Ein brennendes Öldepot auf der von Russland besetzten Krim, offenbar Folge eines nächtlichen Drohnenangriffs der ukrainischen Streitkräfte. Gehören Luftschläge gegen russische Militärinfrastruktur wie dieser schon zur Vorbereitung auf die lange angekündigte Frühjahrsoffensive? Wann, wie und wo die beginnt, darüber spekulieren Beobachter seit Wochen.
John Ford, Monterey Institute of International Studies:
»Wir dachten eigentlich, dass das Zeitalter solcher Kriege in Europa vorbei ist. Aber jetzt gibt es eben wieder einen solchen Konflikt. Und jetzt ist die Frage, welches Ausmaß die Offensive haben wird. Die Russen haben in diesem Gebiet vom Dnjepr nach Osten ziemlich viel Territorium zu verteidigen, und sie sind sich dessen bewusst.«
Die Lage: Seit der Befreiung der Stadt Kherson und eines Teils der gleichnamigen Region durch ukrainische Truppen im November hat sich an der militärischen Situation wenig geändert. Im Donbass, vor allem rund um die Stadt Bachmut toben brutale Kämpfe mit hohen Verlusten auf beiden Seiten – aber ohne große Geländegewinne. Die Russen allerdings haben den Winter genutzt, um an und hinter der Front ausgedehnte Verteidigungsanlagen anzulegen.
John Ford, Monterey Institute of International Studies:
»Befestigungen wie diese sind mit Erdbewegungstechnologie nicht unbedingt schwer zu installieren. Aber wenn Sie schon einmal einen Graben in irgend einer Größe ausgehoben haben, wissen Sie, dass dies ein großer Aufwand ist. Wenn Sie also ein Gebiet wie dieses haben, von dem Sie wissen, dass Sie es verteidigen müssen, das dank der Geografie und der allgemeinen Stabilisierung der Front etwas kleiner ist, ist es sinnvoll und möglich, solche Verteidigungen zu schaffen.«
Die ukrainischen Streitkräfte wiederum haben über den Winter eine wohl rund 50.000 Mann starke Angriffstruppe aufgebaut, Soldaten ausgebildet und mit Panzern und anderen schweren Waffen aus dem Westen ausgerüstet. Ihr Ziel: Die Rückeroberung möglichst großer Gebiete vermutlich vor allem im Süden des Landes. Immer wieder wird die Region um die Stadt Melitopol als Hauptziel genannt.
John Ford, Monterey Institute of International Studies:
»Die Ukraine werden in ihrer Offensive versuchen, die russische Linie zu durchbrechen und dann ihre Militärfahrzeuge schnell an die Küste oder in rückwärtige Gebiete zu fahren. Und so ist die Länge und Breite dieser Verteidigung so strukturiert, dass dies verhindert wird. Sie haben also eine Art Front, Sie haben den Graben, der gepanzerte Fahrzeuge aufhalten oder ihnen zumindest das Vorankommen erschweren soll.«
Viel wird nach Ansicht westlicher Militärexperten vom Timing und guter Vorbereitung abhängen. Sollte die Offensive scheitern, könnten die USA und die europäischen Partner zu der Überzeugung kommen, dass die Ukraine den Krieg trotz aller Unterstützung nicht gewinnen kann – und auf Verhandlungen drängen. Für Kiew steht viel auf dem Spiel.