern. Dazu passend rate ich Ihnen zur Lektüre dieses selbstreflexiven Gastbeitrags eines jungen Vaters, der anderen Männern zuruft: Erwartet keinen Applaus für eure Elternzeit!

Praktischer während der Periode: Englands Fußballerinnen wechseln Hosenfarbe von Weiß auf Blau
Die englischen Spielerinnen hatten bei der Fußball-EM 2022 gebeten, die Farbe ihrer Hose zu ändern, um während der Menstruation sorgenfreier auf den Platz gehen zu können. Dem Wunsch ist der Verband offenbar nachgekommen. Der Umgang von Sportlerinnen mit der Periode während eines Wettkampfs war in den vergangenen Jahren generell stärker in den Mittelpunkt gerückt.

Was gut ist – für Sie:

Älteste Frau auf Vogue-Cover der Philippinen abgebildet
Kennen Sie den Begriff Ageismus, oder auf Englisch ageism? Gemeint ist eine Form der Diskriminierung, der bewussten oder unbewussten Benachteiligung einer Person aufgrund ihres Alters. Diesem Phänomen, dem der SPIEGEL sogar kürzlich eine Titelgeschichte  gewidmet hat, hat sich nun die Redaktion der philippinischen Ausgabe der weltweiten Modezeitschrift »Vogue« deutlich widersetzt. Einstimmig hätten sie entschieden, Apo Whang-od auf den Titel zu nehmen, berichtete Bea Valdes, die Chefredakteurin des Magazins – und damit die älteste Frau, die jemals auf dem Cover der »Vogue« abgebildet wurde. Die 106-Jährige, die auch als Maria Oggay bekannt ist, gilt als die älteste Kalinga-Tätowiererin der Philippinen. »Wir waren der Meinung, dass sie die Ideale dessen, was an unserer philippinischen Kultur schön ist, repräsentiert«, sagte Valdes.

Thailändische Insel Koh Chang: Eine Woche ohne Internet

Thailändische Insel Koh Chang: Eine Woche ohne Internet

Foto: Chakarin Wattanamongkol / Moment / Getty Images

Digital Detox Deluxe: Eine kleine Inspiration, wie es gelingen kann
Zugegeben, ich war im ersten Moment etwas besorgt und im nächsten etwas neidisch, als mir meine Kollegin Maria Stöhr vor ihrem Urlaub sagte, dass sie in der nächsten Woche garantiert nicht zu erreichen sei, da sie auf die kleine thailändische Insel kein einziges internetfähiges Gerät mitnehmen werde. Wie die Woche verlief und welche Gedanken und Gefühle kamen, die sich nicht wegscrollen ließen, hat Maria nun hier für uns aufgeschrieben.

»Liebe ist immer in Gefahr«: Wie leben wir unsere Beziehung auf Augenhöhe?
Wir müssen uns von romantischen Träumereien lösen, wenn wir gleichberechtigt leben wollen, davon ist der Autor Nils Pickert überzeugt. Im Podcast mit meinem Kollegen Lenne Kaffka erklärt er, warum Missverständnisse in der Liebe der Normalfall sind und wieso ein mündlich vereinbarter Beziehungsvertrag zwar unsexy klingt – aber zu glücklicheren Beziehungen führen kann. Hören Sie hier die Folge.

Die gute Idee aus dem Archiv:

Wenn Sie jetzt noch überlegen, ob die Ostergeschenke die Kleinen angemessen waren, empfehle ich Ihnen dieses Interview aus unserem Archiv . Darin sagt der Kinderarzt Herbert Renz-Polster: »Kinder wollen nicht verwöhnt werden. Sie wollen sich sicher fühlen«, und er erklärt, wie die Jüngsten zu glücklichen Erwachsenen werden. Außerdem hier noch ein paar Tipps  meiner Kollegin Hanna Zobel, wie Sie Ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Süßigkeiten beibringen können.

Darauf können Sie sich freuen:

Hier könnte Ihre gute Nachricht stehen. Liebe Leserinnen, liebe Leser, jetzt habe ich noch eine kleine Bitte an Sie: Schicken Sie mir per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de  Ihre ganz persönliche gute Nachricht aus der Woche – was ist Ihnen Gutes widerfahren, was haben Sie Schönes erlebt, gesehen, gehört? Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. Nächste Woche werden wir an dieser Stelle eine Einsendung vorstellen.

Haben Sie eine gute Woche! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort

(*Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer – auf Wunsch – anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.