Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten So könnten wir alle aufhören zu rauchen (dieses Mal wirklich)
Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!
Was mich wirklich elektrisiert hat diese Woche, war ein Text meines Kollegen Marco Evers aus unserem Wissenschaftsressort: »Als erstes Land der Welt: Schweden wird rauchfrei.« Als ehemalige Raucherin, die aufgehört und wieder angefangen hat, dann jahrelang eine (!) Zigarette am Tag geraucht hat – immer gestresst durch die Frage, wann dafür wohl der beste/nötigste Zeitpunkt wäre (am besten spätabends, damit man danach nicht mehr in Versuchung gerät) – kann ich nur sagen: cool. Denn das ist Nicht-Rauchen ja inzwischen.
Ich muss Ihnen nicht erzählen, warum es besser ist, aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen, das wissen Sie selbst. Die meisten wollen das Rauchen ja auch sein lassen, nur gibt es dafür leider keinen simplen Knopf. Was ich spannend finde: Wie hat Schweden es geschafft, bald als rauchfrei zu gelten, also die Raucherquote auf unter fünf Prozent zu drücken?
Die Kosten sind es schon mal nicht, eine Packung kostet an die sechs Euro. »Schweden hat sich viel früher als Deutschland zu Rauchverboten in der Gastronomie entschieden, und von Anbeginn waren sie populär«, sagt Marco. Auch Verschärfungen wie das Rauchverbot im Außenbereich von Restaurants haben sie überwiegend klaglos akzeptiert.
Rauchpause: Die EU will die Tabakepidemie bis 2040 bezwingen
Foto: Westend61 / Getty ImagesWas aber wirklich geholfen hat, das ist ein urschwedisches Tabakprodukt namens Snus. Er wird nicht verbrannt und nicht geraucht, weshalb bei ihm auch viel weniger Schadstoffe entstehen. Vielmehr klemmen sich die Nutzer den Snus unter die Oberlippe. Dort bleibt er oft eine halbe Stunde lang, Nikotin löst sich, wird von der Mundschleimhaut aufgenommen und dringt vor in das Gehirn – und das ist es, was Raucher wollen. Nur kriegen sie es bei Snus eben ohne all die Gifte, die beim Abbrennen einer Zigarette zwangsläufig entstehen. Mehr als 20 Prozent der Männer und rund sieben Prozent der Frauen in Land nutzen Snus täglich.
Was diese Tabakvariante Gutes tut, lässt sich ablesen an den Gesundheitsstatistiken: So haben Schwedens Männer inzwischen die niedrigste Lungenkrebs-Rate in der EU, sie ist nur etwa halb so hoch wie in Deutschland. Trotzdem ist Snus – warum eigentlich? – im Rest der EU verboten. »Snus hat sicher auch eigene Risiken, aber die liegen weit unterhalb von denen einer Zigarette«, sagt Marco. »Wenn wir es den Schweden nachtäten, hätten wir weniger Tote.«
Die Schweiz hat derweil angekündigt, Tabakwerbung weitgehend zu verbieten, also in Print- und Onlinemedien sowie auf öffentlichen Darstellungen. Damit sollen vor allem junge Menschen geschützt werden. Wer jetzt denkt: Schöne Ideen, aber was haben die mit meiner Sucht zu tun, könnte ja mal über einen Urlaub in Schweden nachdenken.
Wasser und Wälder in Schweden
Foto: Peter Vahlersvik / E+ / Getty ImagesWas diese Woche noch gut war – für die Welt:
Europäischer Gaspreis fällt auf tiefsten Stand seit fast zwei Jahren
Wer heute eine Gaslieferung für den nächsten Monat bestellt, zahlt dafür so viel wie zuletzt 2021. Die Speicher in Deutschland füllen sich – und der Preis könnte noch weiter sinken. Jedoch: Viele Kundinnen und Kunden spüren davon nichts, der derzeit durchschnittliche Tarif der örtlichen Grundversorger ist immer noch mehr als doppelt so teuer wie vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf dem Strommarkt. Wie Sie die Entspannung auf dem Großhandelsmarkt und den Wettbewerb der Anbieter jetzt möglichst für sich nutzen können und wer den Tarif wechseln sollte – ohne auf unseriöse Discounter reinzufallen, erfahren Sie hier .
Besser geschützte Ozonschicht verzögert Klimawandel
FCKW-Verbote wirken: 1985 entdeckten Experten das Ozonloch über der Antarktis. Die Maßnahmen, die daraufhin beschlossen wurden, helfen der Erde immer noch – und das Ozonloch schließt sich zunehmend.
Neue Technologie: Wie ein Gelähmter wieder laufen lernte
Es ist eine kleine Sensation: Ein 38-Jähriger, der kein Gefühl in Armen und Beinen hatte, kann dank einer neuen Technologie wieder eigenständig laufen. Ihm wurde im Rahmen einer klinischen Studie ein »Brain-Spine Interface« (BSI), eine Gehirn-Rückenmarks-Schnittstelle, implantiert. Lesen Sie hier mehr.
Fortschritt für LGBTQ-Rechte: San Francisco ernennt erste Drag-Botschafterin
In Teilen der USA schränken Gesetze die LGBTIQ-Community ein, nicht so in Kalifornien: Dort soll die Künstlerin D’Arcy Drollinger die Rechte von Transpersonen stärken. Auch in Thailand wollen die Wahlsieger die Ehe für alle einführen.
US-Schauspielerin und Künstlerin D’Arcy Drollinger wurde zur ersten Drag-Botschafterin San Franciscos ernannt
Feriencamps gegen Rassismus: Wie schwarze Kinder und Jugendliche mehr Selbstvertrauen gewinnen können
Sie bieten einen geschützten Raum: Die Organisation Empoca richtet besondere Outdoor-Camps aus, exklusiv für schwarze Kinder und Jugendliche. Im Interview mit meiner Kollegin Heike Klovert erklärt Gründer Anthony Owosekun, warum die Ferienlager so wichtig sind und wie sie ein positiveres Selbstbild stärken können.
Was gut ist – für Sie:
Selbstdiagnose via Internet: Wann Dr. Google wirklich helfen kann
Der Kopf schmerzt, die Hüfte zwickt? Viele recherchieren schnell mal im Internet, was ihre Symptome bedeuten könnten. Orkan Okan, Experte für Gesundheitskompetenz, sagt: gut so. Und erklärt im Interview mit meiner Kollegin Marthe Ruddat, inwiefern eine hohe Gesundheitskompetenz mit einem besseren Gesundheitsverhalten verknüpft ist.
So finden Sie den richtigen Babysitter
Von der Kita abholen oder am Wochenende abends aufpassen: Hier erfahren Sie , wie Sie gute Betreuungspersonen für Ihr Kind erkennen – und bei welchen Warnzeichen Sie aufhorchen sollten.
Endlich: Tippfehler-Korrektur bei WhatsApp
Ah Mist, gerade abgeschickt und nun einen Fehler entdeckt: Künftig müssen Nutzerinnen und Nutzer von WhatsApp nicht mehr die komplette Nachricht löschen oder eine Korrektur hinterherschicken, Sie können nun auch direkt im Text Änderungen vornehmen.
Ausraster im Job: Wie man sich nicht mehr von Kollegen provozieren lässt
Sind Sie schon mal auf der Arbeit laut geworden oder mit einer Kollegin unangenehm aneinandergeraten? War Ihnen Ihr eigenes Verhalten hinterher unangenehm? Dann empfehle ich Ihnen die Tipps unserer Karriereberaterin Stephanie Huber. In dieser Folge erklärt sie, wie man seine Emotionen in den Griff bekommt – bevor sie Achterbahn fahren.
Der gute Gedanke aus dem Archiv:
Kaum sind die ersten warmen Tage und lauen Abende da, sehnen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnungen ohne Garten oder großzügige Terrasse nach einem Stück Rasen, einem Blumenbeet oder einfach generell: nach mehr Platz, Ruhe, etwas Eigenem. Zuletzt wurden die Bedingungen für einen Immobilienkauf beständig mieser – steigende Zinsen, kaum sinkende Preise, hohe Energiekosten und nun auch noch die Aussicht auf teure Umbauten der Heizungsanlagen. Dennoch: Es spricht auch einiges für einen Kauf, weiß mein Kollege Jens Radü. Die fünf wichtigsten Gründe hat er in diesem SPIEGEL-Bestseller aus unserem Archiv für Sie zusammengefasst. Mir gefällt am besten: »Ein Haus ist kein Gefängnis. Sie können es auch einfach wieder verkaufen. Nur Mut.«
Und sonst?
In der vergangenen Woche hat meine Kollegin Maria Stöhr einen hübschen Leserbrief vorgestellt – jemand hatte von einem Fremden einen Espresso ausgegeben bekommen. Daraufhin erinnerte sich Almut K. an ein ähnliches Erlebnis, das sie im vergangenen Jahr hatte und schrieb uns:
»Ich hatte einen richtig furchtbaren Tag hinter mir: Züge verpasst, zu wenig geschlafen, zu viel gearbeitet zu wenig getrunken, Kopfschmerzen im Anflug. Nur noch nach Hause gehen und die Tür schließen. Da: die Eisdiele mit dem leckeren Eis.
›Eine Kugel Mousse au Chocolat, bitte.‹
›Entschuldigung, aber ich glaube, ich war vor Ihnen da‹, sagt der junge Mann neben mir. Peinlich. Ich hatte ihn wirklich übersehen.
›Tut mir leid, natürlich sind Sie dran.‹
›Macht nichts. Ich hab seit zehn Jahren kein Eis gegessen, da kommt es jetzt nicht auf zehn Sekunden an. Können Sie mir was empfehlen?‹ ›Alles super hier, besonders das Erdbeersorbet.‹
›Gut. Nehme ich. Und was wollen Sie?‹
Ich schaue verdutzt.
›Okay, meinetwegen dürfen Sie auch zwei! Wissen Sie‹, sagt der Unbekannte, ›ich hatte heute einen derart blöden Tag, das kann man doch nicht so lassen.‹ Zahlt zwei Portionen Eis, gibt noch ein großzügiges Trinkgeld, dreht sich um, grinst und geht Richtung Bahnhof.
Tage später lese ich zufällig irgendwo über die amerikanische Bewegung Roak (random acts of kindness). Finde ich großartig!«
Frau mit Eis (Symbolbild)
Foto: Kike Arnaiz / Westend61 / Getty ImagesWenn auch Ihnen etwas Gutes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen*.
Ich wünsche Ihnen ein gutes langes Pfingstwochenende! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort
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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.