Grenzgebiet Eagle Pass, Texas
Drohnenaufnahmen zeigen Familien, die den Strömungen des Rio Grande trotzen, um auf die andere Uferseite zu kommen – in das gelobte Land, die USA. Egal, wie hoch das Risiko.
Andere versuchen, mit der Eisenbahn in das Land ihrer Träume zu gelangen..
Oscar Leeser, Bürgermeister El Paso, Texas
.»we have come to what we look at as a breaking point right now.”
»Wir stehen kurz vor dem Zusammenbruch.«
Die Zahl der Grenzübertritte ist wieder so hoch wie vor der Coronaepidemie. Während der Pandemie galten massive Beschränkungen. Täglich passieren zurzeit etwa 8000 Migranten illegal die Grenze in die USA.
Jens Glüsing, DER SPIEGEL
»Das ist ein richtiger Migranten-Highway. Die kommen ja von der ganzen Welt, also ich selbst habe in Mexiko schon Leute aus Bangladesh getroffen, aus Indien, aus dem Kongo, viele Haitianer natürlich. Es ist auch ein sehr großer Anteil der Brasilianer, also wirklich Leute aus der ganzen Welt. Und die Anziehungskraft der USA ist so groß, trotz allem, trotz aller Probleme, dass sie das Risiko eingehen.«
Die Migrationsdebatte schlägt in den USA nach der pandemiebedingten, kurzen Entspannungsphase wieder hohe Wellen. Jetzt mischte auch Tesla-Gründer Elon Musk öffentlichkeitswirksam mit - natürlich dokumentierte er seinen Besuch bei Lokalpolitikern im Grenzgebiet auf seiner eigenen Social-Media-Plattform.
Elon Musk., Tesla-Gründer
»Ist das hier normal – oder erleben wir eine sich beschleunigende Krise?«
Tony Gonzalez, Abgeordneter aus Texas
»Es wird nicht besser, es wird nur schlimmer.«
Texanische Beamte unterzeichneten bereits eine Notstandserklärung, um Mittel für zusätzliche Dienstleistungen zu beantragen. In den ersten beiden Septemberwochen griffen sie mehr als 140.000 Migranten auf. Wie hoch die Dunkelziffer derjenigen ist, die es geschafft haben, lässt sich nur erahnen.
Jens Glüsing, DER SPIEGEL
»Das ist ja ein Riesengeschäft. Man muss sich vorstellen, diese Migration, das ist wie der Drogenhandel. Und nicht zufällig sind auch diese Drogenkartelle in Mexiko mischen mit beim Schmuggel von Migranten, dem Schleusen von Migranten, verdienen damit ihr Geld. Das ist total organisiert. Man kann das alles über Internet buchen, über Facebook und so weiter. Der ganze Transport von der Grenze zu Guatemala bis hoch an die US-Grenze und dann sogar rüber in die USA. Da gibt es verschiedene Packages, ein komfortables Package, dann gibt es einen etwas weniger komfortables, aber dafür auch billiger. Viele nehmen auch die Eisenbahn. Es gibt ja Züge, die vom Süden, fast von der Grenze zu Guatemala, hochfahren bis an die US-Grenze. Und in den vergangenen Wochen haben die Mexikaner mehrmals diese Züge einfach ausgesetzt, weil sie so voll waren mit Migranten, das ging nicht mehr.«
Tapachula, Mexiko
An der Grenze Mexikos zu Guatemala drängen sich Migranten, die weiter Richtung Norden wollen. .
Die mexikanische Regierung setzte Busse ein, um den Transport der Menschen zu anderen Orten zu erleichtern, an denen sie Asylanträge für die USA stellen können.
Immer mehr Familien mit Kindern machen sich auf den gefährlichen Weg.
Wer ein wenig Geld gespart hat, versucht – sozusagen - in die Zukunft zu investieren.
Barbara Chirino, Migrantin aus Venezuela
»Man sollte uns freien Zugang zu unserem Ziel, der US-Grenze, gewähren, damit wir (in die USA) einreisen können. Die Migrationsbehörde sollte Busse schicken,. Je mehr, desto besser. Denn alles, was wir hier sehen, ist nicht normal. Es ist keine Umgebung, die für Kinder geeignet ist. Hier sind kranke Kinder, schwangere Frauen.«
Eine Situation, die sich so schnell nicht ändern wird.
Jens Glüsing, DER SPIEGEL
»Der größte Teil der Migranten kommt aus Venezuela und Kuba. Wenn in den beiden Ländern wirklich drastische Änderungen geschehen, dann wird sicherlich auch der Migrantenstrom da zurückgehen. Aber das ist nicht abzusehen. Bei den anderen Ländern, da hängt es auch von der internen Entwicklung ab. Viele kommen ja auch aus Sicherheitsgründen: Aus Ecuador zum Beispiel kommen viele Leute mittlerweile in die USA, weil die Sicherheitslage sich extrem verschlechtert hat, weil sie bedroht werden und Schutzgeldzahlungen leisten müssen und und und. Solange diese internen Probleme nicht gelöst werden und dann auch das Lohnniveau ansteigt in den Ländern, da sehe ich da wenig, wenig Chancen auf eine Änderung.«
Die Konsequenzen werden dort sichtbar, wo viele der Migranten landen - in Großstädten wie New York. Die Flüchtlingsunterkünfte sind längst überfüllt.
Eric Adams, Bürgermeister New York City
»Dieses Problem wird New York City zerstören.«
Bürgermeister Eric Adams und die Gouverneurin des Staates, beide Demokraten, schlagen Alarm – die Regierung habe sie in Stich gelassen. Im kommenden Jahr sind Präsidentschaftswahlen in den USA. Eine einfache Lösung der Situation dürfte es bis dahin nicht geben.