Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
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In dieser Newsletter-Ausgabe möchte ich Sie ins Frankfurter Bahnhofsviertel mitnehmen. Genauer: Ich lasse Sie mitnehmen, und zwar von Mohamed Bousaaidi – auf TikTok bekannt als M069.
Der Content-Creator streamt auf der Plattform regelmäßig live aus dem deutschen Drogenhotspot. Dabei spricht er mit Menschen, die auf der Straße leben und mit ihren Suchtproblemen kämpfen. Und er hilft ihnen, indem er sie zur Entgiftung anmeldet oder zu Ärztinnen und Ämtern begleitet.
Mohamed Bousaaidi im Gespräch: Hunderte sehen live zu
Foto:Marvin Ruppert / DER SPIEGEL
Das Besondere: Bousaaidi macht das alles nicht als Sozialarbeiter, sondern als TikToker. Dafür erntet er auch Kritik. Gleichzeitig bewirkt seine Arbeit Gutes bei den Menschen – auch dank seiner Zuschauer auf TikTok. Die sammeln regelmäßig Spenden auf PayPal. Mehr als 100 helfen inzwischen auch im real life als Helferinnen und Helfer auf der Straße. Bousaaidi nennt sie seine »Armee aus Herzensmenschen«.
Nun zur offensichtlichen Frage: Warum macht dieser Mann das? Geht es hier um Aufmerksamkeit, Geld oder beides? Ja, darum geht es auch. Schließlich will jeder Content-Creator mit seinen Inhalten erfolgreich sein. Doch da ist noch mehr: Bousaaidi hat selbst eine Drogenvergangenheit als Dealer. Damit finanzierte er seine Spielsucht, was ihn schließlich ins Gefängnis brachte.
Die Community auf TikTok hilft: Online mit Spenden und in real life im Team
Foto:Marvin Ruppert / DER SPIEGEL
»Der Knast war mein Glück, meine Rettung«, sagte Bousaaidi meiner Kollegin Dialika Neufeld. Sie hat Bousaaidi und sein Team zwei Tage lang durch Frankfurt begleitet. Der TikToker erzählte ihr, was ihn in der Haft zum Umdenken gebracht hat und wie er zu seiner heutigen Arbeit kam. Entstanden ist eine eindrückliche Reportage. Ich empfehle sie Ihnen sehr!
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
KI-Agenten forschen an Coronaabwehr
Eine KI bekam den Auftrag, sich selbst eine Gruppe virtueller Expertinnen und Experten zusammenzustellen, um nach neuen Coronaantikörpern zu suchen. Das Agententeam war überraschend erfolgreich: Binnen weniger Tage und mit minimalem menschlichem Beitrag entwarf es 92 Nanokörper. Das sind winzige Proteine, die wie Antikörper funktionieren, aber weniger komplex und damit leichter zu berechnen sind. Tatsächlich erwiesen sich zwei davon in Labortests als vielversprechend. Lesen Sie hier einen Text zum Experiment.
Wale und Delfine spielen miteinander
Begegnen sich Bartenwale und Delfine in freier Wildbahn, verläuft das manchmal freundlich oder sogar spielerisch. Das fanden die australischen Meeresbiologen Olaf Meynecke und Olivia Crawley heraus, die Interaktionen zwischen den Meeressäugern untersuchten. Ihre These: Delfine suchen bewusst die Nähe der Wale – und auch die Wale genießen das Zusammentreffen und regen dadurch ihre Kreativität an. Hier erfahren Sie mehr zur Untersuchung.
Buckelwale und Delfine vor Australien: Spielerische Begegnung
Foto: Wildlive Media / Griffith Universität / dpaZahl an Übernachtungen in Deutschland erreicht Rekordwert
Deutschland wird als Reiseziel immer beliebter: Das Statistische Bundesamt registrierte in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 223 Millionen Übernachtungen. Das sind 0,1 Prozent mehr als der bisherige Höchstwert aus dem vergangenen Jahr. Vor allem Deutsche bereisten das Inland, was zusätzlich gut für die Umwelt ist. Lesen Sie hier die ganze Meldung.
In Italien drohen nun hohe Strafen für das Wegwerfen von Müll aus dem Auto
Die italienischen Behörden gehen härter gegen vermüllte Straßen vor. Bis zu 18.000 Euro drohen ab heute denjenigen, die Unrat aus dem Auto werfen. Bei Zigarettenstummeln und Essensresten werden bis zu 1188 Euro fällig. Autofahrer, die Müll im Naturschutzgebiet wegwerfen, müssen im schlimmsten Fall mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Das ist drastisch, hilft aber im besten Fall der Umwelt. Erfahren Sie hier mehr.
Was gut ist – für Sie:
So werden Sie Fruchtfliegen wieder los
Es ist mir unangenehm, aber vor Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, oute ich mich: Unsere Küche hat seit dieser Woche ein Fruchtfliegen-Problem. Das ist eklig, bei den hohen Temperaturen jedoch kein Wunder. Passend zur Saison hat meine Kollegin Veronika Silberg einen Text über die Plagegeister geschrieben und Anleitungen für zwei Fallen geteilt. Hier finden Sie den Artikel zum Nachmachen.
So schützen Sie Babys und Kleinkinder vor Sonne und Hitze
Apropos Hitze: Diese kann nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für die Kleinsten zum Problem werden. Je jünger ein Kind ist, desto größer ist die Gefahr, dass es überhitzt. Für Babys können schon Temperaturen ab 25 Grad zum Problem werden. Worauf Eltern achten sollten, erfahren Sie hier .
Gut ausgestattet: Babys und Kleinkinder sollten mit UV-Kleidung geschützt werden
Foto: Onfokus / E+ / Getty ImagesSo entscheiden Sie, ob Smartwatch oder Fitnessarmband
Sollten Sie zu denjenigen gehören, die trotz des eh schon hohen Schweißrisikos ihre Sportroutine durchziehen, könnte dieser Artikel interessant für Sie sein: Mein Kollege Jörg Römer hat Smartwatches und Fitnessarmbänder verglichen. Finden Sie hier heraus, welches Gadget am besten zu Ihnen passt.
So können Sie sich überwinden, nach mehr Geld zu fragen
Lieber Chef, wenn Du das hier liest … Nein, Quatsch – noch verschone ich meinen Vorgesetzten, der diesen Newsletter übrigens korrekturliest, mit Gehaltsverhandlungen. Für das nächste Gespräch bin ich dank der Tipps von Finanzexpertin Susan J. Moldenhauer jedoch bestens gerüstet. Erfahren Sie hier , wie Sie Ihre Emotionen für Verhandlungen nutzen können und welche Fragen Sie sich zur Vorbereitung stellen sollten.
Und sonst?
Möchte ich mit Ihnen zum Abschluss über den Tod sprechen. Das Thema ist an sich nicht positiv – doch die indigene Gemeinschaft der Ga in Ghana hat einen Weg gefunden, lebensbejahend mit dem Lebensende umzugehen: Die Gemeinschaft feiert den Tod eines nahen Menschen nämlich mit Särgen, die so bunt sind wie das Leben des Verstorbenen.
Ein verstorbener Mitarbeiter der Ghana Railway Company wird 2023 mit einem Sarg in Gestalt einer Ghana-Railway-Lokomotive geehrt (Sarg: Daniel Mensah)
Foto: Regula TschumiDie Fotografin und Anthropologin Regula Tschumi forschte jahrelang zum Beerdigungskult der Ga und fotografierte auf Trauerfeiern. Als meine Kollegin Nadine Wolter ihre Bilder online entdeckte, wollte sie sofort mehr wissen – und hat ein Interview mit der Expertin geführt: »In dem Gespräch habe ich gelernt, dass kein Gefühl absolut ist und neben Trauer auch Freude und Dankbarkeit existieren können, wenn man sich Zeit gibt«, sagte mir Nadine.
Im Text finden Sie weitere Bilder der bunten Särge. Am besten gefiel sowohl Nadine als auch mir der Krabbensarg, den eine Familie für einen verstorbenen Ingenieur wählte. Eine Hommage an seinen Spitznamen, erklärte mir Nadine. Sie nannten ihn »crab«. Lesen Sie hier Nadines Interview.
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Herzliche Grüße
Ihre Anastasia Trenkler, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL