Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Selenskyj erklärt, er fühle sich von Trump »verraten«
Präsidenten Selenskyj und Trump (Ende 2025 in Florida): »Das ist nicht die richtige Seite der Geschichte«
Foto:Ukrainian Presidential Press Office / UPI Photo / IMAGO
Die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Amtskollegen aus der Ukraine war zuletzt deutlich abgekühlt. Das jüngste Interview Wolodymyr Selenskyjs dürfte wohl kaum für eine Verbesserung sorgen: Im Gespräch mit dem britischen Moderator Piers Morgan sagte Selenskyj, er fühle sich durch den Dieseldeal Trumps mit Russland und andere Schritte Washingtons »verraten«.
Auf eine entsprechende Frage antwortete Selenskyj: »In der Tat, ja, unter uns gesagt.« Er erklärte auch, die Lage sei komplizierter, es gehe nicht nur um ihn und seine Emotionen. »Unser Land muss überleben.«
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Trump hatte nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf seiner Plattform Truth Social verkündet, Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt zur Verfügung stellen. Dafür sollten Sanktionen ausgesetzt werden (mehr zu dem Dieseldeal hier ).
Der US-Präsident steht kurz vor den US-Kongresswahlen wegen der stark gestiegenen Kraftstoffpreise unter Druck. Der Kreml rechnet nach Angaben vom Mittwoch »in den nächsten Tagen« mit ersten Diesellieferverträgen mit den USA. Zwölf US-Senatoren, darunter sechs Republikaner, warfen Trump wegen des Deals »Verrat« am ukrainischen Volk vor (mehr hier).
Selenskyj beklagt Verlust der USA als Partner
Selenskyj sagte im Interview mit Morgan nun, es sei schade, »dass wir einen starken Partner verlieren«. Die Ukraine könne sich keine Schwäche erlauben. »Wir verkaufen unser Land nicht.« Es gehe nicht ums Geschäft, sondern um das Leben und das eigene Land. Es sei schmerzhaft, wenn Trump nicht ihre Seite wähle, sagte der ukrainische Präsident. Es sei okay, wenn der US-Präsident »in der Mitte« stünde. »Aber wenn man in der Mitte ist, muss man in der Mitte bleiben.« Er wisse nicht, wer Trump auf die falsche Seite dränge. »Aber das ist nicht die richtige Seite der Geschichte.«
Selenskyj am Mittwoch mit dem britischen Premier Andy Burnham
Foto:Jordan Pettitt / PA Wire / dpa
Russland setzte derweil seine Angriffe auf die Ukraine fort. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten schlugen unter anderem in Kyjiw Raketen ein, bevor rechtzeitig Luftalarm ausgelöst werden konnte. Selenskyj hatte sich darüber beklagt, von den Verbündeten nicht vorab über die russischen Raketenangriffe informiert worden zu sein (mehr dazu hier).
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen russische Angriffe stark auf US-Geheimdienstinformationen angewiesen. Berichten zufolge hatte Washington mit deren Einstellung gedroht. Trump bestritt dies am Dienstag.
Streit über Starlink in der Ukraine
Selenskyj kritisierte am Mittwoch auch das US-Unternehmen SpaceX des Unternehmers Elon Musk. Es habe die Satellitennutzung für die Ukraine eingeschränkt – und dadurch die ukrainische Drohnenabwehr und Luftverteidigung im Kampf gegen Russland geschwächt. »Wenn die Angriffe weitergehen und Starlink nicht funktioniert, werden natürlich Menschen sterben«, sagte er im Gespräch mit Morgan.
Das von SpaceX betriebene Satellitennetz ist für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte an der Front wichtig. In der Nacht zu Mittwoch war Starlink nach Angaben des Technologieberaters des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow, stark eingeschränkt. Dies habe ukrainische Angriffe scheitern lassen.
Kurz nach Selenskyjs Aufforderung an Musk, Starlink in der Ukraine wiederherzustellen, meldete das ukrainische Verteidigungsministerium eine Verbesserung: Die Verbindung habe sich bei einigen Empfangsgeräten verbessert, teilte das Ministerium mit . Die Regierung stehe mit SpaceX in Kontakt, um einen stabilen Betrieb sicherzustellen.
Musk sieht Trump in der Verantwortung
Elon Musk wiederum machte die US-Regierung für die mutmaßliche Einschränkung der Satellitenkommunikation in der Ukraine verantwortlich. »Starshield-Systeme gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert«, erklärte er auf X . Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung würden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten entschieden.
Musk unterschied zwischen dem Starshield-System, auf das die Ukraine für die Gefechtskommunikation angewiesen ist, und Starlink, das die Ukraine ebenfalls nutzt. »Starlink ist auf zivile oder defensive Aktivitäten beschränkt und darf nicht für offensive militärische Einsätze genutzt werden, da dies für ein kommerzielles Unternehmen unangemessen wäre«, erklärte Musk.
US-Geheimdienstinformationen flossen zuletzt nicht wie gewohnt, darum sieht sich die Ukraine Russlands Luftangriffen zunehmend hilflos ausgeliefert. Die Einwohner von Kyjiw treffen Vorkehrungen, manche verlassen die Stadt. Mehr dazu erfahren Sie hier .