TV-Debatte Vance/Walz zum Nachlesen »Manchmal bin ich ein Schwachkopf«
J.D. Vance und Tim Walz stritten über Abtreibung, Migration und Wahlbetrug – und blieben erstaunlich zivilisiert. Sie zeigten sich sogar selbstkritisch. So lief das Duell der US-Vize-Kandidaten.
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Vier Takeaways der Vizepräsidenten-Debatte – erstaunlich zurückhaltend, das Rennen bleibt eng
In der Nacht haben sich Tim Walz und J.D. Vance zum ersten und einzigen TV-Duell der Vizepräsidentschaftskandidaten in diesem Wahlkampf getroffen. Einen klaren Sieger gab es dabei nicht, aber einige Punkte sind dennoch deutlich geworden:
- Die amerikanische Politik wäre besser, wenn sie wäre wie dieser Abend. Beide Kandidaten begegneten sich mit Respekt, sie unterstellten sich gegenseitig nicht die finstersten Motive und stritten in der Sache. Insofern war die Debatte ein Lichtblick in einem sonst eher abstoßenden Wahlkampf.
- Die Debatte wird den Wahlkampf nicht in die eine oder andere Richtung verschieben (was bei Duellen der Vizepräsidenten ohnehin praktisch nie der Fall ist). Beide Kandidaten haben sich ordentlich präsentiert, ohne Unfälle oder Aussetzer. Das bedeutet, dass das Rennen um die Präsidentschaft weiter extrem eng bleibt.
- In der Sache war am ehesten interessant: Vance hat ohne Wenn und Aber klargemacht, dass das Thema Abtreibung eine Schwäche der Republikaner ist und der Fall des bundesweiten Rechts auf Abtreibung viele Amerikanerinnen und Amerikaner verärgert hat. »Wir müssen besser werden, hier das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.« Aber er blieb dabei, dass die Bundesstaaten über die Frage entscheiden sollten, ob und ab wann Abtreibungen erlaubt werden sollen.
- Am auffälligsten war, wie zurückhaltend Vance in der Debatte war. Trump hat den Senator aus Ohio in sein Team geholt, weil der ähnlich aggressiv und teilweise auch hasserfüllt die Demokraten angegriffen hat wie er selbst. Aber offenkundig ist Vance – zumindest vorläufig – zu der Erkenntnis gekommen, dass dieser ultrapolarisierende Stil viele Wählerinnen und Wähler in der Mitte abschreckt.
Foto: Matt Rourke / AP
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In Hamburg ist die Sonne aufgegangen – damit verabschieden wir uns aus diesem Newsblog. In der Analyse unserer Korrespondenten können Sie die wichtigsten Szenen der Debatte noch einmal nachlesen. Und alle Infos und Updates zur US-Präsidentschaftswahl finden Sie natürlich weiterhin auf SPIEGEL.de.
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Die stärksten Zitate aus der Debatte
J.D. Vance:
- »Ich möchte, dass wir als Republikanische Partei im wahrsten Sinne des Wortes familienfreundlich sind.«
- »Das tut mir leid. Das ist furchtbar.« (auf die Erzählung von Walz, dass sein 17-jähriger Sohn den Einsatz von Waffengewalt miterlebt hat)
- »Wir wollen nicht Migranten die Schuld für höhere Mieten geben, sondern Kamala Harris, dass sie Millionen illegale Einwanderer ins Land gelassen hat, die die Mieten hochtreiben.«
- »Wenn Walz zum Vizepräsidenten gewählt wird, hat er meine Gebete und meine besten Wünsche.« (auf die Frage, ob er die Ergebnisse der Wahl anerkennen wird)
- »Ich bin auf die Zukunft fokussiert.« (auf die Frage von Tim Walz, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe)
Tim Walz:
- »Ich bin manchmal ein Schwachkopf ... Ich habe mich in dieser Sache falsch ausgedrückt.« (über seinen Aufenthalt in Asien zum Zeitpunkt des Tiananmen-Massakers)
- »Das hat Konsequenzen.« (zu Vance' Aussagen über Migranten in Springfield)
- »Manchmal sind es einfach nur die Waffen. Es sind einfach die Waffen.« (als Entgegnung auf Vance, dass die vielen Fälle von Waffengewalt mit der mentalen Gesundheit der Menschen zu tun hätten)
- »Die Worte eines Präsidenten zählen. Die Menschen hören das.« (zu Trumps Einfluss auf den Kapitolsturm am 6. Januar 2021)
- »Das ist eine fatale Nicht-Antwort.« (auf Vance' Ausweichen bei der Frage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe)
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Drei Erkenntnisse aus dem Faktencheck
1. Die Lügen waren weniger wild
Sowohl Vance als auch Walz leisteten sich einige Falschaussagen und Ungenauigkeiten. Im Vergleich zu Trumps eklatanten Lügen beim TV-Duell mit Kamala Harris vor drei Wochen fielen diese jedoch moderat aus. So war Vance sichtlich bemüht, keine Angriffsfläche zu bieten, verzichtete auf abstruse Statements (wie das Recyceln der unbelegten, rassistischen Erzählung, Migranten in Springfield, Ohio, würden Haustiere essen) und wich kritischen Fragen aus.
Walz konterte diese Ausweichmanöver gegen Ende mit dem Vorwurf, Vances Antwort auf seine Nachfrage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe, sei eine »entlarvende Nichtantwort«. Insgesamt agierte Walz im Duell deutlich faktentreuer als sein Konkurrent. Aber auch er ließ gelegentlich Kontextwissen, das seine Argumentation nicht bestätigt, außen vor und propagierte an einer Stelle eine falsche Lesart des »Project 2025« (der rechtskonservativen Agenda der Heritage Foundation für eine zweite Amtszeit Trumps).
Sowohl Vance als auch Walz leisteten sich einige Falschaussagen und Ungenauigkeiten. Im Vergleich zu Trumps eklatanten Lügen beim TV-Duell mit Kamala Harris vor drei Wochen fielen diese jedoch moderat aus. So war Vance sichtlich bemüht, keine Angriffsfläche zu bieten, verzichtete auf abstruse Statements (wie das Recyceln der unbelegten, rassistischen Erzählung, Migranten in Springfield, Ohio, würden Haustiere essen) und wich kritischen Fragen aus.
Walz konterte diese Ausweichmanöver gegen Ende mit dem Vorwurf, Vances Antwort auf seine Nachfrage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe, sei eine »entlarvende Nichtantwort«. Insgesamt agierte Walz im Duell deutlich faktentreuer als sein Konkurrent. Aber auch er ließ gelegentlich Kontextwissen, das seine Argumentation nicht bestätigt, außen vor und propagierte an einer Stelle eine falsche Lesart des »Project 2025« (der rechtskonservativen Agenda der Heritage Foundation für eine zweite Amtszeit Trumps).
2. Die Kandidaten zeigten Nachsicht miteinander
Auch wenn die Kandidaten einander nichts schenkten: Gemessen an den vergangenen Debatten war diese außerordentlich höflich. Das denkwürdige Aufeinandertreffen von Joe Biden und Donald Trump im Juni klang zeitweise wie auf einem Schulhof, beide Kandidaten nannten einander Lügner, Trottel, Verlierer. Heute war der Umgangston freundlicher, obwohl Vance und Walz aufgefordert waren, die Behauptungen des Gegenübers zu überprüfen. Beide zeigten sich stellenweise großmütig im Umgang mit den Fehlern des anderen und teils einsichtig bei eigenen Fehlern. Tim Walz etwa gab zu, sich »versprochen« zu haben, als es um seine Zeit in China ging, Vance setzte nicht nach.
Auch wenn die Kandidaten einander nichts schenkten: Gemessen an den vergangenen Debatten war diese außerordentlich höflich. Das denkwürdige Aufeinandertreffen von Joe Biden und Donald Trump im Juni klang zeitweise wie auf einem Schulhof, beide Kandidaten nannten einander Lügner, Trottel, Verlierer. Heute war der Umgangston freundlicher, obwohl Vance und Walz aufgefordert waren, die Behauptungen des Gegenübers zu überprüfen. Beide zeigten sich stellenweise großmütig im Umgang mit den Fehlern des anderen und teils einsichtig bei eigenen Fehlern. Tim Walz etwa gab zu, sich »versprochen« zu haben, als es um seine Zeit in China ging, Vance setzte nicht nach.
3. Ein Faktencheck der Faktencheck-Regeln ist notwendig
Welche Rolle die Moderatorinnen haben würden, war vor der Debatte umstritten. CBS hatte verkündet, dass die Moderatorinnen sich diesmal auf die Fragen konzentrieren würden, einen Faktencheck sollte es nur online geben.
Als die Moderatorin Margaret Brennan sich dennoch dazu veranlasst sah, Kontext zu Aussagen von Vance nachzuliefern (es ging darum, ob die Migranten in Springfield sich illegal im Land befänden), reagierte der Republikaner ungehalten. »Die Regel war, dass ihr nicht die Fakten checken würdet«, beschwerte er sich prompt und versuchte, seine Aussage zu verteidigen. Schließlich drehte ihm das Moderatorenteam das Mikrofon ab, weil er nicht an der Reihe war. Dies war ihnen laut offiziellem Regelwerk gestattet. Dass Moderatoren keine Fakten überprüfen dürfen, steht in den Regeln hingegen nicht.
Welche Rolle die Moderatorinnen haben würden, war vor der Debatte umstritten. CBS hatte verkündet, dass die Moderatorinnen sich diesmal auf die Fragen konzentrieren würden, einen Faktencheck sollte es nur online geben.
Als die Moderatorin Margaret Brennan sich dennoch dazu veranlasst sah, Kontext zu Aussagen von Vance nachzuliefern (es ging darum, ob die Migranten in Springfield sich illegal im Land befänden), reagierte der Republikaner ungehalten. »Die Regel war, dass ihr nicht die Fakten checken würdet«, beschwerte er sich prompt und versuchte, seine Aussage zu verteidigen. Schließlich drehte ihm das Moderatorenteam das Mikrofon ab, weil er nicht an der Reihe war. Dies war ihnen laut offiziellem Regelwerk gestattet. Dass Moderatoren keine Fakten überprüfen dürfen, steht in den Regeln hingegen nicht.
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CNN: Debatte endet unentschieden
Der US-Sender CNN folgt der Einschätzung unserer Korrespondenten, dass es im Duell Vance vs. Walz keinen klaren Sieger gibt – und liefert dazu auch noch Zahlen aus den sogenannten »Snap Polls«. 49 Prozent der befragten Zuschauer sind demnach der Meinung, dass Tim Walz die Debatte gewonnen hat, 51 Prozent halten J.D. Vance für den Gewinner. So knapp war es in den vergangenen fünf Vize-Debatten nicht. 2020 kam Kamala Harris noch auf 59 Prozent der Stimmen, ihr Konkurrent Mike Pence nur auf 38 Prozent.
Vizepräsidentschaftsdebatten haben ohnehin nur wenig Einfluss auf den Wahlkampf und die Umfragen, wie Datenjournalisten des Online-Portals »538« herausgefunden haben. Das liegt auch daran, dass oft kurz danach ein Duell der Präsidentschaftskandidaten stattfindet und die Effekte überlagert. Eine solche zweite Debatte ist für Kamala Harris und Donald Trump bisher nicht geplant – es bleibt also abzuwarten, ob diesmal Auswirkungen des Duells zu spüren sind.
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Familie von Amber Nicole Thurman bedankt sich bei Walz
Die Diskussion über die Verschärfung des Abtreibungsrechts prägte nicht nur den bisherigen Wahlkampf, sondern auch die Debatte der Vizekandidaten. Tim Walz warf den Republikanern Fehler vor und erinnerte an das Schicksal von Amber Nicole Thurman, dem ersten offiziell bestätigten Opfer der Anti-Abtreibungspolitik (lesen Sie hier mehr über Thurman). Ihre Angehörigen bedanken sich bei ihm für die Unterstützung.
»Heute loben wir Tim Walz dafür, dass er Ambers Geschichte erzählt hat und für sein unerschütterliches Engagement für die Verteidigung der reproduktiven Rechte von Frauen«, schreibt die Familie der jungen Mutter in einem Statement, das ihr Anwalt auf X teilte. »Ambers tragischer Tod war eine direkte Folge von Georgias archaischen und gefährlich restriktiven Abtreibungsgesetzen, die ihr die lebensrettende Behandlung verweigerten, die sie so dringend benötigte.«
Es dürfe nicht passieren, dass die Republikaner den Zugang zu dieser Versorgung weiter einschränken. »Wir werden nicht aufhören, bis diese gefährlichen Gesetze aufgehoben und keine weiteren Menschenleben zu beklagen sind.«
»Heute loben wir Tim Walz dafür, dass er Ambers Geschichte erzählt hat und für sein unerschütterliches Engagement für die Verteidigung der reproduktiven Rechte von Frauen«, schreibt die Familie der jungen Mutter in einem Statement, das ihr Anwalt auf X teilte. »Ambers tragischer Tod war eine direkte Folge von Georgias archaischen und gefährlich restriktiven Abtreibungsgesetzen, die ihr die lebensrettende Behandlung verweigerten, die sie so dringend benötigte.«
Es dürfe nicht passieren, dass die Republikaner den Zugang zu dieser Versorgung weiter einschränken. »Wir werden nicht aufhören, bis diese gefährlichen Gesetze aufgehoben und keine weiteren Menschenleben zu beklagen sind.«
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Reaktionen aus der Politik
Der amtierende Präsident Joe Biden äußert sich auf X zum Ergebnis der Debatte: »Glauben Sie mir, ich weiß, wie ein guter Vizepräsident aussieht«, schreibt er. Die Diskussion habe deutlich gemacht, dass »mein Freund Tim Walz das Zeug dazu hat«.
Kamala Harris ruft auf X dazu auf, für ihre Kampagne mit Walz zu spenden. Ihr Wahlkampf sei »von Menschen angetrieben«, schreibt die demokratische Präsidentschaftskandidatin.
Marjorie Taylor Greene, die für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt und für ihre rechten Positionen bekannt ist, nennt den Auftritt von J.D. Vance »dominierend«. Es sei »ein großer Sieg für Präsident Trump und seine Wahl zum Vizepräsidenten«, schreibt sie auf X. Taylor Greene war nach eigenen Angaben eines der ersten Mitglieder im Kongress, die Vance' Kandidatur für den Senat unterstützt hat: »Heute Abend sieht Amerika, warum ich Recht hatte.«
Der Sohn von Donald Trump, Donald Trump Jr., teilt einen X-Post, in dem von Vance' »totaler Überlegenheit« die Rede ist. Walz sei gezwungen gewesen, zu lügen – der Post bezieht sich auf Walz' Aussage zu seinem Aufenthalt in Hongkong. Keine Lüge könne »Harris' miserable Bilanz ausgleichen«, heißt es weiter.
Der demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Ted Lieu aus Kalifornien hat den für ihn entscheidenden Moment der Debatte identifiziert: nämlich als Vance nicht auf die Walz-Frage antwortet, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe. »Vance hat sich selbst disqualifiziert, weil er die Wahl leugnet. Wer den Willen der Wähler nicht respektieren kann, hat als Vizepräsident nichts zu suchen«, schreibt Lieu auf X. »Vance ist sowieso nur hier, weil Trump seine Anhänger gegen Pence aufgestachelt hat.«
Marjorie Taylor Greene, die für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt und für ihre rechten Positionen bekannt ist, nennt den Auftritt von J.D. Vance »dominierend«. Es sei »ein großer Sieg für Präsident Trump und seine Wahl zum Vizepräsidenten«, schreibt sie auf X. Taylor Greene war nach eigenen Angaben eines der ersten Mitglieder im Kongress, die Vance' Kandidatur für den Senat unterstützt hat: »Heute Abend sieht Amerika, warum ich Recht hatte.«
Der Sohn von Donald Trump, Donald Trump Jr., teilt einen X-Post, in dem von Vance' »totaler Überlegenheit« die Rede ist. Walz sei gezwungen gewesen, zu lügen – der Post bezieht sich auf Walz' Aussage zu seinem Aufenthalt in Hongkong. Keine Lüge könne »Harris' miserable Bilanz ausgleichen«, heißt es weiter.
Der demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Ted Lieu aus Kalifornien hat den für ihn entscheidenden Moment der Debatte identifiziert: nämlich als Vance nicht auf die Walz-Frage antwortet, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe. »Vance hat sich selbst disqualifiziert, weil er die Wahl leugnet. Wer den Willen der Wähler nicht respektieren kann, hat als Vizepräsident nichts zu suchen«, schreibt Lieu auf X. »Vance ist sowieso nur hier, weil Trump seine Anhänger gegen Pence aufgestachelt hat.«
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Fotos vom TV-Duell
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Erstes Fazit: Ein Unentschieden
Wer hier die große Schlammschlacht wie zwischen Donald Trump und Kamala Harris erwartet hat, dürfte enttäuscht worden sein. Für amerikanische Verhältnisse war dies eine äußerst zivilisierte Debatte, beide Kontrahenten mühten sich, seriös zu wirken, ernsthaft.
- J.D. Vance war eloquent, sehr glatt und geschliffen, er konnte seinen Hauptpunkt setzen: Kamala Harris steht für die alte Biden-Regierung, sie hat wenig zustande gebracht.
- Tim Walz hat seine Sache aber auch gut gemacht. Immer wieder erinnerte er an das Chaos während Donald Trumps erster Amtszeit und warnte vor einem Comeback des Ex-Präsidenten.
Wird die Debatte am Ausgang der Wahl etwas ändern? Wohl kaum, diese Debatte war ein Unentschieden. Nur wenn einer der Kandidaten völlig eingebrochen wäre, hätte dies vielleicht die Stimmung bei einigen Wählerinnen und Wählern verändert.
Foto: Matt Rourke / AP
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Mein Fazit kurz: schön zivilisiert, schön sachlich, aber auch ein ganz klein bisschen langweilig. Vielleicht deshalb?
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Abschlussstatement von J.D. Vance
J.D. Vance sagt in seinem abschließenden Statement, er habe das Thema Energie vermisst, das ihn auch in seiner Kindheit begleitet habe. Er geht aber auch auf mehrere Themen ein, die in der Debatte besprochen wurden: Immobilienpreise, Armut und die Opioidkrise. Vance wünsche sich für alle Amerikaner, ein Haus kaufen zu können und genug Essen zu haben. Die Politik von Kamala Harris habe diese Probleme verschlimmert, Donald Trump könne sie verbessern. »Ich bin so stolz, das hier zu machen«, sagt Vance – und fordert die Zuschauer auf, für Trump und ihn zu stimmen.
Foto: Angela Weiss/AFP
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Abschlussstatement von Tim Walz
Tim Walz bedankt sich in seinem Abschlussstatement zuerst bei allen, die zugeschaut haben – und dafür auf die Übertragung von »Dancing with the Stars«, der US-amerikanischen Version von »Let's Dance«, verzichten mussten. Er spricht über die wirtschaftlichen Chancen unter einer demokratischen Regierung und die »Politik der Freude«, die Kamala Harris mit sich bringe. Ihre Kampagne habe den Amerikanern ein »Gefühl des Optimismus« zurückgegeben. Trump hingegen würde vielen Amerikanern Angst einjagen. »Ich bitte Sie demütig um Ihre Stimme«, sagt Walz zum Schluss.
Foto: Matt Rourke / AP
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Faktencheck Inflation: Vance behauptet, Harris habe dafür gesorgt, dass die Kosten für Lebensmittel um 25 Prozent anzogen, die Kosten für Wohnraum um etwa 60 Prozent. Die genannten Zahlen sind übertrieben. De facto sind die Lebensmittelpreise seit dem Amtsantritt von Biden/Harris um 22 Prozent gestiegen, die Immobilienpreise um 38 Prozent.
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Die Kandidaten kommen jetzt auf die Inflation zu sprechen, ein schwieriges Thema für die Demokraten. In den vergangenen Jahren sind die Preise in den USA wie in vielen anderen Ländern gestiegen. Das hat vor allem mit der Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine zu tun, die Wähler und Wählerinnen verknüpfen das Problem aber trotzdem mit der Regierung von Joe Biden.
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Spannend ist, wie die Debatte von anderen US-amerikanischen Medien aufgegriffen wird. Der konservative Sender Fox News etwa postet in seinem Liveblog viele Memes, die gegen Walz austeilen oder behaupten, die Moderatorinnen würden mit ihm sympathisieren. Donald Trump bezeichnete Fox News einmal als seinen »Lieblingssender«.
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Faktencheck Demokratie: Vance verharmlost die Geschehnisse rund um den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. So behauptet er, dass er und Trump (damals) lediglich die Probleme bei der letzten Wahl »friedlich« adressieren wollten. Vance distanziert sich auch nicht von der Mär von der gestohlenen Wahl. Dabei ist klar: Dass es 2020 Wahlbetrug in erheblichem Umfang gegeben habe, ist widerlegt. In zahlreichen unabhängigen Studien, staatlichen Untersuchungen und richterlichen Überprüfungen wurden die von Trump und seinen Verbündeten vorgebrachten Vorwürfe penibel untersucht und zurückgewiesen.
Nach einer Berechnung der Nachrichtenagentur Associated Press lagen gerade einmal 475 mögliche Fälle von Wahlbetrug in sechs umkämpften Bundesstaaten vor. Eine Zahl, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätte – und weitaus niedriger liegt als die von Trump und seinen Unterstützern wiederholt angeführten Hunderttausenden von angeblich falsch gezählten oder manipulierten Stimmen.
Nach einer Berechnung der Nachrichtenagentur Associated Press lagen gerade einmal 475 mögliche Fälle von Wahlbetrug in sechs umkämpften Bundesstaaten vor. Eine Zahl, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätte – und weitaus niedriger liegt als die von Trump und seinen Unterstützern wiederholt angeführten Hunderttausenden von angeblich falsch gezählten oder manipulierten Stimmen.
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Hat Trump die Wahl 2020 verloren? Vance windet sich
Als es um die Niederlage von Donald Trump bei der Wahl 2020 und die Erstürmung des US-Kapitols durch dessen Anhänger am 6. Januar 2021 geht, wird die Debatte hitzig. J.D. Vance beschuldigt die Demokraten, in der Vergangenheit auch oft die Legitimität von Wahlen angezweifelt zu haben, etwa durch Hillary Clinton 2016, als womöglich Russland über Facebook die Wahl beeinflusst hatte.
Tim Walz weist das entschieden zurück: Der Sturm auf ein Parlament, das gerade eine Wahl zertifiziert, sei nicht mit Facebook zu vergleichen. Er verweist darauf, dass der damalige Trump-Vize Mike Pence die Sitzung leitete. »Das ist doch der Grund, warum nicht Pence hier neben mir steht!«, sagt Walz. Und spricht dann Vance direkt an: »Hat Donald Trump 2020 die Wahl verloren?« Vance windet sich, will das nicht zugeben. Er sei »auf die Zukunft fokussiert«. Walz guckt entgeistert in die Kamera und kontert dann: Das sei eine Nicht-Antwort.
Tim Walz weist das entschieden zurück: Der Sturm auf ein Parlament, das gerade eine Wahl zertifiziert, sei nicht mit Facebook zu vergleichen. Er verweist darauf, dass der damalige Trump-Vize Mike Pence die Sitzung leitete. »Das ist doch der Grund, warum nicht Pence hier neben mir steht!«, sagt Walz. Und spricht dann Vance direkt an: »Hat Donald Trump 2020 die Wahl verloren?« Vance windet sich, will das nicht zugeben. Er sei »auf die Zukunft fokussiert«. Walz guckt entgeistert in die Kamera und kontert dann: Das sei eine Nicht-Antwort.
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Wieder Applaus für Walz im Press Club in Washington, als dieser Vance für dessen ausweichenden Nicht-Antworten zum 6. Januar rügt. Walz kommt hier besonders gut an, wenn er Vance von der Seite »anpiekst«.
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Dann geht es um die Anerkennung von Wahlen. Walz äußert sich besorgt über Trumps Plan, politische Gegner inhaftieren zu wollen. Dies lege den Grundstein für Zweifel am Ausgang der Wahl. »Die Worte eines Präsidenten zählen. Die Menschen hören das«, sagt er und appelliert: »Wenn das vorbei ist, müssen wir uns die Hände reichen, und der Gewinner muss der Gewinner sein. Das muss aufhören. Es reißt unser Land auseinander.« Vance gibt sich zunächst zivilisiert: Wenn Walz zum Vizepräsidenten gewählt werde, »hat er meine Gebete und meine besten Wünsche«.
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Faktencheck Gesundheit: Vance sagt, Trump hätte Obamas Gesundheitsreform zerstören können, habe sich aber stattdessen parteiübergreifend für eine erschwingliche Gesundheitsversorgung eingesetzt. Das ist falsch: Trump hat gemeinsam mit den Republikanern im US-Kongress immer wieder versucht, die Gesundheitsreform zurückzunehmen. Ein Versuch scheiterte in letzter Minute nur, weil Trumps innerparteilicher Gegner John McCain mit seiner Fraktion brach. Trump hat Fördermittel für das Versicherungsprogramm gestrichen und wichtige Elemente vor dem Obersten Gericht angefochten. Unter seiner Präsidentschaft stieg die Anzahl der Unversicherten um 2,3 Millionen an, wie PolitiFact verdeutlicht.
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Jedes Mal, wenn das Wort »Familie« fällt, strahlt Vance. Gehört das auch zur Wir-werden-sympathischer-Strategie? Familie ist ja für ihn eine durchaus durchwachsene Erfahrung.
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Beim Thema Gesundheit lobt Vance Donald Trumps Politik. Dieser habe in seiner ersten Amtszeit Obamacare »gerettet«. Walz entgegnet, dass unter der Regierung Biden Harris mehr Menschen in den USA krankenversichert seien als je zuvor.
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Jetzt bekommt Tim Walz ein gutes Thema: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlte Elternzeit. In den USA gibt es dazu keine bundeseinheitliche Regelung, die Demokraten wollen beides gesetzlich regeln. Das ist populär. J.D. Vance hat darauf keine echte Antwort, die Republikaner möchten dafür bisher kein Geld ausgeben oder den Unternehmen Vorschriften machen. Einen klaren Plan dazu gibt es bei Trump nicht. Es soll für Familien allenfalls Steuererleichterungen geben.
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Faktencheck Drogenpolitik: Vance behauptet, dass unter Kamala Harris Rekordmengen an Fentanyl ins Land gekommen seien. Diese Aussage ist aus dem Kontext gerissen. Zwar wurden unter Bidens Regierung Rekordmengen an illegal in die USA eingeführtem Fentanyl sichergestellt. Die Opioid-Epidemie begann jedoch in den Neunzigerjahren; synthetische Opioide wie Fentanyl überschwemmten bereits ab Anfang der Zehnerjahre den Markt. Die Fentanyl-Krise begann somit bereits Jahre vor Bidens Amtszeit und die zahlreichen Todesfälle durch Überdosierung sind laut Experten nicht kausal Bidens Grenzpolitik zuzuordnen, wie PolitiFact herausarbeitet.
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Über die Themen Gesundheitspolitik und Migration kommen die Kandidaten auf die Opioidkrise in den USA zu sprechen.
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