Khalida Popal: Sie hatte nur einen Laptop und ein Telefon - und rettete damit Hunderte Menschen - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Lena Greiner

meinung •Alles Gute vom SPIEGEL Sie hatte nur einen Laptop und ein Telefon – und rettete damit Hunderte Menschen

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Schon als Kind war Khalida Popal ungewöhnlich. 1987 in eine liberale, nichtreligiöse Familie in Kabul hineingeboren, verliebte sie sich als Mädchen in den Fußball, gründete mit 20 Jahren die afghanische Nationalelf, arbeitete als Finanzchefin im afghanischen Fußballverband und wurde so für Frauen zum Idol, für viele Männer in ihrer Heimat aber zum Feindbild. Zu einer Frau, die nicht leben sollte. Nachdem man sie offenbar ermorden wollte, floh sie 2011 aus Afghanistan, landete schließlich in Dänemark.

Von dort aus verfolgte sie im August 2021, wie die Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernahmen und das Land ins Chaos stürzten. Eine junge Fußballerin rief sie an, flüsterte: »Wenn die Taliban an meine Tür klopfen, werde ich mir in den Kopf schießen.« Immer mehr verzweifelte Nachrichten erreichten Popal. In den Augen der Islamisten haben Frauen im Sport keinen Platz. Sie sollen kochen, putzen, Kinder bekommen und schweigen. So schreibt es mein Kollege Matthias Fiedler in seiner Reportage über Popal.

SPIEGEL-Redakteur Matthias Fiedler mit Khalida Popal: »Sie hat einen unbändigen Willen«

SPIEGEL-Redakteur Matthias Fiedler mit Khalida Popal: »Sie hat einen unbändigen Willen«

Foto: Privat

In jenen Stunden und Tagen im August 2021 plagten Popal in ihrem Kopenhagener Apartment Schuldgefühle: Schließlich hatte sie die Frauen für den Fußball begeistert und dadurch in Gefahr gebracht. Und dann nahm sie ihren Laptop und ihr Telefon und schrieb mit zitternden Händen E-Mails an jeden in der Sportwelt, den sie kannte, bis sie erschöpft mit dem Kopf auf dem Schreibtisch einschlief.

Während die Taliban bereits von Tür zu Tür gingen und nach den Namen der Fußballspielerinnen fragten, formte Khalida Popal eine Allianz aus Anwältinnen, Menschenrechtlern und Sportfunktionärinnen mit Kontakten zu amerikanischen Militärs – und startete eine beinahe unmögliche Rettungsaktion: Sie führte das afghanische Nationalteam der Frauen sowie viele Jugendfußballerinnen samt ihren Familien, insgesamt mehrere Hundert Menschen, über geheime Routen, vorbei an bewaffneten Checkpoints der Islamisten, in die Freiheit.

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Darüber hat die 37-Jährige nun ein Buch geschrieben, »Meine wundervollen Schwestern«. Mein Kollege Matthias Fiedler hat Popal getroffen. »Wie so viele kannte ich nur die Geschichte über die Nationalmannschaft, die sie gerettet hat, und wusste nicht, dass Popal auch Hunderte afghanische Jugendspielerinnen inklusive deren Familien außer Landes bringen konnte, sogar mithilfe von Kim Kardashian, die deren Charterflug nach London gezahlt hat. Khalida Popal zeigt, was man erreichen kann, wenn man sich reinhängt und einfach macht«, sagt Matthias, »sie hat ein unfassbares Organisationstalent, Beharrlichkeit und einen unbändigen Willen.«

Wie sich Popal weiterhin für Fußballerinnen einsetzt und wie ihr atemloser Alltag im Exil aussieht, beschreibt Matthias in seiner Reportage, die Sie hier lesen können. 

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Gesundheitsvorsorge: Immer weniger Menschen sterben an Darmkrebs
Seit 2003 ist die Zahl der tödlichen Darmkrebsfälle in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um 17 Prozent gesunken. Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, weil die Zahl der Krebstoten im selben Zeitraum insgesamt um zehn Prozent zugenommen hat. Der Rückgang der Todesfälle beim Darmkrebs liegt laut Experten vor allem an besserer Vorsorge, insbesondere durch Darmspiegelungen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Greenwashing-Vorwurf: Gericht untersagt Lufthansa bestimmte CO₂-Aussagen in Werbung
Flugscham kennen viele, die – sei es zum persönlichen Vergnügen oder aus beruflichen Gründen – häufiger in ein Flugzeug steigen. Einige erleichtern ihr Gewissen, indem sie bei der Buchung einen Beitrag zu Klimaschutzprojekten leisten. Diesen Ablasshandel muss die Lufthansa jedoch künftig anders vermarkten. Das Landgericht Köln hat einer Klage der Deutschen Umwelthilfe vollumfänglich stattgegeben, wonach die Fluggesellschaft nicht mehr mit dieser Aussage werben darf: »CO₂-Emissionen ausgleichen durch einen Beitrag zu Klimaschutzprojekten.« Für Flugreisende entstehe dadurch der falsche Eindruck, sie würden klimaneutral fliegen, so der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Auf dem Zentralmarkt von Buenos Aires werden täglich Tausende Kilo Essen aus dem Müll gerettet
In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, auf einem der größten Märkte in Südamerika, wird ein Drittel aller Frischwaren des Landes für Geschäfte und Restaurants gelagert. Vieles davon wird weggeworfen, weil es als unverkäuflich gilt, obwohl es noch genießbar ist. Vor einigen Jahren starteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Programm, um etwas gegen diese Verschwendung und die wachsende soziale Not zu tun. Jeden Tag retten sie um die 2.500 Kilogramm essbare Produkte aus den Müllcontainern und sortieren sie in Tüten, die an Bedürftige und Gemeindeküchen verteilt werden. Andere Gemeinden haben das Konzept bereits übernommen. Die »Deutsche Welle« hat darüber einen Beitrag  gedreht.

Der Zentralmarkt von Buenos Aires: Etwas tun gegen die Verschwendung

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Foto: Ronaldo Schemidt / AFP

Hunde in der Bahn: Petition für günstigere Vierbeiner-Tickets
Im Fernverkehr der Deutschen Bahn kostet eine Hundefahrkarte die Hälfte des Normalpreises. Die Berlinerin Lisa Ströhlein mit Schäferhundmischling Pepper und ein paar ihrer Freunde wollen das ändern – und haben eine Petition ins Leben gerufen . Andere Länder zeigten, wie es besser ginge, heißt es darin, während in Deutschland Hundebesitzer »faktisch von bezahlbaren, klimafreundlichen öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeschlossen« würden.

Klimaschutz: In Mannheim entsteht aus Abfällen die Energie der Zukunft
Auf dem Gelände einer Mannheimer Kläranlage wurde in dieser Woche eine Anlage zur Produktion von E-Methanol vorgestellt. Aus dem Biogas, das bisher schon aus dem Klärschlamm gewonnen wird, soll ein klimaneutraler Treibstoff für Schiffe erzeugt werden. Die Betreiber der Anlage sprechen von einer Weltneuheit für die nachhaltige Schifffahrt, wie der SWR berichtet .

Was gut ist – für Sie:

Wie Neid Ihre Karriere auch voranbringen kann
Die Kollegin wird befördert, der Kollege verdient mehr: Am Arbeitsplatz gibt es regelmäßig genug Grund für Neid und Missgunst. Doch diese Gefühle gehören nicht nur verdammt, sondern können sogar hilfreich sein – wenn man sie in die richtigen Bahnen lenkt. Wie das geht, können Sie hier nachlesen .

Oh, wie schön ist Ostdeutschland: Elf Campingtipps
Fernreisen mit kleinen Kindern können anstrengend sein. Deshalb packen Laura Kaiser und ihr Lebensgefährte ihren Fiat Ducato voll und fahren los – nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dabei haben sie recherchiert, »auf welchem Platz man den Fischbrötchenkutter quasi vor der Nase hat, wo man nachts die meisten Sterne sehen und wo man direkt am Wohnmobil auf die Langlaufski steigen kann«. Ein paar ihrer Tipps erfahren Sie hier .

Das Harz Mountain Camp am Schierker Stern ist der höchstgelegene Campingplatz im Harz

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Foto:

Christoph Schaarschmidt

Wohlfühlen im Fitnessstudio: Was gegen #Gymtimidation oder #GymAnxiety hilft
Ich weiß noch genau, was ich dachte, als ich mich vor zwölf Jahren in einem großen Hamburger Fitnessstudio anmeldete: Ich brauche nicht nur mehr Muskeln, sondern auch neue Sportklamotten. Alle anderen im Kurs schienen fitter und auch viel besser gekleidet zu sein. Was gegen solche einschüchternden und völlig unnötigen Gedanken hilft, lesen Sie hier .

You are the dancing queen, young and sweet, only seventeeeeeeeen: Was Singen alles bewirken kann
Die Laune verbessert sich, Schmerzen werden weniger, Stress und Ängste abgebaut, das Gehirn jung gehalten, das Blut mit mehr Sauerstoff versorgt, die Lunge gekräftigt, offenbar auch die Abwehrkräfte gestärkt: Egal ob im Auto, im Chor, im Wohnzimmer, unter der Dusche, auf dem Fahrrad, im Klub, auf der Party – singen Sie. Singen Sie !

Singen ist gut für Sie: Ob im Auto, im Wohnzimmer oder im Chor

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Foto: Alys Tomlinson / Stone / Getty Images

Und sonst?

Es ist Wochenende, endlich Zeit für … Streit mit den Grundschul- oder Teenagerkindern um Medienzeiten, Computerspiele, geknackte TV-Passwörter? Muss nicht sein, sagt der Lehrer und Bildungs-TikToker Niko Kappe. Von Verboten hält er gar nichts. Statt Social Media, KI und Smartphones zu verteufeln, sollten wir seiner Meinung nach Kindern und Jugendlichen lieber helfen, die Welt von heute zu verstehen. Und ihnen Kompetenzen für die Welt von morgen vermitteln.

Welche Fähigkeiten sind das? Welche Regeln helfen beim immer digitaleren Familienalltag? Und wie verhindern Eltern, selbst den Anschluss zu verlieren? Darüber spricht Kappe mit meinem Kollegen Lenne Kaffka in dieser Ausgabe des SPIEGEL-Podcasts »Smarter leben«.

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Foto: PeopleImages / iStockphoto / Getty Images

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Herzliche Grüße

Ihre Lena Greiner, Geschäftsführende Redakteurin in der Entwicklungsredaktion

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.