Russland: Behörden schreiben »FAZ«-Korrespondent Michael Mertens zur Fahndung aus - DER SPIEGEL
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Frage an Selenskyj auf Pressekonferenz Russische Behörden schreiben »FAZ«-Korrespondent zur Fahndung aus

Nach seiner Frage zur Tötung russischer Soldaten wird ein Journalist der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« aus Russland angegriffen. Nun reagiert die Zeitung und spricht von einem Einschüchterungsversuch.
Moskau: »Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse«
Moskau: »Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse«

Moskau: »Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse«

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Maksim Blinov / Sputnik / IMAGO

Die russischen Behörden haben den Balkan-Korrespondenten der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (»FAZ«), Michael Martens, zur Fahndung ausgeschrieben. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass findet sich in der Fahndungsdatenbank des russischen Innenministeriums ein Eintrag unter seinem Namen. Als Grund für die Fahndung werde ein Strafverfahren angegeben.

Bereits am vorigen Wochenende hatte Tass unter Berufung auf Justizquellen gemeldet, dass gegen Martens ein Strafverfahren nach Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuchs eröffnet worden sei. Dieser sieht für die »Aufstachelung zu Hass oder Feindschaft« in Massenmedien bis zu sechs Jahre Haft vor.

Die »FAZ« teilte mit, dass die Fahndung ein Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen Journalisten und der freien Presse sei. Man weise diesen Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern.

Widersprüchliche Medienberichte aus Russland gab es darüber, ob auch ein internationaler Haftbefehl gegen Martens ausgestellt wurde. Tass meldete am Donnerstag, das sei noch nicht der Fall. Ein internationaler Haftbefehl werde jedoch geprüft.

Martens hatte auf einer Pressekonferenz Anfang August in Belgrad den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, »mehr russische Soldaten zu töten«.

Zeitung spricht von Missverständnis und weist Vorwürfe zurück

Die »FAZ« erklärte später, die Frage sei missverständlich formuliert gewesen, und äußerte Bedauern. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit seien von grundlegender Bedeutung für die Bundesregierung. Man werde von Russland »auch weiterhin in allen geeigneten Foren und über alle geeigneten Kanäle einfordern, seine internationalen, menschenrechtlichen Verpflichtungen einzuhalten und die Kriminalisierung und Verfolgung von freier Meinungsäußerung einzustellen«.

Der russische Botschafter in Deutschland forderte die Bundesregierung auf, sich von Martens zu distanzieren. Laut Tass sieht er in den Aussagen von Martens »eine Bedrohung für die in der BRD lebenden Bürger Russlands und Vertreter der russischsprachigen Gemeinschaft«.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte dagegen die russischen Anfeindungen. »Welche Fragen Journalisten bei einer Pressekonferenz stellen, geht die Justiz nichts an – auch nicht die russische«, erklärte der DJV-Vorsitzende Mika Beuster.

jpe/dpa