Russland: Zustand von Wladimir Kara-Mursa nach Verlegung in Gefängniskrankenhaus »relativ stabil« - DER SPIEGEL
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Verlegung in Gefängniskrankenhaus Zustand von Kremlgegner Kara-Mursa offenbar »relativ stabil«

»Es geht ihm so gut, wie man erwarten kann«: Tagelang wurden seine Anwälte nicht zu Wladimir Kara-Mursa vorgelassen, die Gründe für seinen Transfer blieben unklar. Nun bestätigt seine Frau: Der Oppositionelle ist am Leben.
Kremlgegner Kara-Mursa: »Es ist immer noch unklar, warum Wladimir in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde«
Kremlgegner Kara-Mursa: »Es ist immer noch unklar, warum Wladimir in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde«

Kremlgegner Kara-Mursa: »Es ist immer noch unklar, warum Wladimir in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde«

Foto: Dmitry Serebryakov / dpa

Vergangene Woche wurde der Kremlkritiker Wladimir Kara-Mursa überraschend aus der Haft in ein Gefängniskrankenhaus verlegt. Angehörige und Anwälte des russischen Oppositionellen wurden mit widersprüchlichen Aussagen hingehalten, sein Gesundheitszustand war unklar. Nun durfte einer seiner Anwälte Kara-Mursa nach mehreren Tagen im Krankenhaus besuchen. »Es ist immer noch unklar, warum Wladimir in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde, aber er lebt und es geht ihm so gut, wie man erwarten kann«, schrieb seine Frau Evgenia Kara-Mursa auf X nach dem Treffen.

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Seine Anwälte hatten vergangenen Donnerstag versucht, ihn in der Strafkolonie Nr. 6 in der sibirischen Stadt Omsk zu besuchen, wo Kara-Mursa eine 25-jährige Haftstrafe verbüßt. Dem Kremlkritiker wird Hochverrat vorgeworfen, er selbst weist die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück. Bei der Ankunft der Anwälte teilte man ihnen jedoch mit, dass Kara-Mursa zu einer nicht näher bezeichneten »Untersuchung« in ein Gefängniskrankenhaus verlegt worden sei. Danach wurde ihnen mehrere Tage lang der Zugang zu dem Politiker unter »fadenscheinigen Ausreden« des Krankenhauspersonals verweigert, so Prochorow am Dienstag in einer Online-Erklärung.

Am Mittwoch habe einer von Kara-Mursas Anwälten ihn schließlich besuchen können, so Prochorow in einer neuen Erklärung. Sein Gesundheitszustand sei derzeit relativ stabil, sagte der Anwalt. Die genauen Gründe für die Untersuchung im Krankenhaus müssten allerdings noch geklärt werden. Weitere Einzelheiten nannte Prochorow nicht.

Kara-Mursas Anwalt vermutet Einfluss Moskaus hinter Isolation – Kreml dementiert

Gegenüber der Zeitschrift »Reform« hatte Prochorow zuvor betont, dass der verwehrte Zugang zu Anwälten sowohl gegen russisches als auch gegen internationales Recht verstoße. Die Schuld daran gab er den russischen Behörden. »Wie wir vermuten, liegt die Verantwortung für die Verweigerung des Zugangs bei Moskau – es ist unwahrscheinlich, dass das Krankenhaus selbst diese Entscheidung getroffen hat«, so der Anwalt.

Der Kreml behauptete derweil, keinen Einfluss auf Kara-Mursas Lage zu haben. Man habe »leider nicht die Möglichkeit, diese Situation zu beobachten«, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Mittwoch vor Journalisten. Dies gehöre »nicht zu unseren Vorrechten«, sagte er. Zuständig sei der Gefängnisdienst.

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Die Angehörigen des Oppositionellen hatten wiederholt ihre Sorgen angesichts von Kara-Mursas Gesundheitszustands geäußert. Der Oppositionelle leidet nach ihren Angaben infolge zweier Vergiftungsversuche in den Jahren 2015 und 2017 an einer Erkrankung des Nervensystems. Großbritannien hatte zuvor die sofortige Freilassung und eine dringende Behandlung des 42-Jährigen gefordert, der auch die britische Staatsangehörigkeit besitzt.

Kara-Mursa wurde im April 2022 verhaftet, nachdem er die Offensive Moskaus in der Ukraine kritisiert und den Westen zur Verhängung von Sanktionen gegen den Kreml aufgefordert hatte. Aus dem Gefängnis heraus setzte er seine Arbeit fort. Anfang Mai erhielt er den Pulitzerpreis für »seine leidenschaftlichen Artikel, die er unter Einsatz seines Lebens aus seiner Gefängniszelle heraus geschrieben hat«.

Kara-Mursa stand dem im Februar in einer Strafkolonie in der Arktis gestorbenen Kremlkritiker Alexej Nawalny nahe. Seit Nawalnys Tod im Februar mehren sich die Sorgen um den 42-Jährigen.

eru/AP/AFP