Prozess gegen »Wesna« Russische Anti-Kriegs-Aktivisten zu langen Haftstrafen verurteilt
Aktivisten vor Gericht in Sankt Petersburg
Foto: Olga Maltseva / AFPIn Russland sind sechs wegen »Extremismus« angeklagte junge Anti-Kriegs-Aktivisten zu Haftstrafen von bis zu zwölf Jahren verurteilt worden. Ein Gericht in Sankt Petersburg befand die zwischen 24 und 30 Jahre alten Aktivisten der Anti-Kriegs-Jugendbewegung »Wesna« auch der »Verbreitung von Falschmeldungen« über die russische Armee für schuldig.
Das härteste Urteil erging gegen die 28-jährige Studentin Anna Archipowa – sie wurde zu zwölf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. DER SPIEGEL veröffentlichte im vergangenen Jahr Ausschnitte von Briefen aus dem Gefängnis von ihr: »Stellen Sie sich einen Zoo vor«. Archipowa sagte, sie sei aus »Wesna« ausgetreten, bevor die Gruppe als extremistisch eingestuft wurde.
Zu den Angeklagten – laut dem Portal »Mediazona« allesamt zum Zeitpunkt ihrer Verhaftungen keine Mitglieder der Bewegung mehr – gehören außerdem der 30-jährige Historiker und Lateinlehrer Wassilij Neustrojew, der 26-jährige Schweißer Jan Ksenschepolski, der 24-jährige Journalist Jewgenij Satejew, der 24-jährige Student Pawel Sinelnikow und der 24-jährige Barbesitzer Walentin Choroschenin. Ksenschepolski und Neustrojew erhielten Haftstrafen in Höhe von elf und zehn Jahren.
Als das Urteil verkündet wurde, riefen einige Unterstützer im Gerichtssaal »Schande«, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Ehefrau von Satejew nannte die Urteile »monströs«. »Ich hoffe, dass diejenigen, die sich dieser Unterdrückung schuldig machen, eines Tages dafür büßen müssen«, sagte sie AFP.
»Wesna« (auf Deutsch: »Frühling«) wurde 2013 in Sankt Petersburg gegründet, der Heimatstadt des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Später war die Organisation auch in anderen Städten aktiv.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 hat der Kreml sein hartes Vorgehen gegen Kritiker verstärkt. »Wesna« wurde von den russischen Behörden als »extremistisch« und »ausländischer Agent« eingestuft – Zuschreibungen, die vom Kreml genutzt werden, um Repressionen gegen politische Gegner zu begründen.
Das Verfahren wirkt wie eine Lektion für Russlands gesamte Jugend: Widerstand zerstört. Lesen Sie hier mehr zu der Bewegung und dem Prozess in der Kolumne von Mikhail Zygar.