"Born Free" in Südafrika: Mandelas Generation der Hoffnung - DER SPIEGEL
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"Born Free" in Südafrika Die verlorene Generation der Hoffnung

Einst sollte die Generation der "Born Free" das Erbe Mandelas und die Vision der Regenbogennation weitertragen. Doch gerade in den Biografien junger Schwarzer leben die alten Verhältnisse fort.
Von Tim van Olphen und Lena Mucha (Fotos)
Viele junge schwarze Südafrikaner sind von der Politik desillusioniert
Viele junge schwarze Südafrikaner sind von der Politik desillusioniert

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Foto: Lena Mucha
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Globale Gesellschaft

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Etwa 14 Kilometer vom Stadtzentrum Johannesburgs entfernt liegt im Norden der Stadtteil Alexandra. Kleine Backsteinhäuser, Wellblechhütten und Holzverschläge bestimmen das Bild des Viertels, das zu den ärmsten Gegenden der südafrikanischen Stadt zählt. Alexandra ist ein Township - ein Wohnviertel, in der die schwarze Bevölkerung während des Apartheid-Regimes leben musste.

Auch Nelson Mandela wohnte hier. 1941 zog Mandela, damals 23 Jahre alt, in ein Einzelzimmer in einem der Backsteinhäuser, bevor er das Township zwei Jahre später wieder verließ, um Rechtsanwalt zu werden. In seiner Autobiografie "Long Walk to Freedom" beschreibt Mandela seine Behausung in Alexandra als "nicht mehr als eine Hütte, mit einem schmutzigen Boden, ohne Heizung, ohne Elektrizität, ohne fließend Wasser".

Heute wohnen Schätzungen zufolge mehr als 700.000 Menschen in dem rund acht Quadratkilometer großen Gebiet. Immerhin gibt es jetzt Strom und Wasser in dem Viertel, doch den Menschen geht es noch immer nicht viel besser.

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Als Mandela 1994 der erste schwarze Präsident Südafrikas wurde, beendete er die seit 1948 anhaltende Rassentrennung. Ende der Fünfzigerjahre waren mehr als 80 Prozent des südafrikanischen Landes im Besitz von Weißen; Nicht-Weiße mussten Dokumente mit sich führen, die ihnen den Zugang zu bestimmten Gebieten erlaubten, hatten wenig Rechte und kaum einen Platz zum Leben.

Mandela trat mit der Vision an, Südafrika zu einer Regenbogennation zu machen: ein Land, in dem Weiße und Schwarze friedlich und gleichberechtigt zusammen leben sollten.

Doch trotz des Potenzials, das das südafrikanische Land mit seinen Bodenschätzen, der Infrastruktur, den freien Wahlen und der recht fortschrittlichen Verfassung besitzt, sieht die Realität für die schwarze Bevölkerung auch 2020 anders aus: Massenarmut, Bildungsnotstand Korruption und Kriminalität steigen an.

In dem Land, in dem fast jeder Zweite jünger als 25 Jahre alt ist, liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 50 Prozent. Und auch nach dem Ende der Apartheid vor 26 Jahren ist Rassismus noch fest in den Köpfen vieler weißer Südafrikaner verankert.

Demonstranten sammeln sich vor dem "Purple Shall Govern Mandela Graffiti" in Braamfontein - für viele junge Schwarze hat sich der Traum der "Regenbogennation" noch nicht erfüllt

Demonstranten sammeln sich vor dem "Purple Shall Govern Mandela Graffiti" in Braamfontein - für viele junge Schwarze hat sich der Traum der "Regenbogennation" noch nicht erfüllt

Foto: Lena Mucha

Vor allem für die Generation der "Born Free" wirken die alten Verhältnisse fort. Als "Born Free" werden jene Südafrikaner bezeichnet, die um das Jahr 1994 geboren wurden und ohne die politische Rassentrennung aufwuchsen. Sie sollten das Erbe Mandelas weiterführen. Doch heute sind es gerade die jungen Schwarzen, die durch fehlende Schul- und Ausbildung sowie Armut keine echte Perspektive haben.

Die politische Apartheid scheint überwunden, doch die ökonomische ist es noch lange nicht. Insgesamt gebe es in Südafrika "unabhängig von der Hautfarbe noch nicht die gleichen Chancen für alle", sagt Lena Mucha. Die deutsche Fotografin war in Südafrika unterwegs und hat die Generation der "Born Free" mit der Kamera begleitet.

Die südafrikanische Gesellschaft sei immer noch "sehr gespalten", sagt Mucha, auch was Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen angehe. Während die weiße Bevölkerungsminderheit mit der National Party die Regierung stellte, waren solche Beziehungen verboten. Das sei auch heute noch in den Köpfen vieler Eltern verankert.

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie die Generation der "Born Free" in Südafrika lebt und wie sie über die Regenbogennation denken:

Fotostrecke

Südafrika: "Wir haben den falschen Nachnamen"

Foto: Lena Mucha

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