Falklandinseln: Darum geht es im Konflikt zwischen Argentinien und Großbritannien - DER SPIEGEL
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Argentinien gegen Großbritannien Flammt der Falkland-Konflikt nach 40 Jahren wieder auf?

Argentinien will mit Großbritannien über die Falklandinseln verhandeln – Jahrzehnte nach dem Krieg der beiden Staaten. Warum das Gebiet im Südatlantik so begehrt ist und wie es einst zur Eskalation kam: der Überblick.
Der Union Jack weht nach dem britischen Sieg 1982 über den Falklandinseln
Der Union Jack weht nach dem britischen Sieg 1982 über den Falklandinseln

Der Union Jack weht nach dem britischen Sieg 1982 über den Falklandinseln

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AP

Seit fast 200 Jahren streiten sich Argentinien und Großbritannien um die Falklandinseln. Im April 1982 gipfelte der Konflikt in einem kurzen Krieg, als Argentinien das britische Überseegebiet angriff und besetzte. Nach etwas mehr als zwei Monaten mussten sich die Besatzer geschlagen geben. Resultat des Krieges waren mehr als 900 Tote und das Ende der damaligen argentinischen Militärjunta, der britische Sieg zementierte Margaret Thatchers Ruf als »Eiserne Lady«.

Am Donnerstag hat nun der argentinische Außenminister Santiago Cafiero nach einem Treffen mit seinem britischen Kollegen James Cleverly beim Außenministertreffen der G20-Staaten in Neu-Delhi mitgeteilt, dass die argentinische Regierung wieder über die Souveränität der Falklandinseln verhandeln wolle. Er schlug ein Treffen mit britischen Vertretern im Sitz der Vereinten Nationen in New York vor. Cleverly konterte prompt: »Die Falklandinseln sind britisch«, schrieb er auf Twitter. Die Einheimischen hätten das Recht, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, und sie hätten sich entschieden, britisches Überseegebiet zu bleiben.

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Warum setzt Argentinien das Thema wieder auf die weltpolitische Agenda? Worum geht es genau in dem Konflikt? Und wieso sind die Falklandinseln für Buenos Aires und London überhaupt interessant? Der Überblick:

Geschichte der Falklandinseln

Die Falklandinseln bestehen aus etwa 200 Inseln im südlichen Atlantik. Geografisch gehören sie zu Südamerika. Es leben dort (das britische Militär nicht mitgerechnet) etwa 3000 Einwohner, knapp zwei Drittel davon in der Hauptstadt Stanley auf Ostfalkland. Haupteinnahmequelle der Inseln sind die Schafzucht und die Fischerei.

Offiziell entdeckt wurden die Falklandinseln 1592 vom britischen Seefahrer John Davies. Erstmals gesichert betreten hat die Inselgruppe der Brite John Strong. Er gab der Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln zu Ehren des damaligen britischen Politikers Anthony Cary, 5. Viscount Falkland, den heutigen Namen, später ging die Bezeichnung auf die gesamte Inselgruppe über. In Argentinien heißt die Inselgruppe Islas Malvinas.

Die ersten Siedler auf den kargen Inseln waren Franzosen. 1766 unterhielt Spanien eine Kolonie. 1811 stellte Spanien den Unterhalt der Kolonie ein. Neun Jahre später wurde die Inselgruppe von Argentinien in Besitz genommen, 1833 errichtete das Vereinigte Königreich einen Flottenstützpunkt auf der Insel Ostfalkland und zwang so die argentinische Verwaltung zum Abzug. 1837 wurde die britische Kolonialverwaltung offiziell eingerichtet. Argentinien hat immer wieder dagegen protestiert. Oft kommt das Thema auch kurz vor Wahlen in dem südamerikanischen Land auf.

Was macht die Inseln für Buenos Aires und London interessant?

Es sind nicht die Schafe. Im Laufe des fast 200-jährigen Streits zwischen Buenos Aires und London gab es unterschiedliche Gründe für die Beanspruchung der Inseln. Für Großbritannien waren unter anderem lange Zeit internationale seerechtliche Bestimmungen relevant. Mit der Herrschaft über die Inselgruppe konnte London auch Ansprüche im antarktischen Ozean rechtfertigen. Heutzutage begründet die Herrschaft über die Inselgruppe keinen Anspruch mehr in der Antarktis.

Wesentlich interessanter sind aktuell die Bodenschätze in dem Gebiet. In den Neunzigerjahren wurden vor den Inseln große Ölfelder entdeckt.

Der Falklandkrieg

Am 1. April 1982 nahm eine argentinische Invasionsflotte Kurs auf die Falklandinseln. Über Funk alarmierte das britische Kriegsministerium die Garnison, dass jederzeit argentinische Feindtruppen auf Falkland Ost und West landen könnten. Die 68 dort stationierten britischen Marines sollten die Inseln halten, bis eine diplomatische Lösung gefunden sei. Am 2. April überrollten die Argentinier das Gebiet um Port Stanley innerhalb weniger Stunden. Die britischen Soldaten wurden als Kriegsgefangene interniert. Es war der Auftakt zu einem 74-Tage-Krieg.

London reagierte auf die Besetzung mit militärischer Härte. Die Invasionsflotte zur Rückeroberung bestand aus zwei Flugzeugträgern, 42 Kriegs- und 22 Versorgungsschiffen sowie 62 zivilen Schiffen. Am Ende landeten bis zu 30.000 Briten an mehreren Stellen der Inseln. Sie trafen auf eine geschätzte Besatzungsmacht von 15.000 argentinischen Soldaten.

Die Gegenoffensive lief weitgehend wie geplant. Den auf den Inseln stationierten argentinischen Soldaten haperte es an Ausbildung wie Bewaffnung. Sie hatten keine Winterkleidung; ihre Versorgung klappte nicht. Schon bald sahen sich die Argentinier deshalb in die Enge gedrängt. Am 14. Juni nahmen die Briten die in Puerto Argentino umbenannte Hauptstadt Port Stanley ein – und abends um 21 Uhr ergaben sich die Argentinier.

Mehr als 900 Soldaten verloren ihr Leben. Der Konflikt war kurz, wurde aber heftig geführt.

Warum startete Argentinien den Krieg?

Argentiniens damaliger Militärherrscher Leopoldo Galtieri wollte mit der »Heimholung« der Islas Malvinas vor Argentiniens Küste von innenpolitischen Problemen ablenken. Seine Junta war Anfang der Achtziger zunehmend unter Druck geraten. Galtieri suchte die Konfrontation mit einem äußeren Feind – und wer wäre da besser geeignet gewesen als die alte Kolonialmacht, die zur Scham Argentiniens die Malvinas besetzt hielt?

Nur vorübergehend ging Galtieris Rechnung auf. Im Siegestaumel nach der Invasion vergaßen viele Argentinier ihre Wirtschaftsmisere und die grausame Verfolgung von Oppositionellen. Statt als Faschisten nahmen sie die Militärs in Buenos Aires plötzlich als antikolonialistische Kämpfer wahr. Die Guerillagruppe der Montoneros schlug der verhassten Junta einen Waffenstillstand vor, auch Castros Kuba bot Hilfe an.

Nachdem aber die Briten die Falklands zurückerobert hatten, wurde Galtieri entmachtet. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Menschenrechtsverletzungen und Missmanagements während des Falklandkrieges zu zwölf Jahren Haft.

Warum ließ sich London auf den Konflikt ein?

Argentiniens Militärherrscher Galtieri glaubte offenbar, Premierministerin Margaret Thatcher würde die Invasion hinnehmen. Tatsächlich hatte es bereits Sondierungen und Verhandlungen über eine Übergabe der Inseln gegeben. Jetzt aber zeigte Thatcher Härte – wohl aus ähnlichem Kalkül wie Galtieri. Sie konnte sich durch den Krieg von der höchst umstrittenen Zerstörerin des englischen Sozialstaats zur unangefochten populären »Eisernen Lady« mausern.

Thatcher war vor dem Krieg wegen ihrer Steuerhilfen für die Oberschicht und der sozialen Einschnitte bei vielen Briten verhasst. In Großbritannien war es unter anderem zu Arbeiterprotesten gekommen, gegen die die Polizei teilweise hart vorging. Thatcher hatte auch die viel kritisierte Privatisierung von kritischer Infrastruktur vorangetrieben, unter anderem bei der Bahn und den Telekommunikationsunternehmen. Im Jahr nach dem Krieg verdreifachte Thatcher bei der Wiederwahl die Mehrheit der Unterhaussitze ihrer Konservativen Partei – trotz drei Millionen Arbeitslosen, hoher Zinsen und zahlreicher Firmenpleiten.

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Falkland-Konflikt: Krieg ums Fels-Eiland

Foto: Daniel Garcia / AFP

Wie ist der Status quo?

Im Juni 2012 kündigten die Falklandinseln eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit an. Ein halbes Jahr später forderte die damalige argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner Großbritannien in einem offenen Brief auf, die Falklandinseln an Argentinien zu übergeben. Im März 2013 wurde auf den Inseln ein Referendum abgehalten.

99,8 Prozent der Wahlberechtigen auf der autonom regierten Inselgruppe stimmten für die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich. Nur drei Personen stimmten dagegen. Kirchner hatte aber schon im Vorfeld angekündigt, das Ergebnis des Referendums nicht anzuerkennen. London erklärte, dass die britische Regierung alles tun werde, um die Inseln zu verteidigen.

svs/pat