»Wir fahren jetzt nach Giri. Gestern gab es hier heftige Kämpfe.«
»Die Wälder und Häuser in der Gegend rauchen noch immer. Diese Autos sind völlig ausgebrannt. Dieses Haus ist komplett zerstört. Vor uns ist ein Mannschaftstransportwagen. Ein ukrainischer, richtig?«
»Ja, es ist ein ausgebrannter ukrainischer Mannschaftstransportwagen. Unsere Kämpfer haben ihn zerstört.«
Eine Reportage des russischen Staatssenders »Первый канал« – zu Deutsch: Erster Kanal. Die Bilder sollen aus der Ortschaft Giri in Russland stammen.
Und auch diese Bilder sind Teil der russischen Staatspropaganda. Die am Mittwoch vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Aufnahmen sollen ukrainische Soldaten der 80. und 82. Luftangriffsbrigade in russischer Kriegsgefangenschaft zeigen. Weder Aufnahmezeitpunkt noch -ort lassen sich verlässlich verifizieren.
Gemeinsam mit solchen Aufnahmen russischer Kampfjets sollen die Bilder zeigen: Die ukrainische Offensive auf unserem Gebiet ist erfolglos – wir haben alles im Griff.
Aber auch die Ukraine mischt im Krieg der Bilder mit. Dieses Video soll einige von insgesamt mehr als 100 russischen Soldaten zeigen, die seit Beginn der ukrainischen Kursk-Offensive gefangen genommen wurden. Darunter könnten auch Kämpfer der »Achmat« sein, einer Einheit, die dem tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow unterstellt ist. Das Video stammt vom ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU. Auch hier lassen sich weder Zeitpunkt noch Ort der Aufnahme verlässlich verifizieren.
Und so soll die Offensive begonnen haben: Diese von einer ukrainischen Einheit veröffentlichten Drohnenbilder zeigen eine Grenzübergangsstelle in der russischen Stadt Sudscha. Zu erkennen sein sollen russische Kämpfer, die sich ergeben wollen. Die Gebäude und Straßen stimmen mit Satellitenaufnahmen von Sudscha überein.
Seit Beginn der Offensive in der Region Kursk hätten ukrainische Einheiten bereits 82 russische Ortschaften und 1150 Quadratkilometer Territorium unter ihre Kontrolle gebracht, heißt es aus Kyiv. Militärexperten schätzen die Vorstöße eher auf etwa 50 Orte und eine Fläche zwischen 500 und 700 Quadratkilometern ein.
»Die Suche und Vernichtung der feindlichen Einheiten in Sudscha und drei anderen Siedlungen in der Region Kursk ist abgeschlossen. Zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung und für die Bedürfnisse der Bevölkerung wurde in den kontrollierten Gebieten eine Militärkommandantur eingerichtet, zu deren Leiter Generalmajor Moskalyov ernannt wurde.«
Mit einer solchen ukrainischen Militärkommandantur auf russischem Gebiet richtet man sich nun auf eine dauerhafte Besetzung ein. Möglicherweise könnte das Kyivs Position in künftigen Verhandlungen um einen Waffenstillstand stärken.