Österreich: FPÖ-Schlammschlacht um Strache und Spesenaffäre - DER SPIEGEL
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Ex-FPÖ-Chef Strache: Geschenke innerhalb der Partei seien keine Ausnahme gewesen

Ex-FPÖ-Chef Strache: Geschenke innerhalb der Partei seien keine Ausnahme gewesen

Foto: Eva Manhart / APA / picturedesk.com / picture alliance
Fabian Schmid

Die Lage: Inside Austria Edle Parfüms, Cateringkosten und iPhones für die Kinder

Ex-Parteichef Strache greift in der Spesenaffäre erstmals seinen früheren Mitstreiter Kickl an. Dieser hätte verlangt, dass er »als Marke« für die FPÖ rund um die Uhr im Einsatz sein sollte. Kein Wunder, dass Spesen angefallen seien.

Seit fast sieben Jahren durchleuchtet die österreichische Justiz die Finanzen der rechtspopulistischen FPÖ. Kernfrage der Ermittlungen ist, ob sich der langjährige Parteichef Heinz-Christian Strache ein luxuriöses Leben auf Parteikosten gegönnt hat. Tausende Rechnungen wurden durchwühlt und allerhand gefunden: Etwa Abrechnungen für edle Parfüms, für Cateringkosten einer mutmaßlich privaten Weihnachtsfeier oder für iPhones, die an Straches Kinder gingen.

Das Strafverfahren wurde nach Erscheinen des Ibiza-Videos eingeleitet, das Strache im Flirt mit einer falschen russischen Oligarchin zeigte. Die Aufnahmen erschienen im Mai 2019 in der »Süddeutschen Zeitung« und dem SPIEGEL. Strache trat als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück, wenige Monate später wurde er aus der Partei ausgeschlossen.

Öffentlich hat er sich bislang zwar verteidigt, seine frühere Partei aber geschont. Das ändert sich nun, wie ein Schriftstück zeigt, das SPIEGEL und »Standard« vorliegt. Darin greift Strache vor allem seinen Nachfolger Herbert Kickl an, der die FPÖ mittlerweile in neue Höhen geführt hat. Kickl sei als Generalsekretär unter ihm für das Finanzgebaren der Partei zuständig gewesen, argumentiert Strache. Seine Mitstreiter hätten verlangt, dass er »als Marke« für die FPÖ rund um die Uhr im Einsatz sei. Kein Wunder, dass dann Rechnungen aus Diskotheken und Restaurants angefallen seien. Private Ausgaben habe er jedenfalls selbst beglichen, schreibt Strache.

Und, so ein Seitenhieb Richtung Kickl: Oft habe Straches Arbeit erst wirklich begonnen, als Kickl zwischen 16 und 18 Uhr schon nach Hause gegangen sei. Außerdem berichtet er, dass Geschenke innerhalb der Partei durchaus keine Ausnahme gewesen seien. Führende Funktionäre seien mit Reisen etwa nach Nepal oder auf die Malediven beschenkt worden, Kickl selbst habe eine Campingausrüstung erhalten.

Der 81-seitige Schriftsatz, den Straches Verteidigerin Gunilla Prohart im November abschickte, ist für die aktuelle Parteispitze unangenehm. Offiziell will sich die FPÖ dazu nicht äußern: Es handle sich um ein laufendes Strafverfahren, die Wahrheitsfindung werde vor Gericht stattfinden.

Das mutmaßliche Stillschweigeabkommen zwischen Strache und seiner Ex-Partei ist jedenfalls gebrochen. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Offene Fragen zum Großglockner-Prozess

Webcam-Aufnahme der Bergsteiger am Stüdlgrat: Lichtpunkte in eisigen Höhen

Webcam-Aufnahme der Bergsteiger am Stüdlgrat: Lichtpunkte in eisigen Höhen

Foto:

foto-webcam.eu

Der Prozess rund um die erfrorene Bergsteigerin am Großglockner  bewegt noch immer. Der Partner der Verstorbenen, Thomas P., wurde wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen – allerdings noch nicht rechtskräftig. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben nun Berufung eingelegt.

In der 14-stündigen Verhandlung im Februar  war der Fall noch einmal komplett aufgerollt worden. Auch in einer Mini-Podcastserie von Inside Austria haben wir die verhängnisvolle Bergtour der 33-jährigen Salzburgerin Kerstin G. und ihres heute 37-jährigen Partners Thomas P. rekonstruiert (hören Sie hier Teil 1, Teil 2 und Teil 3).

Doch sowohl der Prozess als auch die Berufungen haben noch einmal Fragen aufgeworfen.

Was hat es mit der Aussage einer Ex-Freundin des Angeklagten auf sich, dass er auch sie am Großglockner zurückgelassen habe? Warum wurde vor Gericht so viel über den Auffindungsort der Toten gesprochen? Und warum kritisiert der Anwalt des Angeklagten die Polizei für die erste Befragung von Thomas P. so hart?

STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast.

Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 6,49 € pro Woche sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 € statt 14,90 € .

In der aktuellen Folge von Inside Austria blicken die beiden Hosts Lucia Heisterkamp und Antonia Rauth noch einmal auf den Fall. Dabei befragen sie jemanden, der sowohl über alpinistische als auch juristische Expertise verfügt: Andreas Ermacora ist Anwalt in Innsbruck und war von 2013 bis 2023 Präsident des Österreichischen Alpenvereins. Ermacora hat den Prozess in Innsbruck im Gerichtssaal mitverfolgt. Er spricht im Podcast über unklare Details, die Einschätzungen des Richters – und die Frage, ob das Urteil zu mild ausgefallen ist.

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Podcast Cover

Geschichten, die wir Ihnen heute empfehlen:

  • Strache greift in FPÖ-Causa um Spesen für Luxusleben Kickl wegen Geschenks und Arbeitszeiten an: Heinz-Christian Strache rechnet in der FPÖ-Spesenaffäre mit seinen früheren Kameraden ab. In einer Stellungnahme holt der frühere Oberblaue zum Rundumschlag aus .

  • Holzleitner und Rauch-Kallat über »toxische Männerbilder« und »zu sanfte Feministinnen«: Die aktuelle und die frühere Frauenministerin wollen Väter bei der Kinderbetreuung mehr in die Verantwortung nehmen und Frauen in Friedensverhandlungen einbinden .

  • Wiener Ökonom Felbermayr wird Wirtschaftsweiser: Der Ökonom Gabriel Felbermayr soll in den Rat der Wirtschaftsweisen einziehen. Das Kabinett empfiehlt seine Berufung. Der Handelsexperte folgt auf Ulrike Malmendier, deren Abgang Streit ausgelöst hat.

  • Nachruf auf Georg Koch: Er war ein großer Torwart, doch sein Karriereweg war geprägt von unglücklichen Wendungen. Aufgeben war für den Rheinländer, der auch bei Rapid Wien spielte, dennoch nie eine Option .

Mit besten Grüßen aus Wien

Ihr Fabian Schmid, Leitender Redakteur Investigativ, Der STANDARD

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