Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Das kolumbianische Wunder – wie vier Kinder 40 Tage im Dschungel überleben konnten
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»Sie sind ein Beispiel für das Überleben, das in die Geschichte eingehen wird«, so beschrieb Kolumbiens Präsident Gustavo Petro die unglaubliche, an ein, nein, an vier Wunder grenzende Geschichte der vier Geschwister, die nach einem Flugzeugabsturz 40 Tage allein im kolumbianischen Dschungel überlebt hatten. Sie wurden vor einer Woche gefunden, leicht verletzt, mangelernährt, völlig erschöpft, aber außer Lebensgefahr: Lesly, 13, Soleiny, 9, Tien 4, und Cristin, die im Dschungel ihren ersten Geburtstag erlebt hat.
Wie haben die Kinder fast sechs Wochen in dieser gefährlichen Umgebung überstanden, in der es bis zu 16 Stunden am Tag regnen soll, es oft stockdunkel ist, in der es giftige Pflanzen gibt und wo Schlangen, Jaguare und Pumas umherstreifen? Und das, nachdem sie ihre Mutter verloren haben, die erst einige Tage nach dem Absturz gestorben sein soll.
Sie sind Indigene, sie fänden sich im Wald zurecht, hatte General Pedro Sánchez, der Kommandant des Suchtrupps, seine Hoffnung begründet, die nach mehr als einem Monat schon viele aufgegeben hatten. Fátima Valencia, die Großmutter der Kinder, vertraute vor allem auf die älteste Schwester. »Sie war immer wie die Mutter, sie hat die anderen mit in den Wald genommen«, sagte sie gegenüber einem Radiosender. »Sie kennt die Pflanzen und Früchte. Wir Indigene lernen von klein auf, welche man essen kann und welche nicht.« Auf der Suche nach den Kindern hatten die Soldaten Schuhe, Windeln, Haargummis, eine lilafarbene Schere, eine Babyflasche, eine aus Blättern und Ästen gebaute Notunterkunft sowie halb verzehrte Früchte entdeckt. Auch anhand der abgeworfenen Überlebenspakete konnten sie die Spuren der Geschwister nachverfolgen, da die Kinder einige Pakete gefunden und die Rationen gegessen hatten.
Soldaten und Indigene versorgen und füttern die Kinder, nachdem sie diese nach 40 Tagen im kolumbianischen Dschungel gefunden haben
Foto: Colombia's Armed Force Press Office / APDer Fall erinnert an das Schicksal der Deutsch-Peruanerin Juliane Diller, die 1971 mit 17 Jahren als einzige von 92 Menschen einen Flugzeugabsturz über dem Amazonas überlebte. Das Flugzeug war in der Luft auseinandergebrochen und aus 3000 Meter Höhe in den Urwald gestürzt. Diller, heute 68, fand nach ihrem Absturz nur eine Tüte Bonbons und ernährte sich von sonst nichts außer Wasser, sieht aber einige Parallelen zu den nun geretteten Kindern: »Sie hatten einen großen Vorteil, den ich damals auch hatte: Wir kannten und kennen den Urwald.« Ihre Eltern hatten als international bekannte Zoologen mehr als 20 Jahre in Peru gelebt und geforscht.
Das Wichtigste sei es gewesen, die Gefahren einschätzen zu können, »zu wissen, wo man aufpassen muss, auf was man achten muss. Auf Schlangen, auf Spinnen auf der Erde und im Wald, am Wasser auf Kaimane und Stachelrochen und Ähnliches«. Auch die Kinder, so erklärt Diller, hätten sicher wie sie die Geräusche, die »Stimmen des Waldes« identifiziert: »Dadurch befanden sie sich in einem Lebensraum, den sie kannten und in dem sie überleben konnten.«
In seinem Text über die Ähnlichkeiten der beiden Unglücke schreibt Stephan Kroener: Von ihrem Vater hatte Diller gelernt, sie solle, falls sie sich einmal im Dschungel verlaufen sollte, immer dem Lauf eines Fließgewässers folgen, um so früher oder später bewohnte Siedlungen zu finden. Auch die Kinder des Cessna-Unglücks hielten sich daran und blieben in Flussnähe. Diller half damals diese Regel, um nach elf Tagen, in denen sie verletzt und mit nur noch einer Sandale unterwegs war, auf Menschen zu stoßen. Sie bewundere das Durchhaltevermögen der Kinder, sagte Diller zu Kroener. Und: »Ich glaube, das ist für viele Menschen ein Beispiel, dass man wirklich an seine eigenen Kräfte glauben soll, dass man herauskommt aus Situationen, die man am Anfang meint, nicht bewältigen zu können.«
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
OECD-Studie: Kinder aus zugewanderten Familien haben sich schulisch verbessert
Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, bei schulischen Leistungen von Kindern aus migrantischen Familien gebe es einen Abwärtstrend. Dabei ist das Gegenteil Fall, zeigt eine neue Studie.
Sonnencreme für alle: Niederlande stellen kostenlose Spender auf
Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt, vor allem bedingt durch zu viel Sonne. Die Niederlande hatten nun eine geniale Idee: An Hunderten Orten sollen Menschen kostenlos Sonnencreme erhalten können, darunter Schulen, Sportvereine und Gemeinden. Eine Hautärztin war auf die Idee gekommen, die während der Coronapandemie aufgestellten Spender für Desinfektionsmittel nun dafür zu nutzen. Apropos: Welche Sonnencreme für wen die richtige ist, wie man sie am besten aufträgt und was bei Kindern zu beachten ist, hat zudem meine Kollegin Katherine Rydlink die Kosmetikwissenschaftlerin Meike Strecker gefragt. Hier geht’s zum Interview .
Zwei Jungen an einem Sonnencreme-Spender in Valkenburg, Niederlande
Foto: Michel Porro / Getty ImagesDie Inflation lässt nach, Prognosen erwarten Erleichterung fürs kommende Jahr
Es ist der stärkste Rückgang seit Juli 2020: Die Preise im deutschen Großhandel sind im Mai wegen günstigerer Energie zum zweiten Mal in Folge gefallen. Damit könnte auch die Inflation in Deutschland weiter nachlassen. Bislang sind vor allem die Preise etwa für Benzin, Getreide und Futtermittel gesunken, für Obst und Gemüse stiegen sie jedoch weiterhin an. Viele Ökonomen halten den Höhepunkt bei der Inflation inzwischen für überschritten, für 2024 sei eine Inflationsrate von weniger als 2,5 Prozent zu erwarten. Im Mai lag sie mit 6,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr.
Mietpreisbremse und stärkerer Schutz vor Kündigungen: Wohnen soll Grundrecht werden
Zu hohe Mieten, zu wenig Wohnraum: In einem Papier fordern grüne Bundestagsabgeordnete und die grünen Justizministerinnen und -minister der Länder grundlegende Reformen im Mietrecht. Darunter: eine Verlängerung der Mietpreisbremse sowie weniger Indexmietverträge. Was noch gefordert wird, lesen Sie hier.
Ackerbau von morgen: Was der »Landwirt 2022« anders macht
Benedikt Bösel gab seine Karriere als Investmentbanker auf und übernahm den Hof seiner Eltern in Brandenburg. Dort will der 38-Jährige nun Ackerboden reparieren, die Landwirtschaft von morgen entwerfen und ein ganzes Versorgungssystem umstürzen. Wie das gehen soll, hat er meiner Kollegin Regina Steffens im aktuellen Podcast »Klimabericht« erzählt.
Landwirt Benedikt Bösel in seinen Feldern in Brandenburg: Wie »pflanzt« er Wasser?
Foto:Megaherz / Disney+
Impfstoff gegen Viruskrankheit
Vom Chikungunya-Virus haben Sie vielleicht noch nie gehört, von der Asiatischen Tigermücke vermutlich schon. Diese Mücke kann das Virus übertragen, das insbesondere in Regionen Afrikas, Asiens und Südamerika vorkommt und bei Menschen zu Fieber und Gelenkschmerzen führt. Nun steht ein erster Impfstoff gegen die Erkrankung vor der Zulassung, eine Studie zeigte eine hohe Wirksamkeit.
Kokain, Heroin, Ecstasy: Lauterbach will bundesweit kostenloses Drug-Checking einführen
In Berlin können Süchtige und Konsumenten ihre Drogen bereits auf die Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will das auch andernorts ermöglichen. »Drug-Checking hilft, Drogentote zu vermeiden und den Konsum zurückzudrängen. Das zeigen internationale Vorbilder«, sagte er dem SPIEGEL.
Was gut ist – für Sie:
Kein Streit mehr wegen Kohle – wie man in Beziehungen entspannter mit Geld umgeht
Wer zahlt, was und wie oft? Über Geld offen sprechen, ja oder nein? Prassen oder Sparen? Wie wir mit Geld umgehen, lernen wir in unserem Elternhaus. Später in Beziehungen wird es dann noch mal spannend: Wie gut passen die Vorstellungen zusammen? Wie Paare gut über Geld sprechen können, davon handelt dieser Podcast meiner Kollegin Ronja Bachofer. Und in diesem Text aus dem Archiv erklärt die Paartherapeutin Hannah Hebenstreit, warum ein gemeinsames Konto ein Vertrauensbeweis ist – und welche Gefahren es birgt.
Als Millionär in die Rente starten: So gelingt Ihre Altersvorsorge ohne Berater
Berufsanfänger, die jetzt in einen ETF-Sparplan investieren, schaffen es bis zur Rente unter Umständen zum Millionär. Hier erfahren Sie , warum – und vor allem wie – man so viel Geld am besten allein verwaltet.
Sechs Tipps, wie Sie bei Hitze gut schlafen können
Noch ist nicht die Zeit der dog days, der Hundstage, also der heißen Tage im Sommer, an denen es selbst nachts kaum abkühlt. Aber einige können schon jetzt, bei 16 Grad um zwei Uhr nachts, nicht gut schlafen. Was dagegen hilft: eine lauwarme Dusche vor dem Schlafengehen, eine Kaltflasche und einiges mehr.
Ausdauer- oder Krafttraining: Was bringt mehr Muskeln?
Warum, in welcher Lebensphase und für wen Muskelaufbautraining besonders wichtig ist, um gesund und schlank zu bleiben, was die besten Sportarten sind und warum man wirklich kein Bier nach dem Training trinken sollte, verrät Sportwissenschaftler Ingo Froböse hier im Interview .
Und sonst?
So, nun haben Sie (zumindest in der Theorie) Ihre Muskeln gestählt, in der Praxis ihre Haut mit Sonnencreme eingeschmiert (siehe oben), und wohin nun mit dem so gut präparierten Summerbody? An den See natürlich. Die meisten Badeseen, Flüsse und Küstengewässer in Deutschland sind nämlich sehr sauber, wie Tagesschau.de berichtet . Demnach weisen 90,2 Prozent eine hervorragende Qualität auf. Somit zähle die Bundesrepublik im europäischen Vergleich weiterhin zum vorderen Mittelfeld in Sachen Wasserqualität. Doch, Achtung: Wie Sie Gefahren in Seen und Flüssen am besten umgehen, wie Sie Notfälle erkennen und sich und andere vor dem Ertrinken bewahren können, erfahren Sie hier.
Walchensee in Bayern
Foto: Ulrich Wagner / IMAGODie gute Nachricht von Ihnen:
»Ich hatte gestern ein rührendes Erlebnis«, schrieb uns Leserin Monika Siegert. »Beim Aufsteigen auf den Deich überholte mich ein kleiner Junge. Ich sagte zu ihm: ›Du bist ja schnell!‹ Darauf er: ›Als du so alt warst wie ich, warst du auch schneller. Ich bin vier, und du bist älter.‹ Wie wahr, ich bin 74!«
Wenn auch Ihnen etwas Schönes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen*.
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Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort
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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.