Machtkampf im Irak Schiitischer Geistlicher Sadr zieht sich aus Politik zurück
Muqtada al-Sadr bei einer Ansprache im August 2022
Foto: Alaa Al-Marjani / REUTERSDer einflussreiche Kleriker Muqtada al-Sadr hat am Montag angekündigt, sich vollständig von der irakischen Politik verabschieden zu wollen. »Ich verkünde hiermit meinen finalen Rückzug«, schrieb Sadr auf Twitter.
Nach Sadrs Angaben erfolgt der Schritt auch aufgrund der verfahrenen politischen Situation im Irak. Dort tobt seit der Parlamentswahl im vergangenen Oktober ein Machtkampf. Sadrs Liste hatte damals die meisten Sitze gewonnen. Der Geistliche bemühte sich darum, eine Regierung zu bilden. Nach einem politischen Deadlock zwischen seiner und der rivalisierenden, schiitischen Partei zog Sadr sich mit seinen Abgeordneten aus dem Parlament zurück.
Im Juli kam es daraufhin zu heftigen Protesten, Anhänger von Sadr stürmten das Parlament und verzögerten damit die Wahl eines neuen Präsidenten und Premierministers weiter. Für den Irak ist es inzwischen die längste Phase ohne amtierende Regierung in der Geschichte des Landes.
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In seinem Tweet kritisierte Sadr nun andere schiitische Führungsfiguren, da sie seine Rufe nach Reformen nicht unterstützt hätten. Zudem kündigte der schiitische Geistliche an, alle seine Institutionen schließen zu wollen, lediglich einige religiöse und kulturelle Stätten wolle er offen halten. Die Rückzugsankündigung löste im Land die Sorge aus, Sadrs Unterstützer könnten ihre Proteste weiter eskalieren lassen und damit zusätzlich die politische Instabilität im Irak befeuern.
Sadr selbst gilt als kontroverse Figur. Nach Saddam Husseins Sturz 2003 bekämpfte seine Mahdi-Armee die US-Truppen. In den vergangenen Jahren gab er sich gemäßigter und trat als Mischung aus Nationalist und Populist auf. Seine Anhänger leben vor allem in den ärmeren Vierteln Bagdads und anderer Städte. Der Wahlsieg 2021 ist wohl auch auf Sadrs Fähigkeit zurückzuführen, sie mobilisieren zu können.