Marina Kormbaki, DER SPIEGEL:
»Friedrich Merz ist mit großem Selbstbewusstsein hierhergekommen nach Den Haag. Mit ihm als Kanzler sei Deutschland zurück auf europäischer und internationaler Bühne – so sieht es Friedrich Merz.«
Aber sieht der Rest Europas und der Welt das auch so?
Das dürfte auch daran gemessen werden, was Merz auf seinem ersten Nato-Gipfel erreicht. Worum es dort gehen soll, wie wichtig das Treffen aus seiner Sicht ist – das machte der Kanzler schon vorher klar.
Friedrich Merz, Bundeskanzler:
»Man darf diesen Gipfel durchaus historisch nennen. Wir werden beschließen, deutlich mehr in unsere Sicherheit zu investieren. Wir tun das aus eigener Anschauung und Überzeugung, weil vor allem Russland die Sicherheit und die Freiheit des gesamten euroatlantischen Raums aktiv und aggressiv bedroht.«
Das neue Ziel der Nato: Die Mitgliedsstaaten sollen künftig fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Aber der Bundeskanzler kündigte noch ein anderes Ziel an.
Marina Kormbaki, DER SPIEGEL:
»Merz hat die Losung ausgegeben, dass die Bundeswehr die stärkste europäische Armee werden soll. Es sollte ein Zeichen sein an die Europäer, dass sie nachziehen, aber natürlich auch ein Zeichen an Donald Trump, dass es der Bundesregierung ernst damit ist, militärische Führungsmacht hier in Europa zu werden.«
Merz lobte Trump für den US-Angriff auf Iran, ein anderes Thema aber ist ihm wichtiger: Damit der Krieg in der Ukraine endet, möchte der Kanzler Trump dazu bringen, den Druck auf Russland zu erhöhen, zum Beispiel durch härtere Sanktionen.
Marina Kormbaki, DER SPIEGEL:
»Darauf dürfte der Kanzler hinwirken wollen, wenn er die Gelegenheit bekommt, mit Trump unter vier Augen zu sprechen. Ob ihm das gelingt? Ehrlich gesagt spricht derzeit nichts dafür, dass Trump der Bitte über eine härtere Gangart gegen Putin nachkommt.«
So kämpft Merz auch in Den Haag um Einfluss, um seine Rolle in der internationalen Politik. Nach dem Nato-Treffen reist er gleich weiter nach Brüssel zum EU-Gipfel.
Marina Kormbaki, DER SPIEGEL:
»Auch da dürfte Merz darum bemüht sein, den europäischen Anführer zu geben. Die vergangenen Tage und Wochen haben jedoch gezeigt, dass zwischen dem Anspruch des Kanzlers und der Wirklichkeit doch eine Kluft liegt. Weder in der Ukraine-Diplomatie noch in der Nahost-Diplomatie spielte Deutschland eine große Rolle. Merz wird also noch einiges unternehmen müssen, um seinem eigenen Anspruch, dem des Außenkanzlers gerecht zu werden.«