Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute vom SPIEGEL Wie eine Mutter dafür kämpft, dass Drogen auf Rezept kein Kind mehr töten
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In dieser Woche möchte ich Ihnen von einer Frau erzählen, die ihr einziges Kind verloren hat. Und die jetzt darum kämpft, dass anderen Eltern dieses Schicksal erspart bleibt. Meine Kollegin Heike Klovert hat Mandy Jörgensen, 44, gelernte Verwaltungsfachangestellte aus Ahrensbök in Schleswig-Holstein, dabei begleitet.
Es sind zwei blau-weiße Zettel, die Jörgensen immer wieder Kraft geben. Auf ihnen steht: »Alprazolam 1mg Tabl 20 St und 50 St, 1x1 tgl« – es sind Privatrezepte für ein Schlaf- und Beruhigungsmittel. Ausgestellt im Januar 2023 von einer Hausarztpraxis für ihren damals 19-jährigen Sohn.
70 Tabletten, verschrieben in nur acht Tagen. Alprazolam ist ein Medikament, das schnell abhängig macht. Und von dem Experten sagen, dass es jungen Menschen normalerweise nur bei einer stationären Behandlung in der Psychiatrie verordnet werden soll, für möglichst nicht länger als vier Wochen.
Mandy Jörgens Sohn Bruce bekam es beim Hausarzt. Ein Dreivierteljahr später war der Teenager tot.
Schatulle mit einer Locke von Bruce: 70 Tabletten, verschrieben in nur acht Tagen
Foto: Fabian Ritter / DER SPIEGEL
Mutter Mandy Jörgensen: »Ich bin so wütend«
Foto: Fabian Ritter / DER SPIEGELSeine Mutter hätte daran leicht zerbrechen können, vielleicht auch schon davor. Bruce kam vom Kiffen zu den Benzos und Opioiden, also starken Beruhigungs- und Schmerzmitteln. Er nahm weitere Drogen. Dealte und stahl, knackte Autos. Als er 18 war, hatte er bereits so viel im Leben durchgemacht, dass er aufhören wollte. Als Bruce strauchelte, bekam er neue Drogen – dieses Mal vom Hausarzt, der wohl entweder keinen Verdacht schöpfte oder wegsah.
Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als medikamentenabhängig. Für abhängige Kinder und Jugendliche gibt es bundesweit nur insgesamt 240 Betten in geeigneten Einrichtungen, sagt Rainer Thomasius von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. »In Deutschland muss man erst erwachsen werden, bevor Suchthilfe wirklich greift.«
Bruce starb, bevor er erwachsen wurde. Aber Mandy Jörgens kämpft seit seinem Tod dafür, dass andere Kinder leben können. Sie hat Petitionen verfasst, einen eigenen Podcast gestartet. Sie nutzt ihre Erfahrung aus der Verwaltung, um dabei den Überblick zu behalten. Im Winter sprach sie im Landtag von Schleswig-Holstein. Inzwischen haben sich etwa 50 Eltern bei ihr gemeldet.
Mandy Jörgens sagt, sie überlege derzeit, was sie noch tun könne. Aufgeben sei keine Option.
Ihre ganze Geschichte können Sie hier lesen. Ich empfehle sie Ihnen sehr.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Die Finnen sind die glücklichsten Menschen der Welt – mal wieder
Zum achten Mal in Folge steht Finnland an der Spitze des Weltglücksrankings. Dahinter folgen mit Dänemark, Island und Schweden weitere nordeuropäische Länder. Der entsprechende Bericht wird jedes Jahr von einem interdisziplinären Forscherteam um das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford zum Weltglückstag am 20. März veröffentlicht. Er liefert Einblicke, wie es um die Zufriedenheit und die wahrgenommene Lebensqualität der Menschen in aller Welt bestellt ist. Bewertet werden ganz unterschiedliche Faktoren wie die Wirtschaftsleistung eines Landes, Gesundheit, das Freiheitsgefühl, die Großzügigkeit der Menschen und die Wahrnehmung von Korruption. Deutschland liegt übrigens auf Platz 22 – etwas besser, als noch im Vorjahr. Warum ausgerechnet die Menschen in Sachsen-Anhalt recht glücklich sind und was einen Wissenschaftler am Glücksvergleich stört, lesen Sie hier.
Deutsche Umwelttechnik-Start-up sind begehrt
Junge Unternehmen, die an grünen Technologien arbeiten, erhalten in Deutschland besonders viel Geld von Investoren. Jeder vierte Euro, der in den vergangenen fünf Jahren in ein Start-up aus Deutschland investiert wurde, floss laut einer Studie in diesen Bereich. »Deutschland ist hier Vorreiter«, heißt es im »Greentech-Monitor 2025« des Deutschen Startup-Verbands. Der Anteil liege deutlich höher als in Großbritannien mit 18 Prozent oder in den USA mit zwölf Prozent. Warum sich diese Entwicklung noch verstärken könnte, erfahren Sie hier.
Qualitätskontrolle bei Dresdner Start-up Sunfire
Foto:Sebastian Kahnert / dpa-Zentralbild / dpa
Vier Schneeleoparden sorgen in Pakistan für Begeisterung
In den schneebedeckten Klippen im Norden Pakistans ist dem Wildhüter und Hobbyfotografen Sakhawat Ali ein seltenes Kunststück gelungen: Er machte Aufnahmen von vier gemeinsam umherziehenden Schneeleoparden – und löste damit unter Naturschützern große Aufregung aus. Die Raubkatzen zählen zu den am schwersten zu fassenden Tieren in freier Wildbahn. Dass nun vier von ihnen gesichtet wurden, gilt als Erfolg für die pakistanischen Naturschutzbemühungen.
Wellensittiche und Menschen plappern offenbar ähnlich
Papageien können nicht nur sprechen, sie können lebenslang neue Begriffe lernen. Auch viele Wellensittiche sprechen Wörter oder sogar ganze Sätze nach. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Gehirne von Menschen und Wellensittichen auf ähnliche Weise daran beteiligt sind, wenn Töne erzeugt werden. Profitieren sollen davon auch Menschen. Durch die Erforschung von Wellensittichen könnten künftig Behandlungen von Sprachstörungen vorangebracht werden, hoffen die Forscher.
Wellensittiche können nicht nur plappern, sondern offenbar auch Töne kreativ neu kombinieren
Foto:imagebroker / IMAGO
Inhaftierter Franzose kommt nach 887 Tagen aus Iran frei
Zwei in Iran festgehaltene Franzosen sind wieder frei. Der seit Oktober 2022 inhaftierte Olivier Grondeau ist inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt. Ein weiterer Franzose, dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde, hatte Iran nach Angaben des Pariser Außenministeriums nach mehrwöchigem Hausarrest ebenfalls verlassen. Der 34-jährige Grondeau wurde unmittelbar nach dem Ausbruch der Frauenproteste festgenommen. Laut Medienberichten war er auf einer Weltreise.
Forscher weisen hohe Wirksamkeit von Mpox-Impfung nach
Die Impfung gegen die Infektionskrankheit Mpox weist einer Studie der Berliner Charité zufolge eine hohe Wirksamkeit auf. Dies habe ein Forscherteam im Auftrag der Europäischen Arzneimittelagentur herausgefunden, so die Universitätsklinik. Die WHO hatte wegen mehrerer Mpox-Ausbrüche in Afrika im August 2024 die höchste Alarmstufe und eine »gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite« ausgerufen. Jetzt wollen die Wissenschaftler weitere Fragen klären.
Was gut ist – für Sie:
So stärken Sie Ihre Knie und Schultern
»Das Aufstehen am Morgen nach meiner wöchentlichen Fußballrunde läuft in der Regel nicht so rund«, schreibt mein Kollege Jörg Römer im SPIEGEL Extra Fitness. »Ich habe gelegentlich das Gefühl, man müsse es sogar hören können, wenn ich aus dem Bett klettere.« Im Gespräch mit dem Gelenkspezialisten Wolfgang Schillings erfährt er, welche Übungen schnell helfen und warum Blutegel in der Sportmedizin manchmal gute Verbündete sind. Alle Tricks für gesunde Gelenke finden Sie hier.
Wie Urlaub im Hotel, nur deutlich günstiger
Jugendherbergen gelten als muffige Orte, bestenfalls geeignet für Klassenfahrten. Dass das längst nicht mehr stimmt, hat mein Kollege Dietmar Hipp auf 1246 Meter Höhe im Hochschwarzwald erfahren. Dort übernachtete er mit seinen beiden Söhnen zwei Nächte lang, direkt im Skigebiet, für nicht einmal 230 Euro. Vollpension inklusive. Auch andere Unterkünfte haben sich aufgehübscht. Oft sind sie an Orten, die auf Airbnb unbezahlbar wären. »Man hatte das Gefühl, man ist im Grandhotel«, schwärmt etwa in Nürnberg eine Frau. Alle Details und weitere Tipps stehen hier.
Und auch der Smarter-Leben-Podcast zeigt Ihnen in der aktuellen Folge, wie Reisen ohne Hotels und Airbnb funktioniert.
Speisesaal der Jugendherberge Nürnberg: Sogar Cocktails gibt es – frisch gemixt
Foto: Robert Pupeter / DJH BayernDiese Kindersitze fürs Fahrrad sind wirklich gut
In dieser Woche startet der Frühling, gut möglich, dass Sie da endlich wieder aufs Fahrrad wollen. Welche Schlösser die besten sind, hatten wir Ihnen bereits vergangene Woche verraten. Ein aktueller Vergleich der Stiftung Warentest zeigt nun, welche Fahrradkindersitze gut, bezahlbar und sicher sind. Entscheidend ist dabei, was für ein Rad Sie fahren. Die gute Nachricht verrate ich Ihnen aber vorweg: Acht von 14 Sitzen wurden mit der Note »gut« bewertet.
Und sonst?
Empfehle ich Ihnen wärmstens die Geschichte meiner Kollegin Tabea Langert, die eine junge Auszubildende begleitet hat. Fanny Grandjean ist 21 Jahre alt und hat einen besonderen Wunsch: Sie möchte Bestatterin werden. Während andere Branchen mit Überalterung und Fachkräftemangel kämpfen, ist beides im Bestattungswesen unbekannt. Die Zahl der Interessierten steigt seit Jahren, hauptsächlich junge Frauen bewerben sich. Und der demografische Wandel? Sorgt dafür, dass sie auf Jahre einen sicheren Job haben. Nun ja.
»Sie hatte auch mit dem Gedanken gespielt, Psychologie zu studieren, Management oder Medizin, um Pathologin zu werden«, schreibt meine Kollegin in ihrer Reportage. »Ein wenig vereint ihr Beruf jetzt all die Bereiche.«
Auszubildende Fanny Grandjean bei der Arbeit
Foto:Tabea Langert / DER SPIEGEL
Es geht auch darum, dass junge Menschen heute stärker darauf achten, die Arbeit als sinnstiftend zu erleben. Und wie eine Bestatterin damit umgeht, wenn sie selbst Trauer spürt. »Wenn ich jetzt sterben würde, wäre das für mich nicht schlimm«, sagt die Auszubildende an einer Stelle. »Ich habe mein Leben bis jetzt in vollen Zügen gelebt. Mein Beruf gibt mir echten Seelenfrieden.«
Ein bemerkenswerter Satz für eine 21-Jährige. Und eine Erinnerung daran, das Leben bewusst zu gestalten. Die ganze Reportage lesen Sie hier.
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Ich wünsche Ihnen ein erholsames und sonniges Frühlingswochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihr Jan Petter, Redakteur des SPIEGEL
Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.