Reisen: Warum lange Auszeiten glücklich machen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Strand in Australien: Selbstfindung am Sehnsuchtsort

Strand in Australien: Selbstfindung am Sehnsuchtsort

Foto:

Laurent Davoust / Zoonar / IMAGO

Elisa Schwarze

Alles Gute vom SPIEGEL Diese Menschen fanden auf Reisen ihr Glück

Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten. Schön, dass Sie da sind!

Noch eine Woche müssen Schülerinnen und Schüler in Bayern durchhalten, dann hat es auch das letzte der 16 Bundesländer in die Ferien geschafft. Vielleicht liegen Sie gerade schon am Pool oder am Meer und scrollen durch diesen Newsletter. Das sei Ihnen von Herzen gegönnt.

Wer das Privileg hat, Urlaub zu machen – vielleicht sogar länger als eine oder zwei Wochen –, sollte es nutzen. Nicht nur, weil eine solche Auszeit viele neue Eindrücke beschert. Sie kann auch glücklicher und zufriedener machen. Das hat die Reisepsychologin Martina Zschocke meinem Kollegen Olaf Stampf erklärt. »Jede längere, besondere Reise kann in irgendeiner Weise der Selbstfindung dienen«, sagt sie. Bisweilen könne sie sogar »ganz klar eine therapeutische Wirkung haben«.

Was das für Menschen bedeutet, darüber hat Olaf mit drei Langzeitreisenden gesprochen. Leonie Maßmann und Thilo Ernst segeln seit der Coronapandemie über die Weltmeere. Familie Kraft hat das Klassenzimmer ihrer drei Söhne gegen ein Expeditionsmobil getauscht und durchquert damit Afrika. Und Lukas Marchesi buchte ein One-Way-Ticket nach Australien, als er in seinem Leben an einem Tiefpunkt stand. Zwei Jahre blieb er dort und kam, so nahm es Olaf wahr, als »gelöster, lebensfroher Mensch« zurück.

»Ich habe für meinen Text niemanden interviewt, der seine Auszeit bereut hat«, sagt Olaf. »Jeder hat etwas für sich mitgenommen.« So seien die Reisenden etwa mit mehr Selbstbewusstsein und weniger Ängsten zurückgekehrt. Auch Olaf bekam dadurch Lust, irgendwann mal für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen. Am liebsten nach Neuseeland.

Abenteuerfahrzeug der Familie Kraft: Quer durch Afrika

Abenteuerfahrzeug der Familie Kraft: Quer durch Afrika

Foto:

Christian Kraft / 29point3

Haben Sie schon eine Reise unternommen, die Ihr Leben verändert hat? Oder gibt es einen Sehnsuchtsort, den Sie schon immer einmal besuchen wollten? Schreiben Sie mir doch eine Mail – ich freue mich über Inspiration.

Hier können Sie Olafs Geschichte lesen . Ich empfehle sie Ihnen sehr.

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Brandentschleuniger
Die Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet sind 2025 auf ein historisches Tief zurückgegangen. Insgesamt brannten gut drei Millionen Hektar ab. Das ist die bislang kleinste Fläche seit Beginn der Aufzeichnungen 1983, wie das Überwachungsnetzwerk MapBiomas mitteilte. Lesen Sie hier die ganze Meldung.

Diddl is back
Wenn Sie zur Generation der Millennials oder zur älteren Gen Z gehören, erinnern Sie sich bestimmt noch an die duftenden Diddl-Blöcke. Seit dieser Woche wagt die kultige Maus ein Comeback. Meine Kollegin Katharina Koerth hat sich unter ehemaligen Fans und neuen Kunden umgehört . »Wir saßen da immer unter dem Baum auf den Bänken und haben Blätter getauscht«, erzählt eine Frau über ihre Jugend mit Diddl. »Das war megaschön.«

Diddl im Regal: Schafft die Maus den Neustart?

Diddl im Regal: Schafft die Maus den Neustart?

Foto: Katharina Koerth / DER SPIEGEL

Gold aus der Grabbelkiste
3,07 US-Dollar zahlte Quinn Brown in einem Secondhandladen nahe Portland, Oregon, für eine Jacke der Los Angeles Lakers. Als er online recherchierte, für wie viel er sie weiterverkaufen könnte, stieß er auf ein Foto von Basketballlegende Wilt Chamberlain in dem identischen Kleidungsstück. Die Jacke wurde nun durch das Auktionshaus Sotheby’s für 89.600 US-Dollar versteigert.

Freibadgönner
Es gibt wenig Besseres, als sich an einem heißen Tag im Wasser abzukühlen. Für Kinder und Jugendliche in Dresden geht das in diesen Sommerferien sogar gratis: Ein anonymer Spender gewährt ihnen freien Eintritt ins Freibad Wostra. In anderen Städten gab es ähnliche Aktionen. Wo, lesen Sie hier.

Blick auf das Freibad Wostra: Sechs Wochen kostenlos

Blick auf das Freibad Wostra: Sechs Wochen kostenlos

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Was klappert denn da?
Womöglich geht es in Deutschland bald wieder bergauf mit der Geburtenrate. Die Vorboten jedenfalls lassen sich nieder: Der Naturschutzbund Nabu rechnet in dieser Saison bundesweit mit 15.000 Weißstorch-Brutpaaren, so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Das liegt unter anderem an besserem Naturschutz.

Würde für den Weltmeister
Emanuel Lasker ist bis heute der einzige deutsche Schachweltmeister. 1933 jagten ihn die Nazis aus dem Land, nahmen ihm seine Staatsbürgerschaft und die Doktorwürde. Jetzt, 87 Jahre später, reagiert seine Universität – und gibt ihm ein Stück seiner Würde zurück. Lesen Sie hier Laskers Lebensgeschichte .

Was gut ist – für Sie:

Last Minute auf den Campingplatz
Zurück zum Thema Urlaub: Viele Campingplätze sind in den Sommermonaten heillos überfüllt. Mit ein paar Tricks finden Sie dennoch einen Stellplatz. Zum Beispiel, indem Sie auf Google Maps nach Anlagen suchen, die nicht auf den klassischen Buchungsportalen gelistet sind. Sieben weitere Tipps gibt es hier .

So kommen Sie als Paar über den Berg
Ob Bikepacking oder Bergsteigen, immer mehr Menschen suchen auf Reisen nach sportlichen Herausforderungen. Sollten Sie ein solches Abenteuer gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin angehen, gilt es besonders, aufeinander Acht zu geben. Von den Profis Babsi Zangerl und Jacopo Larcher können Sie sich etwas abschauen .

Zangerl und Larcher im Aufstieg: Teamwork am Berg

Zangerl und Larcher im Aufstieg: Teamwork am Berg

Foto:

Austin Siadak

Was Sie vom Tennis über den Job lernen können
Die eigene berufliche Laufbahn lasse sich planen wie die Karriere eines Spitzensportlers, sagt Coach Klaus Siefert. Der erste Schritt: Erkennen, in welcher Disziplin Sie herausragend sind. Wie es danach weitergeht, erfahren Sie hier .

Und sonst?

Möchte ich Ihnen dieses Interview meiner Kollegin Kristin Haug  empfehlen. Sie wollte mit Soziologieprofessorin Christina Möller eigentlich darüber sprechen, wie es sich anfühlt, zwar erfolgreich im Job zu sein – es aber nie ganz nach oben zu schaffen.

Stattdessen ging es um Möllers eigenes Aufwachsen. Die Professorin ist Tochter einer Kellnerin und eines Feuerwehrmanns, sie ging auf die Hauptschule und machte eine Ausbildung, mit der sie unglücklich war. Später holte sie das Abitur nach und erzielte 15 Punkte in der mündlichen Mathematikprüfung. Es folgten Studium, Promotion, Habilitation. Heute erforscht sie gewissermaßen ihre eigene Lebensgeschichte.

Soziologieprofessorin Möller: »Zusammenspiel aus persönlichem Antrieb und günstigen Gelegenheiten«

Soziologieprofessorin Möller: »Zusammenspiel aus persönlichem Antrieb und günstigen Gelegenheiten«

Foto:

Chris Mueller / EYE AM CHRIS

Fleiß allein reiche nicht aus, um sozial aufzusteigen, sagt Möller. »Kinder, denen Ressourcen wie familiäres Bildungskapital, Geld und soziale Netzwerke fehlen, sind strukturell grundsätzlich benachteiligt.« Darüber hat Möller ein Buch geschrieben: »Die Mühen des Aufstiegs. Wie soziale Ungleichheit unsere Lebensläufe prägt«.

Möller betont auch: »Wenn Menschen mit ihrer Situation unzufrieden sind, kann sie das motivieren, aufzusteigen.« Häufig gehe es um ein »Zusammenspiel aus persönlichem Antrieb und günstigen Gelegenheiten«.

Solche günstigen Gelegenheiten liegen oft im Austausch mit anderen. Für Möller waren es zwei Aktivisten, die ihr eine Schule für den zweiten Bildungsweg empfahlen. Mich hat das Interview inspiriert, stärker nach solchen Begegnungen zu suchen: Rat einzufordern, aber auch anderen Rat zu geben, wenn man dazu in der Lage ist. Vielleicht finden Sie in nächster Zeit ja eine Gelegenheit dazu.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Herzliche Grüße

Ihre Elisa Schwarze, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL