Nato-Gipfel in Den Haag Wohlfühloase für Trump
Marc Pitzke, DER SPIEGEL:
»Dass Donald Trump keinen Ärger macht, das war wirklich der wichtigste Punkt dieses Gipfels.«
Eine Wohlfühloase für den US-Präsidenten – das war offenbar das Ziel des Nato-Gipfels in den Haag. Alles, damit Donald Trump keinen Eklat verursacht, zum Beispiel indem er mal wieder vorzeitig abreist.
Marc Pitzke, DER SPIEGEL:
»Und das war wirklich der Tenor, der hier ausgegeben wurde, dass das Programm auch verkürzt wurde, dass alle Konfliktpunkte ausgelassen wurden, dass auch die Ukraine an den Rand gedrängt wurde. Sie haben auch Tischreden gehalten, die ihm geschmeichelt haben: Donald, du bist unser Freund, du bist der Beste, du hältst die Nato zusammen, wir brauchen dich und finden dich ganz toll.«
Der schmeichelhafte Ton setzte sich sogar in gemeinsamen Presseauftritten fort.
Donald Trump, US-Präsident:
»Wie zwei Kinder auf dem Schulhof: Die kämpfen wie verrückt und man kann sie nicht aufhalten. Lass sie für zwei Minuten kämpfen, dann ist es einfacher, sie zu stoppen.«
Mark Rutte, Nato-Generalsekretär:
»Dann muss Papa manchmal auch Kraftausdrücke verwenden.«
Donald Trump, US-Präsident:
»Manchmal muss man ein bestimmtes Wort verwenden.«
Auch hier: Trump unter Kumpels. Denn dieser Auszug war eine gut gemeinte Anspielung auf eine kürzlichen nicht ganz so präsidiale Äußerung.
Donald Trump, US-Präsident:
»Wir haben hier praktisch zwei Länder, die so lang und hart miteinander kämpfen, dass sie verdammt nochmal nicht wissen, was sie tun. Verstehen Sie das?«
Aber mitten in all der Lobhudelei in Den Haag störte eine Nachricht ausgerechnet aus den USA. Dort wurde ein Geheimbericht der Regierung zu Trumps Luftangriffen auf Iran öffentlich.
Marc Pitzke, DER SPIEGEL:
»Und die haben ermittelt, dass es nicht gelungen ist, wie Trump behauptet hat, die Atombestände Irans komplett zu zerstören. Im Gegenteil: Da ist noch viel übrig geblieben, diesem Bericht zufolge. Und die Kapazitäten, die Möglichkeiten Irans, an eine Atombombe zu kommen, wurden gerade einmal drei Monate nach hinten geschoben.«
Trump spielte den Bericht noch auf dem Nato-Gipfel herunter.
Donald Trump, US-Präsident:
»Sie wissen es nicht genau. Ich glaube, Israel wird uns bald mehr darüber erzählen. Bibi [Benjamin Netanyahu] hat Leute, die sich um die Situation kümmern. Nach dem, was wir hören, war es eine Vernichtung, eine faktische Vernichtung.«
Aber der Bericht deutet schon an, was Trump erwartet, wenn er die Wohlfühloase Nato-Gipfel verlässt, in der es nur darum geht, ihn zu befrieden. Dann nämlich muss er sich um eine echte, langfristige Lösung für den Krieg im Nahen Osten bemühen.
Marc Pitzke, DER SPIEGEL:
»Der ist lange nicht ausgestanden, beide Seiten sagen, dass das für sie noch nicht zu Ende ist. Bei Trump ist das immer so: Er verkündet was auf Social Media und dann ist Schluss und dann ist das alles gegessen. Aber die politischen Realitäten sind natürlich ganz anders. Und er hat auch einige innenpolitische große Probleme, denen er sich zu Hause auch stellen muss.«