Kulturzentrum in Washington Warum das Kennedy, äh, Trump Center vor der Pleite stehen soll
Ein Gerüst verdeckt den Schriftzug des Kennedy Centers in Washington
Foto:Jose Luis Magana / AP
Donald Trump nimmt sich, was er will. Eine eigene Münze? Lässt der US-Präsident für sich prägen. Einen neuen Ballsaal am Weißen Haus? Trump lässt ihn bauen, trotz fehlender Zustimmung des Senats.
Es scheint aber noch Grenzen zu geben. Seit Monaten kämpft Trump darum, dass die Kulturinstitution Kennedy Center seinen Namen bekommt. Ein Richter stoppte bisher die Pläne. Der von Trump eingesetzte Verwaltungsrat der Institution zündet jetzt die nächste Eskalationsstufe.
Das Zentrum, heißt es in einer Warnung, über die die »Washington Post« berichtet , stehe unmittelbar vor der Pleite. Binnen Wochen könnten keine Gehälter mehr gezahlt werden, auch routinemäßige Instandhaltungsmaßnahmen nicht mehr durchgeführt werden.
Bauarbeiter am Kennedy Center
Foto: Rahmat Gul / AP / dpaSchon am Dienstag könnte das Kulturhaus schließen, heißt es in dem Bericht. Angeblich bestehe sogar eine Gefahr für Menschenleben, bliebe es geöffnet. Laut dem von Trump eingesetzten Geschäftsführer Matt Floca gibt es unter anderem schwere Sturmschäden. Ein Teil der Decke im Grand Foyer sei heruntergestürzt, Trümmer seien verstreut gewesen. Es habe zwar keine Verletzten gegeben, aber an mehreren weiteren Stellen solle es Schäden geben. Auch gebe es Korrosion an tragenden Bauteilen eines Vordachs. Das Gebäude solle für eine weitere Nutzung unsicher sein.
Trump als einzige Lösung
Der angeblich einzige Weg, einen offenbar nicht nur »finanziellen Zusammenbruch« zu vermeiden? Na klar, Donald Trump. Der US-Präsident habe angekündigt, die notwendigen Mittel aufzubringen, heißt es in dem Bericht, dafür aber müsse seine Rolle angemessen gewürdigt werden. Gewissermaßen, so könnte man den Bericht lesen, muss Trumps Name an die Fassade, sonst ist der Laden pleite.
Nach seiner Amtsübernahme hatte Trump den Namen des Kulturzentrums Ende 2025 vorübergehend in »Trump-Kennedy-Center« geändert und den Schriftzug an der Fassade anbringen lassen. Später ordnete ein Bundesgericht jedoch an, den Namen wieder zu entfernen, da eine solche Umbenennung ohne Zustimmung des Kongresses nicht rechtmäßig war. Daraufhin wurde der Name im Juni 2026 abmontiert.
Nun gibt es laut der »Washington Post« einen Vorschlag für einen neuen Schriftzug an der Fassade: »Renovierung, Restaurierung und Stiftung unter der Aufsicht von Präsident Donald J. Trump und dem Trump Kennedy Center Fund«.
Man könnte den Medienbericht als nächstes Kapitel in einer Posse bezeichnen. Aber auch als Versuch des US-Präsidenten und seiner Untergebenen, einen Personenkult in den Vereinigten Staaten durchzusetzen. Das ist Trump in seiner Amtszeit wiederholt vorgeworfen worden, ob beim sogenannten Trump-Dollar, dem Ballsaal oder anderen staatlichen Institutionen, die plötzlich in seinem Sinne verändert werden sollten.
Im Kennedy Center am Potomac-Fluss werden traditionell alle Genres von Theater, Tanz und Musik gezeigt. Das Haus ist bis heute nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy (1917 bis 1963) benannt. Im vergangenen Jahr übernahm Trump offiziell die Führung des Kulturhauses. Es habe eine »links-woke Haltung«, sagte der amtierende US-Präsident und machte die Institution zum Schauplatz seines Kulturkampfs. Es gibt Bands und Bühnenwerke, die das Kennedy Center seither meiden. Beobachter sagen, vermehrt wehe ein »MAGA«-Wind über den Campus mit seinen neun Spielstätten.
Richter stoppte Pläne
Nach der Richterentscheidung, Trumps Name müsse wieder entfernt werden, ließ der Präsident die Renovierungsarbeiten aussetzen. Nur der Kongress könne das Kennedy Center umbenennen.
Trumps Regierung, ganz offensichtlich gewohnt, dass derartige Argumente in seiner Welt keine Rolle spielen, drohte mit dem Abriss des Kulturzentrums. Ohne die Hilfe des Präsidenten werde das Gebäude »weiter verfallen« und abgerissen werden müssen. Die neuen Warnungen vor einer drohenden Pleite der Kulturstätte offenbaren, dass Trump und seine Leute nicht aufgeben werden, ehe der Name des US-Präsidenten an der Fassade hängt.
Kritiker sprechen angesichts der Entwicklungen von der »Definition des Wahnsinns«. Es handele sich um den dritten Versuch, dieses »heilige Denkmal zu verunstalten und es zu einem Prestigeprojekt für das Ego eines einzelnen Mannes zu verwandeln«, sagten die Anwälte Norm Eisen und Nathaniel Zelinsky, die für die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty arbeiten, der »Washington Post«. »Noch schlimmer: Trump nimmt das Zentrum als Geisel und droht praktisch damit, es zu zerstören, wenn er nicht seinen Willen bekommt.«
Die finanziellen Probleme hingegen dürften sogar real, aber hausgemacht sein: Die »Washington Post« berichtet unter Berufung auf interne Zahlen, dass Ticketverkäufe und Spenden eingebrochen seien, nachdem Trump seinen Namen im vergangenen Jahr aufs Gebäude habe anbringen lassen. Und vor allem, seit Trumps Leute die Kontrolle über das Wirken auf den Bühnen hätten.
Demnach rechnete das Kennedy Center bereits im Mai für das aktuelle Geschäftsjahr mit einem Minus von 23 Millionen Dollar. Ein Sprecher bestätigte den Bericht gegenüber der Zeitung, ganz Trump-like schob er die Schuld aber auf die ehemalige Führung der Institution und finanzielles Missmanagement. Es liege jetzt an Trump, besser gesagt: an Trumps Namen, die Kulturinstitution zu retten.
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