Österreich: der ORF sucht eine neue Spitze – redet der Kanzler mit? - DER SPIEGEL
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Michael Völker

Die Lage: Inside Austria Der ORF sucht eine neue Führung – der Kanzler will nicht mitreden

Österreichs Kanzler Stocker beteuert, er mische sich nicht in Personalangelegenheiten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein. Kann man ihm das glauben?

Im Interview mit dem »Standard« zeigte sich Österreichs Bundeskanzler erstaunt über die Vielzahl an Vorwürfen und Missständen, die gerade aus dem Inneren des ORF kolportiert werden. Nicht alles, was da an Übergriffen oder auch an Drogenkonsum berichtet wird, ist auch belegt. Aber Christian Stocker fordert von der ORF-Führung Aufklärung. »Es sind noch sehr viele Fragen offen. Die Vorgänge haben das Ansehen des ORF jedenfalls in Mitleidenschaft gezogen.«

Kanzler Stocker: »Sehr viele Fragen offen«

Kanzler Stocker: »Sehr viele Fragen offen«

Foto:

Olivier Matthys / EPA

Dass der Kanzler beteuerte, sich nicht in die Wahl einer neuen ORF-Spitze einmischen zu wollen, sorgt wiederum beim Publikum für Erstaunen. Denn die Bestellung der ORF-Führung ist eine hochpolitische Angelegenheit, in die sich die Parteien mit all dem Gewicht, das sie aufzubringen vermögen, einbringen.

Formal wird der Generaldirektor oder die Direktorin vom Stiftungsrat gewählt. Und dieser Stiftungsrat ist politisch beschickt, da haben Bund und Länder ein Mitspracherecht, selbstverständlich sind die Parteien engstens involviert: Strukturiert ist dieser Stiftungsrat nach sogenannten Freundeskreisen, in denen sich die Abgesandten der jeweiligen Parteien koordinieren. Dass hier der ÖVP-Chef, der zugleich auch Bundeskanzler ist, nicht mitredet oder mitreden will, ist realitätsfern.

»Die Bestellung der neuen Generaldirektion muss geordnet über die Bühne gehen – ohne dass sie von Umstrukturierungsplänen überlagert wird, die nun immer wieder ins Spiel gebracht werden«, sagt Stocker. »Danach ist der richtige Zeitpunkt, um über den öffentlichen Auftrag des ORF und allfällige Reformen zu reden.«

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Reformen wird es tatsächlich geben müssen. Da geht es nicht nur um die Programmgestaltung. Der ORF gehört entpolitisiert. Aber dass genau jene politischen Kräfte, die ihren Einfluss jetzt geltend machen, eine Reform beschließen, die ihren Einfluss mindert, ist eher unwahrscheinlich.

Die Affäre Weißmann

Unterdessen wird die Öffentlichkeit mit Details einer Beziehung unter Ausnützung eines Autoritätsverhältnisses in Atem gehalten. Der zurückgetretene ORF-General Roland Weißmann war einer ORF-Mitarbeiterin gegenüber nicht nur freundschaftlich verbunden, sondern forderte recht ungeniert und drängend Sex von ihr – ohne ihn zu bekommen. Interessierte Zuschauer und Zuschauerinnen können dabei der Frage nachgehen, ob die unverlangte Zusendung von entblößten Genitalien des Generaldirektors an die Mitarbeiterin als sexuelle Belästigung gewertet werden kann oder ob dies nur eine Geste der Aufmerksamkeit ist.

Abgesehen davon, dass dies eigentlich eindeutig zu beantworten sein müsste, stellt sich abseits der politischen Brisanz dieser Causa die längst fällige Dickpics-Frage, nicht nur mit Blick auf den ehemaligen ORF-Generaldirektor: Warum glauben Männer, mit Fotos ihrer entblößten Genitalien Frauen beeindrucken und ihre Zuneigung gewinnen zu können?

Neue Podcastserie über Sigmund Freud

Beim Podcast Inside Austria arbeitet das Team gerade an einer neuen Serie rund um Sigmund Freud. Wir leben im Zeitalter der Selbstanalyse: von Psychotherapie bis Self-Help-TikTok. An Freud, dem Begründer der Psychoanalyse – der im Mai seinen 170. Geburtstag gefeiert hätte, kommt man dabei nicht vorbei.

In »Der Fall Freud« begeben wir uns auf die Spuren jenes Mannes, der uns bis heute im Kopf herumspukt – wie kaum ein anderer Österreicher. Wir erzählen seine Geschichte. Aber wir stellen auch die Frage: Kann uns Freud heute, in einer komplexen Welt, helfen, zumindest uns selbst besser zu verstehen?

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Podcast Cover

Dafür gehen die beiden Hosts Antonia Rauth und Lucia Heisterkamp durch Wien, treffen Analytikerinnen, Hypnotiseure, Traumdeuter – und legen sich selbst auf die Couch. »Der Fall Freud« – ab 2. Mai, überall wo es Podcasts gibt. Mit SPIEGEL- und »Standard«-Abo hören Sie die Folgen schon eine Woche früher. Den Trailer finden Sie jetzt schon hier. 

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Mit den besten Grüßen aus Wien,

Ihr Michael Völker, Leitender Redakteur

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