Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute – der Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten So können Frauen in Zukunft besser medizinisch behandelt werden
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Herzlich Willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten aus der Woche. Schön, dass Sie da sind!
»Das Geheimnis der Frauenherzen«, so war ein Artikel meiner Kollegin Julia Koch in dieser Woche betitelt. Der Text beschreibt die Arbeit der italienischen Biophysikerin Claudia Crocini. Sie forscht am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung an der Berliner Charité an einer Frage, die uns alle angeht: Warum verlaufen Erkrankungen des Herzens je nach Geschlecht unterschiedlich? Und wie kann man sicherstellen, dass Frauen genauso gut medizinisch behandelt werden wie Männer?
Crocini sagt, bislang habe dieser Fakt in der Medizin kaum Berücksichtigung gefunden. Herzkrankheiten gelten als Männerproblem. Mit der Folge: Obwohl einige Krankenhäuser hierzulande inzwischen Herzsprechstunden speziell für Frauen anbieten, werden im Schnitt Herzinfarkte bei Frauen in Deutschland noch immer nicht so schnell erkannt wie bei Männern. Ebenso im Labor: Die meisten Tierversuche würden mit männlichen Versuchsobjekten durchgeführt, und auch in menschlichen Zellkulturen stamme das Material meist von Männern.
Und jetzt zum Sport: Fahrradtraining im Freien – hält auch das Herz fit
Foto: Johnce / E+ / Getty ImagesLangsam ändert sich das nun. Was an Wissenschaftlerinnen wie Crocini liegt, die dafür kämpfen, dass die »Geschlechtsspezifische Medizin« mehr Beachtung in der Forschung findet. Und es liegt an jungen Studierenden wie Sebastian Paschen, die die Medizin von unten revolutionieren wollen. Denn Paschen macht bereits im Studium, dort, wo die Grundlagen gelehrt werden, das Geschlecht zum Thema.
Der Student sagt über seinen Lehrplan: »Man lernt alles am Beispiel des männlichen Patienten – der dient als Schema F für jede Person, die einem später einmal gegenübersitzt.« Dabei reagieren Frauen und Männer etwa unterschiedlich auf Medikamente, Geschlechtshormone beeinflussen das Immunsystem verschieden. Gemeinsam mit Kommilitonen gründete Paschen an der Uni Greifswald deshalb die Initiative »Geschlecht in der Medizin« , startete bundesweit Projekte an Universitäten. Damit in Zukunft alle bessere medizinische Behandlungen erfahren. Was der Student schon erreicht hat, lesen Sie in diesem Text von Ruth Eisenreich .
Ein anderes Thema – auch eins, das Sie freuen dürfte: Seit dieser Woche gilt das Deutschlandticket. Für 49 Euro im Monat können Reisende landesweit den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Hier empfehlen SPIEGEL-Redakteurinnen und -Redakteure , wohin Sie unbedingt fahren sollten. Meine Kolleginnen und Kollegen erzählen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen, die sie auf den schönsten Bahnstrecken Deutschlands gemacht haben: von der Nordsee bis zu den Alpen, vom Rhein bis zur Elbe.
Übrigens: Im wohlhabenden Großherzogtum Luxemburg ist Bus- und Bahnfahren schon seit drei Jahren für alle kostenlos. Wie das System funktioniert – und was Deutschland lernen kann, erfahren Sie hier .
Auch hier kann man mit der Bahn entlangfahren: Durchs Rheintal an der Loreley bei Sankt Goarshausen vorbei
Foto: Hiroshi Higuchi / The Image Bank / Getty ImagesWas diese Woche noch gut war – für die Welt:
»Weil wir zu viel arbeiten«: SPD-Chefin Esken befürwortet Viertagewoche mit vollem Lohn
Viele Deutsche können ihren Alltag offenbar wegen zu viel Arbeit kaum noch bewältigen – deshalb spricht sich SPD-Chefin Saskia Esken für die Viertagewoche aus. Kann sich Deutschland diese überhaupt leisten? Das hat mein Kollege Florian Diekmann aus dem Wirtschaftsressort recherchiert. In seinem interessanten Text beschreibt er noch ein weiteres alternatives Modell, das vor allem Frauen und Familien besserstellen könnte.
Erfolgreiches Auswilderungsprojekt auf Borneo: Orang-Utan Ben schafft den Schritt in die Freiheit
Vor sechs Monaten ist der Menschenaffe Ben in die Wildnis entlassen worden. Nun hat die beteiligte Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival) mitgeteilt: Ben habe den Sprung in die Freiheit mit Bravour gemeistert. Das Tier war jahrelang auf das Leben im Dschungel vorbereitet worden. Ein langwieriger Prozess. Orang-Utans leben heute nur noch auf den Inseln Borneo und Sumatra. In freier Natur könnten sie Experten zufolge in wenigen Jahrzehnten ausgestorben sein. Deshalb sind erfolgreiche Auswilderungen, wie die von Ben, eine gute Nachricht.
Rechte von Frauen und Mädchen: Unicef meldet weltweiten Rückgang bei Kinderehen
Der Ausgangspunkt dieser Meldung ist ein trauriger. Immer noch werden zwölf Millionen Mädchen jährlich vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Doch es gibt positive Entwicklungen. Der Anteil an Mädchen in Kinderehen geht laut Unicef zurück, es gebe vor allem Fortschritte in Südasien. Die Region sei auf dem besten Weg, Kinderehen in rund 55 Jahren ganz abzuschaffen, heißt es in dem Unicef-Bericht. Aus dem man auch herauslesen kann, wie wichtig es ist, weltweit die Krisen- und Konfliktherde zu reduzieren: Je stabiler das Umfeld und das Land sind, in dem Mädchen aufwachsen, desto weniger Kinderehen werden geschlossen.
Kinderbraut im Flüchtlingslager Cox's Bazar in Bangladesch
Foto: Allison Joyce / Getty ImagesBluetooth-Tracker wie AirTags: Apple und Google wollen Stalking verhindern
Ortungsgeräte wie Apples AirTags werden für die Suche nach verlorenem Gepäck oder Schüsseln genutzt. Jedoch wird damit auch Stalking betrieben. Apple und Google wollen dagegen nun mit Technologie vorgehen: Smartphones sollen in Zukunft ihre Besitzerinnen und Besitzer darauf aufmerksam machen, wenn sich in ihrer Nähe ein unbekanntes Gerät mit ihnen mitbewegt. Wie wichtig diese Vorsichtsmaßnahmen sind, zeigt die SWR-Recherche meiner ehemaligen Kollegin Sonja Peteranderl. »Tracken, stalken …töten? Psychoterror mit Trackern von Apple, Samsung & Co.«, die Sie hier in der Mediathek sehen können .
Was gut ist – für Sie:
Onlinedating Ü50: »Es hat sich gelohnt, vergangenes Jahr haben wir geheiratet«
Nach 20 Jahren Ehe auf der Suche nach einem neuen Partner – diese drei Frauen über 50 haben sich Dating-Apps heruntergeladen und erzählen hier , was sie in Online-Singlebörsen erlebt haben – und was Neueinsteigerinnen vorab wissen sollten.
Entwarnung an alle Elten von Schulkindern: Schwere Ranzen verursachen keine Rückenprobleme
Wie ergonomisch muss ein Schulranzen sein, und vor allem: Wie viel darf er wiegen? Der Orthopäde Robert Rödl sieht diese Fragen entspannt: »Es ist völlig egal, welchen Ranzen Sie für Ihr Kind kaufen.« Haltungsschäden und Rückenprobleme seien nicht zu befürchten, ein Schulweg mit schwerem Gepäck sei sogar eher ein gutes Training. Lesen Sie hier den ganzen Text .
Entspannungsübungen für den Nacken: Wie man sich in wenigen Sekunden locker macht
Vielleicht sind es nicht die Schulranzen, aber es gibt ja auch noch die Stunden vor Tastatur und Laptop, Zeitdruck und Ärger – kurz: Alltagsstress setzt unserem Nacken zu. Ich weiß, wovon ich schreibe. Umso interessanter fand ich das Versprechen der Wissenschaftlerin Eva Asselmann, die hier im Interview erklärt , wie man innerhalb von 20 Sekunden in einen Zustand intensiver Tiefenentspannung kommen kann. Zugegebenermaßen muss man wohl vorher etwas trainieren. Hat man die Übungen aber einmal drauf, lassen sie sich in jeden noch so vollen Tag packen.
Entspannungsübungen für den Alltag: »Fühlen Sie mal in Ihren Nacken«
Foto: Javier Pardina / Westend61 / Getty ImagesDie gute Idee aus dem Archiv:
Kommen wir von der Entspannung in die Bewegung. Beides ist wichtig. Es ist unübersehbar, dass die Joggingsaison wieder angelaufen ist. Gerade, wer im Winter auf der Couch pausiert hat, verfolgt jetzt möglicherweise neben dem Fitwerden noch ein weiteres Ziel: etwas Gewicht verlieren. In unserem beliebten Text aus dem Archiv erklärt der Physiologe Erik Willis, wie Sie beim Joggen am meisten abnehmen. Was ich Ihnen schon verraten kann: Es hängt auch von der Tageszeit ab, zu der Sie laufen gehen. Hier geht’s zum Interview.
Ihre gute Nachricht:
Barbara S. aus Berlin hat uns ihr schönstes Erlebnis der Woche eingesandt, das auch uns verzückt hat:
»Ich wohne seit 20 Jahren in Berlin, mitten in Neukölln. Wir haben einen sehr schönen Hinterhof, ein Park ähnlicher Gemeinschaftsgarten, umschlossen von den Häuserzeilen der vier Seitenstraßen. Vor einigen Nächten ist mir zum ersten Mal eine ungewöhnliche Geräuschkulisse im Garten aufgefallen, die ich nicht einordnen konnte. Wer bitte schaukelt denn mitten in der Nacht?, dachte ich, schloss die Balkontür und ging schlafen.
Aber auch in der nächsten Nacht tönte es quietschend und beinahe schreiend durch den Garten. Mein Freund brachte mich auf die Idee, dass es vielleicht ein Vogel sein könnte, also lud ich eine Vogelstimmen-App runter. Und siehe da, sie identifizierte die Waldohreule. Am nächsten Morgen ging auf die Suche, und tatsächlich saßen auf einem Baum am anderen Ende des Gartens drei kleine flauschige Eulenküken eng aneinander gekuschelt. Was für ein Anblick! Was für ein Geschenk! Eine Nachbarin kam dazu und so standen wir dort mit den Köpfen im Nacken und starrten entzückt nach oben. Dieses schöne Naturerlebnis mitten in der anonymen Stadt verbindet ungemein und macht mir Hoffnung. Ich hoffe, die drei Kleinen werden nicht zu schnell flügge und bleiben uns noch etwas erhalten.«
Leserin Barbara S. fotografierte diese Waldohreulen in ihrem Gemeinschaftsgarten in Berlin
Foto: Barbara SchrammUnd jetzt sind Sie dran: Schicken Sie uns gern per Mail an GuteNachrichten.Newsletter@spiegel.de Ihre ganz persönliche gute Nachricht aus der Woche – was ist Ihnen Gutes widerfahren, was haben Sie Schönes erlebt, gesehen, gehört? Es kann etwas Kleines sein oder etwas Lebensveränderndes. In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle wieder eine Einsendung vorstellen*.
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Ihre Lena Greiner, Team- und Projektleiterin »Globale Gesellschaft« im Auslandsressort
(*Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer – auf Wunsch – anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)
Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.