Jewhen Klopotenko in seinem Restaurant in Kyjiw
Foto:Sitara Celina Rajh / DER SPIEGEL
Alles Gute vom SPIEGEL Mit Borschtsch gegen Putin
Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten. Schön, dass Sie da sind!
Jewhen Klopotenko sagt, seine Waffe im Angriffskrieg von Russland gegen sein Land sei von speziellem Kaliber. Ihr Name: Borschtsch.
Was er damit meint, wird klar, wenn man weiß, wer er ist.
Er ist Ukrainer. Spitzenkoch und Widerstandskämpfer. In der Küche.
Er war es, der gut vier Monate nach dem russischen Überfall auf seine Heimat dafür sorgte, dass die Unesco Borschtsch als ukrainischen Beitrag auf die Liste des immateriellen Kulturerbes setzte. Die Russen, die eine gleichfalls auf Roter Bete basierende Suppe ihren eigenen kulinarischen Errungenschaften zurechnen, schäumten damals. Ein Sieg für Klopotenko und für ihn der Beleg, dass sie die Sache mit dem Borschtsch zu Recht als Attacke verstanden.
»100 rokiw tomu wpered«, in etwa »100 Jahre zurück in die Zukunft« heißt das Lokal von Klopotenko in Kyjiw
Sitara Celina Rajh / DER SPIEGEL
Seitdem kämpft er weiter. Radikale Beschränkung ist Teil von Klopotenkos Philosophie. Er nennt sie seine »nationalpatriotische Mission«. Das Ziel, sagt er, sei es, »die Ukraine auf die gastronomische Weltkarte zu bringen«. Und das in einer Zeit, in der Russlands Regime der Ukraine nicht nur ihre Souveränität abspricht, sondern auch ihre nationale Identität. Zu dieser gehört auch die ukrainische Küche. Die verteidigt er mit Rezepten, die sich auch bei eisiger Kälte und bis zu 18 Stunden Stromausfall auf den Tisch bringen lassen.
In seiner Heimat hat Klopotenkos damit Popstar-Status. 870.000 Menschen folgen ihm auf Instagram. Zählt man sämtliche sozialen Kanäle zusammen, erreicht der 39-Jährige Millionen Landsleute – mit Videos, patriotischen Parolen und Rezepten für Krisenzeiten.
Gerichte aus der Klopotenko-Küche: Pesto aus essbaren Bienenlarven
Foto:Sitara Celina Rajh / DER SPIEGEL
Mein Kollege Walter Mayr hat diesen besonderen Spitzenkoch und sein Restaurant in Kyjiw besucht. Ich empfehle Ihnen sein Porträt sehr .
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
EU-Parlament stimmt für Opferschutz
In der gesamten Europäischen Union könnte im Sexualstrafrecht bald der Ansatz »Nur Ja heißt Ja« gelten. Das Europaparlament dringt auf eine EU-weite, einheitliche Definition von Vergewaltigungen: Sexuelle Handlungen ohne klares Einverständnis des Gegenübers sollen nach der Mehrheit der Abgeordneten in Straßburg unter den Straftatbestand der Vergewaltigung fallen. Im deutschen Sexualstrafrecht gilt bisher noch »Nein heißt Nein«. Mehr dazu hier.
Weniger Abholzung
In Brasilien verlangsamt sich die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes: Im ersten Quartal des Jahres wurden 17 Prozent weniger Waldflächen gerodet als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen Satellitenbilder, berichtet unter anderem der Deutschlandfunk . Wie nachhaltig das ist und ob man von einer Trendwende sprechen kann, muss der weitere Jahresverlauf zeigen.
Mehr Bluttests für Babys
Kurz nach der Geburt werden Babys standardmäßig auf bestimmte Krankheiten getestet. Bald wird das Verfahren um vier weitere Untersuchungen ergänzt, etwa darauf, ob den Kindern Vitamin B12 fehlt. Was Eltern dazu wissen sollten.
Neugeborenes bei der Untersuchung
Foto: Hendrik Schmidt / dpa / picture allianceCold Case gelöst?
Ein Podcast hat der Polizei in Louisiana geholfen, den jahrzehntealten Mord an einem 16-jährigen Mädchen offenbar aufzuklären. Wie die Ermittler jüngst bekannt gaben, wurden vier Männer wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und Mord festgenommen und angeklagt. Hier lesen Sie mehr.
Rettung für »Kokain-Hippos«
Drogenboss Pablo Escobar hat sie einst ins Land geschleppt, mittlerweile haben sich seine Nilpferde in Kolumbien in eine eigene kleine Population verwandelt. Jetzt will der indische Milliardärssohn Anant Ambani sie retten und nach Indien übersiedeln, bevor das kolumbianische Umweltministerium, wie angekündigt, 80 von ihnen tötet. Noch ist unklar, ob der Plan aufgeht. Ich drücke den Hippos die Daumen. Mehr dazu hier.
Hier nicht heimisch: Flusspferde im Park des Anwesens Hacienda Nápoles in Kolumbien (2021)
Foto: Fernando Vergara / APEin Stadion für die Frauen
Der englische Verein Brighton & Hove Albion will Fußballgeschichte in Europa schreiben: Er will als erster Fußballclub in Europa seinem Frauenteam ein eigenes Stadion bauen. Das neue Stadion soll eine Mindestkapazität von 10.000 Plätzen haben und auf dem Bennett’s Field entstehen. Direkt neben dem Männerstadion.
Spielerinnen des Frauenfußballclubs Brighton & Hove Albion
Foto: Cat Goryn / Action Images / ReutersEin bisschen Wachstum
Trotz des Irankriegs ist die deutsche Wirtschaft Anfang des Jahres etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Warum auch die Börsenkurse trotz Irankrieg weiter steigen, hat meine Kollegin Katharina Kort die Expertin Katrina Dudley vom billionenschweren Vermögensverwalter Franklin Templeton gefragt. Das Interview finden Sie hier .
Was gut ist – für Sie:
Prävention beim Hobbysport
Wer Sport treibt, tut etwas für seine Gesundheit. Wer es falsch macht, landet oft auf der Behandlungsbank. Zwei Physiotherapeuten und ein Osteopath erzählen, warum sich viele unnötig verletzen – und was man präventiv dagegen tun kann .
Tricks für die Bewerbung
Bewerbungen sind kein Glücksspiel, verspricht meine Kollegin Verena Töpper. Sie hat Recruiter befragt, worauf sie achten, und verrät, was Erfolg versprechender ist, als einfach auf Stellenanzeigen zu antworten .
Sarah Eick / plainpicture
Hilfe beim Hauskauf
Sie träumen von der eigenen Immobilie? Experte Tobias Beuler erklärt, wie Sie Ihr Bauprojekt angehen sollten, mit welchen Summen Sie rechnen müssen und wie Sie verhängnisvolle Fallen umgehen. Das Interview lesen Sie hier .
Keine Kinderkrankheit
»ADHS? Haben mittlerweile gefühlt alle. Zumindest um mich herum«, schreibt meine Kollegin Barbara Vorsamer. Sie hat mit der Ärztin und ADHS-Expertin Astrid Neuy-Lobkowicz darüber gesprochen, wie man ADHS in der zweiten Lebenshälfte erkennt .
Pulpo für den Start
Die erste Zeit war hart, als Sterneköchin Alina Meissner-Bebrout ihr Restaurant in Ulm eröffnete. Dann erfand sie einen Tapas-Abend, bei dem der Pulpo der Star war. Das Rezept hat sie meinen Kollegen Maren Keller und Claudio Rizzello für den SPIEGEL Besser essen-Newsletter verraten.
Pulpo mit Tomaten und Rosmarin aus dem Ofen
Foto: Ulrike Holsten / StockFoodUnd sonst?
... möchte ich Ihnen zum Ende des Newsletters noch zwei Frauen vorstellen. Eine von ihnen dominiert im Sport, die andere hatte einen der wohl wichtigsten Jobs am Set von »Der Teufel trägt Prada 2«.
Es gibt nur wenige Sportarten, in denen Männer und Frauen gegeneinander antreten. Darts ist eine Ausnahme, immer häufiger nehmen hier auch Frauen an Turnieren teil, und diese Woche hat mein Kollege Sven Scharf eine Frau vorgestellt, »vor der die Männer Angst haben sollten«. Das Zitat stammt von ihm. Denn Beau Greaves hat diese Woche nicht nur als erste Frau einen Turniersieg bei den Profis eingefahren, sondern auf dem Weg dahin ganz nebenbei auch Michael Smith, den Darts-Weltmeister von 2023, besiegt. Sein Porträt über die 22-Jährige mit Profipotenzial lesen Sie hier .
Beau Greaves im Dezember 2025 bei ihrem Auftaktmatch der Darts-WM 2026
Foto:Peter Cziborra / Action Images / REUTERS
Und dann ist da noch Kostümdesignerin Molly Rogers, die sich um den wohl größten Star von »Der Teufel trägt Prada 2« gekümmert hat, der diese Woche in den Kinos erschienen ist. Und das ist weder Meryl Streep noch Anne Hathaway, sondern die Mode. Welches Teil aus »Der Teufel trägt Prada« unbedingt wieder mit dabei sein musste und wie man weibliche Macht, das große Thema des Films, modisch inszeniert, das hat sie meiner Kollegin Annina Metz im Interview verraten .
Rogers arbeitete neben Kostümdesignerin Patricia Field bereits an »Der Teufel trägt Prada 1«, der Serie »Sex and the City« sowie an den beiden Filmen mit
Foto:Photoshot / picture alliance
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, genießen Sie die Sonne.
Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihre Nadine Wolter, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL