Anne Applebaum warnt vor Gefahren für die Demokratie durch Verschwörungstheorien - DER SPIEGEL
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Historikerin Anne Applebaum über Populismus und Lobbyismus »Gerhard Schröder ist der Agent einer feindlich gesonnenen Macht«

Die Demokratie sei in Gefahr, warnt die US-amerikanische Historikerin Anne Applebaum: durch Verschwörungstheorien wie QAnon, die Passivität vieler Bürger – und prorussische Lobbyisten wie Altkanzler Schröder.
Ein Interview von Jan Puhl und Martin Wolf
• aus DER SPIEGEL 10/2021
Autorin Applebaum: »Hört auf mit dem Kulturkampf!«
Autorin Applebaum: »Hört auf mit dem Kulturkampf!«

Autorin Applebaum: »Hört auf mit dem Kulturkampf!«

Foto:

Piotr Malecki / Guardian / ddp images

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Frau Applebaum, in Ihrem neuen Buch erzählen Sie von einer Silvesterparty, die Sie vor 20 Jahren auf Ihrem Anwesen in Polen veranstaltet haben. Die Gäste kamen aus Polen, aus Großbritannien und den USA. Inzwischen sind Sie mit vielen von ihnen nicht mehr befreundet, im Gegenteil. Warum nicht?

Applebaum: Diese Szene soll illustrieren, wie die politische Mitte zerbrach und sich ein Teil als äußerste Rechte abspaltete. Damals waren in unserem Haus viele wichtige Politiker jenes Lagers versammelt, das in Polen den Umbruch gelenkt hatte. Zum Grundkonsens gehörten ein Bekenntnis zur Demokratie, zum Rechtsstaat und zur Anbindung an die Europäische Union. Dieser Konsens ist zerbrochen – und zwar nicht nur in Polen, sondern in vielen Ländern, auch den USA und Großbritannien.

Zur Person
Foto:

Jose Ayma / El Mundo / IMAGO

Die US-Historikerin Anne Applebaum, 60, hat Geschichte live miterlebt: Im Sommer 1985 absolvierte sie in der Sowjetunion einen Sprachkurs, später berichtete sie für den »Economist« über die Wendejahre in Polen. Für ihre Bücher über osteuropäische und russische Geschichte wurde sie vielfach ausgezeichnet. In ihrem neuen Buch »Achse der Autokraten« beschreibt sie, wie Autokratien weltweit kooperieren. Applebaum wohnt gemeinsam mit ihrem Mann, dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski, auf einem Landsitz in Westpolen.

SPIEGEL: Was genau ist geschehen?

Applebaum: Ich bin Teil dieser Geschichte, mein Mann war Außenminister einer proeuropäischen Regierung in Warschau. Wir gehörten zu einer Koalition, die sich in den Wendejahren gebildet hatte. Uns einte die Gegnerschaft zum Kommunismus. Es gab Leute, die gegen den Kommunismus gekämpft hatten, weil sie religiös waren; es gab welche, die ihn wegen der Menschenrechtsverletzungen kritisierten; es gab andere, die gefürchtet hatten, die Kommunisten könnten Atomwaffen einsetzen. Diese Leute hatten um die Jahrtausendwende ihr Ziel erreicht. Und stellten nun fest, dass sie doch nicht so viel verband.

SPIEGEL: Wann haben Sie diesen Bruch zum ersten Mal bemerkt?

Applebaum: Das war früh, etwa um den Flugzeugabsturz von Smolensk herum.

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Die Verlockung des Autoritären

Anne Applebaum
Übersetzung: Jürgen Neubauer
Verlag: Siedler
Seitenzahl: 208
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SPIEGEL: Dort verunglückte 2010 die Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński in dichtem Nebel, mit Kaczyński starben 94 Würdenträger aus Politik, Kirche und Kultur – ein Unfall, das haben mehrere Untersuchungen ergeben.

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