Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Viele Menschen haben offenbar die Stadt verlassen, die Straßen sind wirklich sehr leer.«
Israel am Tag nach dem iranischen Gegenschlag. SPIEGEL-Korrespondent Thore Schröder hat den Angriff vor Ort erlebt.
Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Gestern war die Stimmung eher noch von Erstaunen gekennzeichnet über diese militärischen und geheimdienstlichen Leistungen Israels beim Überraschungsangriff auf Iran. Aber nach dieser Nacht, nach diesen doch schweren Raketenangriffen auf Israel ist das Erstaunen auch einem Schock, einer Anspannung gewichen.«
Seit Freitag hat Iran Dutzende Raketen auf Israel geschossen, als Vergeltungsmaßnahme für einen groß angelegten israelischen Luftangriff.
Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Der Himmel sah dann zwischenzeitlich aus wie in einem Star-Wars-Film, weil die israelische Armee damit beschäftigt war, diese Raketen herunterzuholen. Aber das hat nicht bei allen geklappt, es gab mehrere Einschläge hier in Zentralisrael.«
Linda Grinfeld hat einen dieser Einschläge erlebt – er hat ihre Wohnung getroffen.
Linda Grinfeld, Anwohnerin:
»Wir saßen im Bunker und haben so einen Knall gehört. Es war schrecklich, wir waren sicher, dass die Rakete unser Gebäude getroffen hat. Wir mussten natürlich warten, bis wir rausdürfen, sind dann raus gegangen und haben gesehen, dass die Fenster zerbrochen sind und alles zerstört war.«
Die Sorge ist nun groß, dass der Krieg völlig außer Kontrolle gerät und sich der Nahe Osten noch weiter destabilisiert.
Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Ich war vorhin noch im Erdgeschoss bei meinen Nachbarn. Die sind um die 80 Jahre alt, haben also schon viele Kriege erlebt hier im Land. Aber die sagen, so etwas haben sie noch nie hier erlebt, einen so massiven Beschuss mit solchem Kaliber. Und was sie besonders beunruhigt ist: Wir wissen überhaupt nicht, was das genaue Ziel dieses Krieges ist und wir wissen auch überhaupt nicht, wie lange das alles dauern wird.«