Burkina Faso: Human Rights Watch wirft Armee Massentötung vor - Radiosender zensiert - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mutmaßliches Massaker Burkina Faso zensiert Radiosender nach Bericht über Massentötung

In einem Bericht beschuldigt Human Rights Watch die Armee von Burkina Faso, 223 Dorfbewohner getötet zu haben. Zwei Radiosender griffen die Meldung auf. Nun wird ihr Programm vorübergehend gestoppt.
Ein Mitglied von Burkina Fasos Militär verfolgt die Nachrichten (2022)
Ein Mitglied von Burkina Fasos Militär verfolgt die Nachrichten (2022)

Ein Mitglied von Burkina Fasos Militär verfolgt die Nachrichten (2022)

Foto:

Sophie Garcia / AP

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) beschuldigt die Armee Burkina Fasos in einem Bericht, Ende Februar an einem einzigen Tag 223 Zivilisten getötet zu haben, darunter viele Frauen und Kinder. Die Regierung hat nun offenbar die Radiosendungen von BBC Africa und der von den USA finanzierten Voice of America (VOA) für zwei Wochen ausgesetzt, weil sie den Bericht über die Massentötung aufgegriffen hatten. Das teilten die Behörden am Donnerstagabend mit.

Tonssira Myrian Corine Sanou, die Kommunikationssprecherin des westafrikanischen Landes sagte jedoch, der Bericht von HRW enthalte »unabweisbare und tendenziöse« Erklärungen gegen die Armee, die wahrscheinlich zu öffentlichen Unruhen führen würden. Deshalb würden die Programme der Sender wegen ihrer Berichterstattung über die Geschichte ausgesetzt. Gleichzeitig warnte die Sprecherin andere Mediennetzwerke, nicht über die Geschichte zu berichten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Auch Internetdienstanbieter seien dazu angewiesen, den Zugang zu den Websites und anderen digitalen Plattformen von BBC, VOA und Human Rights Watch aus Burkina Faso auszusetzen, hieß es in einer Erklärung der Behörde.

Streitkräfte hätten laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation  am 25. Februar die Dörfer Nondin und Soro im Norden des Landes angegriffen. Es handele sich demnach um eine breit angelegte Militärkampagne gegen Zivilisten, die der Kollaboration mit islamistischen bewaffneten Gruppen beschuldigt werden.

»VOA steht zu seiner Berichterstattung über Burkina Faso und beabsichtigt, weiterhin vollständig und fair über Aktivitäten im Land zu berichten«, schreibt der Sender  in einem Statement. Von der BBC gab es zu den Vorgängen zunächst keine Stellungnahme.

Die Regierung von Burkina Faso hatte Anfragen der Nachrichtenagentur AP zu dem Angriff vom 25. Februar nicht kommentiert. Beamte hatten jedoch bestritten, dass Zivilisten getötet wurden. Ihren Angaben zufolge würden sich dschihadistische Kämpfer oft als Soldaten verkleiden.

eru/Reuters/AP