Donald Trump, US-Präsident:
»Heute habe ich einen wichtigen Brief von Präsident Selenskyj aus der Ukraine erhalten.«
Ann-Dorit Boy, DER SPIEGEL:
»Trump ist immer für eine Überraschung gut. Man weiß wirklich nicht, wie er drauf sein wird. Einen Tag beschimpft er den Selenskyj als Diktator, am nächsten Tag ist er jetzt irgendwie ganz zufrieden und fühlt sich wieder gebauchpinselt.
Und wieder gab es eine Überraschung von Donald Trump vor dem Kongress. Anders als erwartet streifte der US-Präsident in seiner etwa 100-minütigen Ansprache das Thema Ukraine nur kurz. Präsident Selenskyj habe sich bei ihm gemeldet, verkündet Trump, er sei jetzt bereit für Frieden.
Donald Trump, US-Präsident:
»Niemand wolle den Frieden mehr als die Ukrainer«, sagte er. »Mein Team und ich sind bereit, unter der starken Führung von Präsident Trump für einen dauerhaften Frieden zu arbeiten. Wir wissen es wirklich zu schätzen, wie viel Amerika getan hat, um der Ukraine zu helfen, ihre Souveränität und Unabhängigkeit zu bewahren. Was das Abkommen über Mineralien und Sicherheit betrifft, so ist die Ukraine bereit, es jederzeit zu unterzeichnen, wenn Ihnen das passt.«
Ann-Dorit Boy, DER SPIEGEL:
»Ob da überhaupt jemals das umgesetzt wird und diese amerikanischen Investoren wirklich kommen, wissen wir alles nicht. Aber die Idee dahinter ist auf jeden Fall, dass die Präsenz amerikanischer Unternehmen in der Ukraine an sich natürlich schon eine Art Sicherheitsgarantie darstellen. Denn wenn dort amerikanische Unternehmen sind, dann wird das Weiße Haus wahrscheinlich motiviert sein, dass die nicht von russischen Raketen angegriffen werden.«
Ist das Verhältnis von Donald Trump zu Wolodymyr Selenskyj wieder gekittet?
Ann-Dorit Boy, DER SPIEGEL:
»Eine Kehrtwende ist das nicht. Ich würde sagen, eine weitere Eskalation wurde zumindest verhindert. Das hatten ja viele jetzt befürchtet, dass Trump in dieser Lage, dass er noch mal richtig wütend oder rachsüchtig sein würde und irgendwie noch schlimmere Dinge mit Bezug auf die Ukraine beschließen oder behaupten würde. Und er hat jetzt eigentlich nur das wiederholt, was er immer sagt und hat sich offenbar gefreut, dass es diese teilweise Entschuldigung der Ukrainer gab.«
Wenige Stunden nach Trumps Rede wurde bekannt, dass die USA Medienberichten zufolge der Ukraine den Zugang zu Geheimdienstinformationen streichen, zumindest teilweise. Ein weiterer Dämpfer für die Ukraine und ihre Unterstützer, die während Trumps Auftritt vor dem Kapitol demonstrierten.
Ann-Dorit Boy, DER SPIEGEL:
»Das ist wirklich noch eine Besonderheit von Trump, dass er völlig unberechenbar ist. Aber das weiß man auch in Kyjiw und das weiß man natürlich auch in Moskau. Das ist,glaube ich, auch ein großes Problem für die Friedensverhandlungen, dass keiner in diesem Dreieck sich auf den anderen verlassen kann. Ich glaube nicht, dass wir einem Frieden näher sind. «