Schutz für Pinguine und den Amazonas und ein Walross, das kuscheln will: Die guten News der Woche - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Lena Greiner

meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten Schutz für Pinguine und den Amazonas und ein Walross, das kuscheln will

Was es braucht, um den Amazonas, Pinguine und ein Walrossbaby zu retten. Die erste Pille gegen Wochenbettdepressionen ist zugelassen. Wie der Schulstart gelingt. Hier sind die guten Nachrichten der Woche.

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Es war das erste Treffen seit 14 Jahren: Im nordbrasilianischen Belém kamen in dieser Woche die acht Staats- und Regierungschefs der Amazonas-Anrainerstaaten erstmals wieder zu einem Gipfeltreffen zusammen. Sie wollen von nun an besser zusammenarbeiten, um das fürs Weltklima relevante Ökosystem des Amazonas zu erhalten.

Auf konkrete Maßnahmen konnten sich die Staatschefs dann zwar nicht einigen, dennoch sieht die Juristin Ana Carolina Alfinito von der NGO Amazon Watch den Gipfel nicht nur als traurige PR-Nummer. »Es ist wichtig, dass die Regierungschefs der Anrainerstaaten sich wieder treffen, um über den Amazonas zu sprechen und politische Maßnahmen abzustimmen«, sagte sie unserer Lateinamerika-Korrespondentin Nicola Abé.

Amazonas in Belém, Brasilien

Amazonas in Belém, Brasilien

Foto: Annette Riedl / dpa

Hoffnung machen auch Nachrichten aus Brasilien: Seit Beginn der Amtszeit von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist die Abholzung des Regenwaldes stark zurückgegangen. »Die staatlichen Institutionen wissen genau, wie man die Entwaldung stoppen kann – es ist kein unlösbares Mysterium. Unter Präsident Jair Bolsonaro wurde nur absichtlich und systematisch das Gegenteil betrieben«, sagt Alfinito im Interview. Die Regierung unter Lula habe hingegen wirksame Sofortmaßnahmen ergriffen: »Die Überwachung wurde wieder hochgefahren, es gab zahlreiche Operationen in Schutzgebieten. Zudem strukturelle Maßnahmen: Es wurde wieder in alternative Wirtschaftsmodelle investiert, die im Einklang mit dem Wald funktionieren, und neue Schutzgebiete wurden ausgewiesen.«

Damit der Amazonas, die grüne Lunge unseres Planeten, gerettet werden kann, müsste der brasilianische Präsident jedoch noch mehr tun: »Wenn Lula die progressive Seite seiner Regierung stützt, kann er wirklich etwas erreichen«, so die Juristin. Lesen Sie hier das ganze Interview mit ihr.

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Arizona: Joe Biden erklärt Umgebung des Grand Canyon zu Naturschutzgebiet
Rund um den weltberühmten Grand Canyon im Bundesstaat Arizona hat US-Präsident Joe Biden ein neues Naturschutzgebiet mit einer Fläche von insgesamt rund 400.000 Hektar ausgerufen. Die Gebiete sind für die dort heimischen indigenen Völker sehr wichtig. Die Ureinwohner stemmen sich insbesondere gegen die Förderung von Uran. Durch die Einstufung als Nationalmonument – ein Status ähnlich dem eines Nationalparks – werden keine neuen Uranförderrechte mehr vergeben. Mehr dazu lesen Sie hier.

Joe Biden am 8. August im Grand Canyon Village in Arizona

Joe Biden am 8. August im Grand Canyon Village in Arizona

Foto: Alex Brandon / AP

Bedrohte Tierart: Südafrika richtet Pinguin-Schutzzonen ein
Sie waren mal eine Million Paare, inzwischen gibt es vor Ort nur noch etwa 10.000: Südafrika sorgt sich um seine Pinguine – und greift nun durch. So soll etwa die Fischerei künftig in mehreren Meeresgebieten verboten werden, in denen die Seevögel leben.

Gerettetes Walross-Baby will rund um die Uhr knuddeln
Es dürfte etwa einen Monat alt sein, wiegt bereits 68 Kilogramm und trinkt alle drei Stunden einen Liter Milchnahrung: Ende Juli entdeckten Arbeiter einer Ölplattform in Alaska ein verwaistes Walrossjunges in Not. Es wurde in das mehr als Tausend Kilometer entfernte Alaska SeaLife Center in Seward geflogen und wird dort nun aufgepäppelt. Dazu gehört auch: Dauerkuscheln. »Walrosse lieben es, sich aneinander zu legen, wir wollen diese Nähe so gut es geht simulieren«, sagte Tierärztin Carrie Goertz. Die Mitarbeiter wechseln sich bei der Versorgung ab: In Achtstundenschichten setzen sie sich neben das Kalb, füttern es und bieten ihm an, sich anzukuscheln.

Das Walrossjunge sucht die Nähe zu den Pflegern

Das Walrossjunge sucht die Nähe zu den Pflegern

Foto: Kaiti Grant / Alaska SeaLife Center / AP

Deutschlandticket könnte Mobilität im Land stärker verändern als angenommen
Es wird Millionenfach verkauft und bringt mehr Menschen als erwartet von der Straße auf die Schiene: Im Vergleich zu früher seien laut einer Analyse pro Werktag »durchschnittlich fast 100.000 weniger Pendler mit dem Auto unterwegs«, schreibt mein Kollege Arvid Haitsch in seinem Text über das Deutschlandticket . Verkehrsbetriebe ordern demnach bereits mehr Züge, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen, etwa in Sachsen-Anhalt.

Frauenrechte: Bulgarien bekommt schärferes Gesetz gegen häusliche Gewalt
Tausende Demonstrierende waren in Bulgarien gegen häusliche Gewalt auf die Straße gegangen. Durch eine Gesetzesnovelle sollen nun Frauen besser geschützt werden – und Täter härter bestraft.

Erste Pille speziell gegen Wochenbettdepressionen in den USA zugelassen
Depressionen nach der Geburt sind eine ernsthafte Erkrankung. In den USA ist nun erstmals eine Tablette gegen genau dieses Krankheitsbild zugelassen worden. »Der Zugang zu einem oralen Medikament wird für viele dieser Frauen eine nützliche Option sein, die mit extremen und manchmal lebensbedrohlichen Gefühlen zu kämpfen haben«, sagte Tiffany R. Farchione von der FDA.

Was gut ist – für Sie:

21 Grad und Sonnenschein: Das ist das perfekte Wetter für die Psyche
Der Psychologie-Professor Trevor Harley sagt von sich, er sei »vom Wetter besessen«. Im Interview mit meiner Kollegin Maren Keller erklärt er, wie Sonne, Regen und Gewitter unser Leben beeinflussen – und welche Wetterlage gut ist für fokussiertes Denken und welche für Kreativität. Sogar Bewerbungsgespräche verlaufen demnach anders, je nachdem, ob sie an einem bewölkten oder an einem sonnigen Tag stattfinden. Lesen Sie das ganze Interview .

So viele Schritte am Tag sollten Sie gehen – es sind weniger als gedacht
10.000 Schritte am Tag sind gut für die Gesundheit, so dachten wir lange. Für all jene, die der Zahl Tag für Tag vergeblich hinterherlaufen, kommt jetzt eine gute Nachricht: Einer neuen Studie zufolge sinkt die Sterblichkeit schon bei deutlich weniger Schritten. Meine Kollegin Marthe Ruddat erklärt hier , warum rund 4000 Schritte täglich schon das allgemeine Sterberisiko senken. Das sind gerade mal um die 2,5 Kilometer!

Foto: Eugenio Marongiu / Westend61 / Getty Images

Neues Behandlungskonzept: Gehirn-Reboot soll Rauchern das Qualmen abgewöhnen
Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören – aber meistens schwierig. In den USA hilft Menschen nun eine Hirnstimulation, von Zigaretten loszukommen. Hierzulande könnte die Methode ab 2025 empfohlen werden. In dem Text meiner Kollegin Alina Schadwinkel  aus unserem Wissenschaftsressort wird es als »völlig neues, vielversprechendes Behandlungskonzept« beschrieben.

Weniger Kosten, mehr Geschwindigkeit: So sparen Sie bei Handy- und Internet
Zugegeben, es braucht recht viel Disziplin und den richtigen Moment. Aber wenn Sie ihn erwischen, können Sie einiges an Geld sparen. In diesem Text  erfahren Sie, wie Sie bei Handyverträgen leicht sparen können – und schneller surfen. Kurz gesagt: Sie müssen nur häufig wechseln. Kompliziert ist es nicht – seit etwa einem Jahr müssen alle Anbieter einen Kündigungsbutton auf ihrer Website einbauen, wenn dort Laufzeitverträge verkauft werden.

Das sind die schönsten Campingplätze der Bretagne
Sandstrände, Küstenwanderwege und frische Austern: Die schönsten Campingplätze im Nordwesten Frankreichs liegen direkt am Wasser und kosten ab 20 Euro pro Nacht. Und zwar hier .

Foto: Leon Ginzel

Nach den Ferien kommt die Schule: So gelingt der Schulstart – das ABC für Eltern
In den kommenden Wochen werden nicht nur deutschlandweit Erstklässler eingeschult, sondern auch deren Eltern. Für die hat uns die Grundschullehrerin und dreifache Mutter Saskia Niechzial Tipps gegeben – von »Cool bleiben« über »Geheimcode« bis zu »Loslassen«. So wie: »Ihr Kind wird im Schulalltag unweigerlich herausfordernde Situationen erleben. Seien Sie sicher: Die Wahrscheinlichkeit, dass es gute Wege findet, damit umzugehen, ist hoch.« Lesen Sie hier  das Ganze ABC für Eltern von Grundschülerinnen und Schülern.

Und sonst?

Besonders berührt haben mich diese Woche zwei Texte meiner Kollegin Petra Maier. In dem einen berichtet eine Mutter über die Transition ihres Kindes, in dem anderen eine Ehefrau über die Transition ihrer Partnerin. Ehrlich und unverstellt berichten die Frauen von ihren anfänglichen Ängsten, Schwierigkeiten auf dem Weg, aber auch von bedingungsloser Liebe, die völlig geschlechtsunabhängig ist.

Sandra Höstermann-Schüttler (r.) mit ihrer Frau

Sandra Höstermann-Schüttler (r.) mit ihrer Frau

Foto: Francesco Giordano / DER SPIEGEL

Sandra Höstermann-Schüttler, deren Frau sich nach 20 Jahren heterosexueller Ehe outete, sagt sogar: »Wenn man so etwas gemeinsam durchsteht, schweißt das zusammen.« Und: »Für mich selbst hat sich an unserem Zusammenleben nicht viel verändert. Insgesamt ist meine Frau aber fröhlicher und entspannter geworden.« Was ihr allerdings durchaus geholfen hätte: »Wenn Transidentität in unserer Gesellschaft akzeptierter wäre.«

Ihre gute Nachricht

Sandra aus Magdeburg schrieb uns:

»Hallo Team von Alles Gute,
ich erfreue mich an Ihren Beiträgen und bin positiv gestimmt über all das Gute in der Welt. Ich habe gestern, im 24-Stunden-Bereitschaftsdienst als Operationsschwester ein sehr schönes Erlebnis erfahren dürfen. Eine alte Dame aus dem Pflegeheim, dement und sehr krank, hatte einen Oberschenkelhalsbruch erlitten und sollte operiert werden. Ihr Zustand war jedoch äußerst kritisch und ihre Werte zeigten, dass sie die Operation nicht überleben würde. Die Patientin lag schon auf dem OP-Tisch. Unser beherzter, junger Anästhesist, der auch Geriater ist, nahm sich daraufhin der alten Dame an, wir gaben ihr ein Schmerzmittel, sagten dem OP-Team Bescheid, dass der Eingriff nicht stattfinden würde und blieben bei ihr, bis sie diese Welt verlassen hatte. So wurde ihr das Sterben während der Operation erspart. Für mich war es ein sehr bedeutender Moment, zu sehen, dass ein Mensch in Würde sterben darf, ohne dass noch Maßnahmen an ihm durchgeführt werden, die nicht zum Erfolg führen würden. Es wäre schön, wenn es mehr von diesen Ärzten gäbe, die in einem Patienten nicht nur eine Abrechnungsnummer sehen.«

Wenn Ihnen etwas Schönes widerfahren ist, Sie etwas erlebt, gesehen, gehört haben, das Sie teilen möchten: Schreiben Sie uns. Per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de . Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen.*

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, bleiben Sie optimistisch!

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Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort

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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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