Dieser Auftritt sollte Geschlossenheit bezeugen: Beim Nato-Gipfel im niederländischen Den Haag traf sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Timo Lehmann, DER SPIEGEL: »Man hat deutlich gesehen, dass die Europäer hier darum bemüht sind, Selenskyj sehr, sehr freundlich zu empfangen. Ursula von der Leyen, die EU-Kommissionspräsidentin, hat gesagt: Selenskyj ist hier unter Freunden.«
Selenskyj selbst betonte, man habe es mit einem mächtigen Gegner zu tun, der nicht allein dastehe:
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine: »Wir alle wissen, dass die Ursache dieses Krieges und die langfristige Bedrohung der europäischen Lebensweise in Russland liegt. Aber in Wirklichkeit haben wir es nicht nur mit Russland allein zu tun. Wir haben es mit einem Netzwerk von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren zu tun, die die Aggression vorantreiben. Zu diesem Netzwerk gehören Russland, Nordkorea, das derzeitige Regime im Iran und chinesische Unternehmen.«
Der ukrainische Präsident hofft auf weitere militärische Hilfe durch die Nato-Staaten und machte seinen Unterstützern ein Angebot: Die Ukraine will das Bündnis mit ihrem im Verteidigungskrieg gegen Russland erworbenen Drohnen-Fachwissen unterstützen. Die EU wiederum bekräftigte ihren Willen, die finanzielle Hilfe fortzusetzen.
Ursula von der Leyen: »Wir haben ein Finanzierungsprogramm in Höhe von 150 Milliarden Euro entworfen, wir nennen es Safe. Damit können die EU-Mitgliedstaaten, aber auch die Ukraine und andere Partner, Darlehen in Anspruch nehmen, um in die ukrainische Verteidigungsindustrie zu investieren.«
Selenskyjs Problem: Der Nahostkonflikt hat die Ukraine aktuell aus dem Fokus der globalen Sicherheitspolitik verdrängt. Iran und China gelten als Verbündete Russlands. Ein persönliches Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Selenskyj könnte der Ukraine in dieser Lage womöglich nützen.
Timo Lehmann, DER SPIEGEL: »Es wäre ein wirklich gutes und positives Zeichen, wenn es hier dann noch mal zu einem wirklich bilateralen gemeinsamen Gespräch, einem Auftritt von Trump und Selenskyj kommt. Wir alle können uns an die Bilder im Vatikan erinnern, wo die beiden zusammengesessen haben und sich ausgesprochen haben. Wir erinnern uns an diese furchtbare Pressekonferenz, die im Weißen Haus stattgefunden hat. Also die beiden haben ja offenbar nicht unbedingt das persönlich beste Verhältnis. Und solche Treffen wie dann hier, wenn die beiden aufeinandertreffen, sind natürlich total gut, um diese Spannung abzubauen.«
Dieses Treffen könnte es möglicherweise am Mittwoch geben. Ein wichtiges Signal des Nato-Gipfels soll sein: trotz Trumps Kritik an den aus seiner Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben der Mitgliedsstaaten ist das transatlantische Bündnis geeint und bereit, jeden Angriff Russlands abzuwehren.