Türkischer Prediger im US-Exil Erdoğan-Gegner Fethullah Gülen ist tot
Fethullah Gülen in Pennsylvania (2023)
Foto:Selahattin Sevi / AFP
Er galt als Erzfeind des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, lebte jahrelang im Exil in den USA: Fethullah Gülen, mutmaßlicher Drahtzieher des Putschversuchs in der Türkei 2016, ist tot. Der islamische Geistliche sei am Sonntagabend im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Pennsylvania gestorben, erklärte der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun.
Die Stiftung ist der deutsche Ableger der transnationalen Gülen-Bewegung, die in Deutschland unter anderem Schulen, Nachhilfezentren und Kindergärten betreibt. Zuvor hatte der öffentliche türkische Fernsehsender TRT unter Verweis auf Veröffentlichungen Gülen nahestehender Gruppen in Onlinediensten über den Tod berichtet.
Gülen sei ein einflussreicher muslimischer Gelehrter gewesen, dessen Vision den Anstoß zur globalen Hizmet-Bewegung gegeben habe, teilte die Stiftung mit. Ziel der Bewegung ist es, Muslime über Bildungseinrichtungen, Medien und Vereinsarbeit für eine fromme Lebensweise zu gewinnen. Sie werde auch in Zukunft fortbestehen, hieß es weiter. Aus der Bewegung hieß es, Gülen sei schon seit einigen Jahren gesundheitlich angeschlagen gewesen.
1941 in der osttürkischen Provinz Erzurum als Sohn eines Imams geboren, studierte Gülen seit seiner Kindheit den Koran. 1959 wurde er selbst zum Prediger einer Moschee in der nordwestlichen Stadt Edirne ernannt. In den Sechzigerjahren erlangte er als Imam in der westlichen Provinz Izmir Bekanntheit, wo er Studentenwohnheime einrichtete und in Teehäusern predigte. Diese Wohnheime waren der Beginn eines informellen Netzwerks, das sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte in Bildungs-, Wirtschafts-, Medien- und Staatsinstitutionen ausbreitete und seinen Anhängern großen Einfluss verlieh.
Erst Erdoğan-Verbündeter, dann Erzfeind
Die Erdoğan-Regierung betrachtete Gülen als Staatsfeind Nummer eins. Erdoğan hält ihn für den Drahtzieher des Putschversuchs von 2016 in der Türkei und hat immer wieder dessen Auslieferung gefordert. Gülen, der bis zum öffentlichen Bruch 2013 mit Erdoğan verbündet war, hatte seine Beteiligung stets abgestritten. Seit 1999 lebte er im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Am 15. Juli 2016 hatten in der Türkei Teile des Militärs gegen die Regierung von Präsident Erdoğan geputscht. In Istanbul und der Hauptstadt Ankara gab es schwere Gefechte zwischen Putschsoldaten und regierungstreuen Sicherheitskräften. Der Aufstand wurde schließlich niedergeschlagen. Mehr als 250 Menschen starben und mehr als 2.000 wurden verletzt.
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Unter dem Ausnahmezustand, den Erdoğan anschließend ausrief und der erst im Juli 2018 endete, ging die Regierung gegen mutmaßliche Putschisten und Anhänger von Gülens Bewegung, aber auch gegen Oppositionelle vor. Per Dekret wurden mehr als 100.000 Staatsbedienstete entlassen und Zehntausende Menschen verhaftet. In der Türkei ist die Gülen-Bewegung als Terrororganisation eingestuft.