Nagasaki gedenkt der Opfer der Atombombe: Um 11.02 Uhr wird es still - DER SPIEGEL
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80 Jahre nach US-Angriff Um 11.02 Uhr wird es still – Nagasaki gedenkt der Opfer der Atombombe

Vertreter von 100 Ländern und Regionen haben in Nagasaki an das Leid durch Atomwaffen erinnert. Der Bürgermeister der Stadt rief die Welt auf, aus der Geschichte zu lernen und Kriege sofort zu beenden.
Gedenken an die Opfer im Friedenspark von Nagasaki
Gedenken an die Opfer im Friedenspark von Nagasaki

Gedenken an die Opfer im Friedenspark von Nagasaki

Foto:

Issei Kato / REUTERS

In Nagasaki haben die Menschen des Atombombenabwurfs auf die japanische Stadt durch die USA vor 80 Jahren gedacht. Um 11.02 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als am 9. August 1945 die von einem US-Bomber abgeworfene Atombombe »Fat Man« über Nagasaki explodierte, legten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung eine Schweigeminute ein. Zur Andacht läuteten auch erstmals seit 1945 die zwei Glocken der dortigen Kathedrale gemeinsam.

Gedenkzeremonie im Friedenspark

Gedenkzeremonie im Friedenspark

Foto: Kotaro Ueda / Kyodo News / AP

Nach der Schweigeminute rief Nagasakis Bürgermeister Shiro Suzuki die Weltgemeinschaft auf, bewaffnete Konflikte sofort zu beenden. Suzuki warnte eindringlich vor der wachsenden Gefahr eines Atomkriegs. »Diese existenzielle Krise der Menschheit ist für jeden Einzelnen von uns auf der Erde unmittelbar geworden«, sagte er in seiner Friedenserklärung. Er rief die Welt dazu auf, aus der Geschichte zu lernen und sicherzustellen, dass Nagasaki die letzte Stadt bleibt, die ein atomares Inferno erleiden musste.

Gedenken im Regen

Gedenken im Regen

Foto: Eugene Hoshiko / AP / dpa

An der Gedenkzeremonie nahmen nach Angaben der Stadtverwaltung in diesem Jahr Vertreter von 100 Ländern und Regionen teil, darunter auch Russland.

Allein in Nagasaki wurden damals etwa 70.000 Menschen durch direkte Einwirkung getötet, 75.000 weitere verletzt. Drei Tage zuvor – am Morgen des 6. August 1945, um 8.15 Uhr – hatten die USA bereits Hiroshima durch eine Uranbombe mit geringerer Sprengkraft verwüstet. Unmittelbar danach und in den ersten Monaten nach dem Angriff starben etwa 140.000 Menschen. Eine historische Einordnung der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki lesen Sie hier .

Sumiteru Taniguchi überlebte den Atombombenabwurf auf Nagasaki schwer verletzt. Danach kämpfte er bis zu seinem Tod 2017 gegen nukleare Waffen

Sumiteru Taniguchi überlebte den Atombombenabwurf auf Nagasaki schwer verletzt. Danach kämpfte er bis zu seinem Tod 2017 gegen nukleare Waffen

Foto: Eugene Hoshiko / AP

Die Bombe auf Nagasaki verfehlte ihr eigentliches Ziel, die Mitsubishi-Werke, um gut zwei Kilometer. Stattdessen detonierte sie nur etwa 500 Meter von der Urakami-Kathedrale entfernt. Das römisch-katholische Gotteshaus aus rotem Backstein mit seinen beiden Glockentürmen wurde damals durch die gewaltige Explosion fast vollständig zerstört.

1959 wurde die Kathedrale wieder aufgebaut. Allerdings konnte nur eine der beiden Glocken aus den Trümmern geborgen werden, der nördliche Glockenturm blieb seitdem leer. Der Bau einer zweiten Glocke wurde schließlich durch Spendengelder von US-Katholiken finanziert.

Andacht in der Urakami-Kathedrale in Nagasaki

Andacht in der Urakami-Kathedrale in Nagasaki

Foto: Issei Kato / REUTERS

Die Initiative dazu ging auf den US-Professor James Nolan zurück, dessen Großvater am »Manhattan-Projekt« zum Bau von Atomwaffen beteiligt war. Während seiner Forschungen in Nagasaki habe ihm ein japanischer Christ gesagt, dass er gern einmal in seinem Leben die beiden Glocken der Kathedrale gemeinsam läuten hören würde.

Es gehe nicht darum, »die Wunden der Vergangenheit zu vergessen, sondern sie anzuerkennen und Maßnahmen zu ergreifen, um sie zu heilen und wiederaufzubauen, und dabei gemeinsam für den Frieden zu arbeiten«, sagte der Priester der Kathedrale, Kenichi Yamamura, der Nachrichtenagentur AFP. Die Glockenspiele seien daher auch als Botschaft an die Welt zu verstehen.

löw/dpa/AFP