Gute Nachrichten der Woche: Wie Pferde depressiven Jugendlichen helfen können - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Lena Greiner

meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Wie Pferde depressiven Jugendlichen helfen können

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Herzlich Willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!

Besonders berührt hat mich in dieser Woche die Geschichte von Maja, die zunächst nicht positiv beginnt. Maja ist 16 Jahre alt und depressiv. Seit Jahren kann sie keine Schule mehr besuchen, bekommt dort Panikattacken. Sie war in einer Klinik, doch es ist ein anderer Ort, der ihr wirklich hilft: der Reittherapiehof Holenberg in Niedersachsen. Mindestens dreimal in der Woche kommt Maja hierher. Meine Kollegin Lisa Duhm hat sie dort besucht. »Ich dachte immer, dass es bei einer Reittherapie ums Reiten ginge«, sagt Lisa, die selbst Reiterin ist. Aber das sei gar nicht so. »Es geht um Verbindung, Berührung, Vertrauen, in Kontakt treten und Grenzen setzen.«

Tatsächlich sei es oft erst durch die Pferde möglich, mit der Patientin oder dem Patienten ins Gespräch zu kommen, berichtet auch Susanne Moersener, die mit ihren sieben Pferden auf dem Hof die besondere Form der Therapie anbietet, vor allem für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen. Die Tiere seien etwa sehr gut darin, das eigene Nähe- und Distanzbedürfnis spürbar zu machen. Auch Ängste der Patientinnen sowie schwierige Bindungserfahrungen äußerten sich häufig im Umgang mit dem Pferd. Die Ergebnisse seien erstaunlich, sagt auch die Psychotherapeutin Birgit Heintz. »Beziehungstraumatisierte Kinder und Erwachsene, die Schwierigkeiten haben, Vertrauen aufzubauen, profitieren besonders von dieser Art der Therapie.«

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Maja möchte jetzt sogar andere unterstützen, die auf dem Hof Hilfe suchen. »Sie war in einem richtigen Loch, ist immer noch unsicher im menschlichen Kontakt«, erzählt Lisa. »Aber mit den Pferden war alles weg, Maja konnte durchatmen und sich entspannen. Diese Wirkung war total schön zu sehen.«

Nähe kann Maja nur schwer ertragen. Aber die Ponys zu umarmen, genießt sie

Nähe kann Maja nur schwer ertragen. Aber die Ponys zu umarmen, genießt sie

Foto: Hannah Aders / DER SPIEGEL

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollen ab 2024 deutlich mehr Geld bekommen
»Angesichts historisch hoher Inflation und stagnierender Konjunktur war es ein außerordentlich schwieriger Konflikt – für beide Seiten«, schreibt mein Kollege Florian Diekmann über die Einigung im Tarifstreit. Zwar werde es bei den meisten Beschäftigten immer noch nicht ausreichen, um die Inflation voll auszugleichen, dennoch seien vergleichsweise hohe Tarifabschlüsse erzielt worden. Mit wie viel mehr Gehalt Erzieher oder Busfahrerinnen konkret rechnen können, lesen Sie hier .

Klimaschutz im Luftverkehr: Flugzeuge müssen Biosprit tanken
Airlines in Europa sollen als Beitrag zum Klimaschutz künftig auf nachhaltiges Flugbenzin umsteigen, ab 2025 muss der Anteil an Biosprit oder E-Fuels steigen. Die Fluglinien bekommen Finanzhilfen, Kundinnen und Kunden ein Umweltlabel zur Orientierung.

Weniger Lebensmittelverschwendung: Neue Regeln für hässliches Obst
Möhren und Gurken sollen in Zukunft auch dann verkauft werden dürfen, wenn sie äußerliche Mängel haben. Das schlägt die EU-Kommission vor. Unansehnliches Obst und Gemüse soll demnach direkt vor Ort verkauft werden dürfen. So sollen weniger Lebensmittel weggeworfen werden, zudem ermögliche dies kurze Lieferwege für Bauern – und frisches Obst und Gemüse zu erschwinglicheren Preisen für Kunden. Lesen Sie hier mehr zu den Plänen.

Krumm gewachsenes Gemüse

Krumm gewachsenes Gemüse

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Erfolgreiches Projekt: Rheinland-Pfalz führt Handy-Blitzer ein
Smartphones am Steuer lenken ab – und führen extrem häufig zu Unfällen. Ein Pilotprojekt an zwei Standorten in Trier und Mainz habe die Zahl der Ablenkungsverstöße nun mindestens halbiert, teilte der Innenminister mit. Das in den Niederlanden entwickelte System Monocam erkennt in einem Livestream, wenn ein Fahrer oder eine Fahrerin zum Smartphone greift und macht dann automatisch ein Foto. Jetzt sollen an vielen Stellen in Rheinland-Pfalz solche Kameras aufgestellt werden.

Die neue Barbiepuppe hat das Downsyndrom
175 verschiedene Barbiepuppen gibt es – und jetzt auch eine, deren Gesicht und Körper einer Frau mit Downsyndrom ähnelt. Die neue Puppe soll Kindern zeigen, dass Menschen sehr unterschiedlich sein können, zugleich solle mehr Jungen und Mädchen ermöglicht werden, sich in den Puppen wiederzuerkennen, so der US-Spielzeugriese Mattel, der damit laut eigener Aussage seinen Beitrag im Kampf gegen die Stigmatisierung von Menschen mit Behinderung leisten möchte.

Das Model Ellie Goldstein mit der Barbiepuppe mit Downsyndrom

Das Model Ellie Goldstein mit der Barbiepuppe mit Downsyndrom

Foto: Catherine Harbour; Mattel / dpa

Wie Ägypten aus Plastikmüll Pflastersteine backt
Jedes Jahr landet eine halbe Million Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer, hauptsächlich aus Ägypten. Dort wird Müll kaum gesammelt und recycelt – bisher. Sehen Sie hier im Video, wie zwei Projekte aus Kairo auf Innovation und Bildung setzen.

Moore als CO₂-Speicher: Klimarettung à la Brandenburg
90 Prozent der Moore in Deutschland sind ausgetrocknet und geben nach und nach Treibhausgase frei, die sie normalerweise binden. Die Königswiese in Brandenburg war so ein Problemfall. Bis Umweltschützer sie unter Wasser setzten, wie Sie hier im Video sehen können. Und in diesem Interview  mit meiner Kollegin Susanne Götze erklärt die Landschaftsökologin Franziska Tanneberger, wie viele trockengelegte Moore wieder »vernässt« werden müssten – und wie Landwirte ihre Produktionsweise umstellen können.

Was gut ist – für Sie:

Mexiko, USA, Kirgisistan: So schafft man es an eine Summer School
Wem ein Auslandssemester zu teuer, zu lang oder zu aufwendig ist, kann auch nur für ein paar Wochen während der Semesterferien ins Ausland gehen – im Rahmen einer Summer School. Wie man sich bewirbt, wer bei der Finanzierung hilft und was man dabei lernt, beschreibt Caroline Becker in diesem Text.

Anleitung zum Glücklichsein
Wir alle streben danach, doch die wenigsten scheinen die Formel gefunden zu haben: Wie glücklich wir sind, hängt etwa zur Hälfte von unseren Genen ab – und zur anderen Hälfte von uns selbst. Unsere Autorin Danina Esau wollte ihr Glücksgefühl verbessern und nahm an einem zehnteiligen Onlinekurs der Yale-Professorin Laurie Santos teil, der auch bei ADHS wirken soll. Hinterher war sie tatsächlich nachweislich glücklicher – ob es an den Übungen lag? Lesen Sie hier , was wichtiger sein soll als mehr Geld, ein besserer Job oder eine schönere Wohnung.

Wie glücklich wir sind, hängt etwa zur Hälfte von unseren Genen ab – und zur anderen Hälfte von uns selbst

Wie glücklich wir sind, hängt etwa zur Hälfte von unseren Genen ab – und zur anderen Hälfte von uns selbst

Foto: Liliya Krueger / Moment / Getty Images

Aufhören mit dem ewigen Vergleichen
Er verdient mehr, sie ist sportlicher, deren Haus ist aufgeräumter: Ständig vergleichen wir uns mit anderen. Das kann uns anspornen, meistens sorgt es aber nur für Frust und Unzufriedenheit. Im Podcast mit meinem Kollegen Lenne Kaffka erklärt die Ratgeberautorin Maja Günther, wie wir endlich mit den negativen Vergleichen aufhören können.

Die gute Idee aus dem Archiv:

»Gut!« »Geht.« »Ok.« – typische Ein-Wort-Antworten von Kindern und Jugendlichen auf die Frage, wie es in der Schule war. Woran das liegt, und was Kinder brauchen, um darüber zu sprechen, was sie wirklich beschäftigt, erfahren Sie in einem unserer beliebtesten Texte aus dem Archiv. Darin kommt auch Artur, 12, zu Wort. Er verrät: »Manchmal habe ich aber auch keine Lust, etwas zu erzählen, zum Beispiel, wenn es langweilig in der Schule war, wenn etwas Blödes passiert ist oder ich schlecht gelaunt bin.« Lesen Sie hier den ganzen Text .

Darauf können Sie sich freuen:

Ein langes Wochenende steht vor der Tür – und der Mai! Mit Blüten, viel Grün und einigen Feiertagen. Also etwas mehr Freizeit. Wer mag, könnte sich da zum Beispiel etwas aus dieser Arte-Serie anschauen: Gute Nachrichten vom Planeten  – Projekte, die zeigen, wie es gelingen kann, unsere Lebensgrundlagen zu bewahren. Was mich noch an eine andere positive Meldung aus der Woche  erinnert: Costa Rica hat im vergangenen Jahr seinen Strombedarf zu 99,25 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt, vor allem aus Wasserkraft, Geothermie und Windenergie. Das Land, das als eines der fortschrittlichsten in Lateinamerika gilt, kann den so gewonnenen Strom sogar international weiterverkaufen und ihren Kunden vergleichsweise günstige Tarife anbieten.

Blick auf den Arenal Volcano National Park in Costa Rica

Blick auf den Arenal Volcano National Park in Costa Rica

Foto: Oscar Gutierrez / iStockphoto / Getty Images

Und jetzt sind Sie dran: Schicken Sie uns gern per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de  Ihre ganz persönliche gute Nachricht aus der Woche – was ist Ihnen Gutes widerfahren, was haben Sie Schönes erlebt, gesehen, gehört? Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen*.

Haben Sie ein schönes langes Wochenende! Und wenn Sie sich noch nicht für diesen neuen wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort

(*Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer – auf Wunsch – anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.