Anna Bernard, Einwohnerin von Indiana:
»Gott, Jesus, alle haben uns dieses Mal geholfen. Trump glaubt auch stark daran, und deswegen mag ich ihn.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Wir kommen gerade in der Kleinstadt Indiana in Pennsylvania an. In diesem Wahlbezirk haben fast 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler Donald Trump gewählt. Wir möchten mit Menschen hier darüber sprechen, warum sie ihn gewählt haben oder warum sie ihn gerade nicht gewählt haben und wie sie nun in die Zukunft blicken.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Darf ich fragen, wen Sie gewählt haben?«
Bob Britcher, Einwohner von Indiana:
»Donald Trump.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Warum?«
Bob Britcher, Einwohner von Indiana:
»Weil das Land in eine komplett falsche Richtung gesteuert wurde. Es ist eine Menge Scheiße passiert, entschuldigen Sie den Ausdruck. Die ganzen Woken, die Grenze, die Wirtschaft.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Können Sie mir erklären, warum Sie die Demokraten nicht mögen?«
Anna Bernard, Einwohnerin von Indiana:
»Oh mein Gott. So viele Gründe. Inflation, das ist der erste Grund. Die Tatsache, dass sie pro Abtreibung sind, da bin ich nicht mit einverstanden.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Können Sie nachvollziehen, dass manche Menschen Angst haben, dass Trump jetzt an der Macht ist?«
Anna Bernard, Einwohnerin von Indiana:
»Ja, das verstehe ich, es gibt immer zwei Seiten. Manche Menschen halten ihn für einen Rassisten. Manche denken, dass er keine lesbischen Frauen mag. Aber das stimmt einfach nicht. Die Menschen müssen besser recherchieren und nicht nur auf die Nachrichten hören, es gibt so viele Fake News.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Es gibt viele Leute, die Angst haben, dass sie unterdrückt werden, wenn Trump die Macht übernimmt.«
Richard Love, Einwohner von Indiana:
»Das verstehe ich nicht. Wir haben doch schon vier Jahre unter Präsident Trump erlebt. Und die Menschen waren damals nicht unterdrückt. Ich verstehe nicht, warum sie so viel Angst haben oder was sie denken, was mit ihnen passiert. Denn es ist ja in den vergangenen vier Jahren nicht passiert. Ich finde, die Ängste sind unbegründet.«
Kritik an ihrem Idol Donald Trump wollen die meisten hier nicht so richtig zulassen. Die Vorwürfe gegen ihn seien alle nicht wahr, wird behauptet. Und wichtiger sei sowieso:
Nicholas Motto, Einwohner von Indiana:
»Die Preise sind unerhört. Ich habe Mitleid mit den älteren Menschen, die sich nicht mehr alles wie früher leisten können. Der Preis von Benzin ist absurd. Hier sind es fast vier Dollar für eine Gallone (3,7 Liter). Die Preise... Das tut jedem weh. Letztes Mal, als er verantwortlich war, wurden die Dinge besser. Alles war billiger, die Menschen hatten Arbeit. Deswegen habe ich ihn gewählt. Er hat getan, was er angekündigt hat. Hat er Dinge falsch gemacht? Ja! So wie andere Politiker auch.«
So lapidar sehen das dann hier aber doch nicht alle. Marie Olson, die seit 27 Jahren in Indiana lebt, ist der Schock über Donald Trumps Wiederwahl noch deutlich anzumerken.
Marie Olsen, Einwohnerin von Indiana:
»Ich muss das noch verarbeiten. Ich versuche mich zu sammeln, weil ich es einfach nicht fassen kann.«
Fabian Pieper, DER SPIEGEL:
»Sie sind nicht in Kontakt mit Trump-Unterstützern? Ist das hier eine gespaltene Gemeinde?«
Marie Olsen, Einwohnerin von Indiana:
»Wir reden nicht viel über Politik. Die Menschen haben Angst, über Politik zu reden, weil keine Diskussionen mehr möglich sind. Die Menschen leben hier auf unterschiedlichen Planeten. Die Leute konsumieren unterschiedliche Medien, lesen unterschiedliche Zeitungen. Wir sind nicht auf dem gleichen Planeten. Ich denke, es wird erst sehr schlimm, bevor es wieder besser wird. Wir pendeln erst extrem nach rechts und finden vielleicht irgendwann unser Gleichgewicht wieder. Aber wie lange wird das dauern? Wie viel Zerstörung wird in der Zwischenzeit angerichtet? Ich möchte es mir nicht ausmalen.«