Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Alles Gute vom SPIEGEL TikTok-Tänze gegen toxische Männlichkeit
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Ich weiß ja nicht, wie’s Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser, aber ich dachte immer, TikTok-Tänze wären unpolitisch und ausschließlich zu Unterhaltungszwecken da. Nun habe ich meine Meinung geändert. Und zwar wegen folgender Geschichte, die mein Kollege Marian Blasberg in Rio de Janeiro recherchiert hat und von der ich Ihnen heute berichten mag.
Xurrasco 021 mit jungem Nachahmer: An konservativen Rollenbildern kratzen
Foto: Ian Cheibub / DER SPIEGELAuf einem Fußballplatz, etwa anderthalb Stunden von den berühmten Strandvierteln entfernt, hat Marian Gabriel Luiz de Souza, alias Xurrasco 021, wie er mit Künstlernamen heißt, getroffen. Der 19-Jährige ist in Brasilien eine kleine Berühmtheit: Auf TikTok postet er Videos, in denen er zu brasilianischem Funk die Hüften kreisen lässt und mit denen er ein Millionenpublikum erreicht.
Das Besondere: Mit der Art und Weise, wie er tanzt, kratzt Xurrasco 021 konservative Rollenbilder an. Fließende Tanzbewegungen sind im traditionell machistischen Umfeld der brasilianischen Armenviertel ausschließlich Frauen vorbehalten. Der junge Mann pfeift darauf. Dafür wird er nur anfangs angefeindet. Denn bald überwiegt die Zahl der Fans, die der Hater – und sein Mut beginnt, sich wortwörtlich auszuzahlen.
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Heute verdient Xurrasco 021 aufgrund seiner Reichweite Geld mit Werbeclips für Sonnencreme und andere Produkte. »So konnte er seinen Eltern ein Haus kaufen – in der Gegend, in der er aufgewachsen ist und bis heute lebt«, erzählte mir Marian. Er habe den jungen Mann beim Interviewtermin als bodenständig erlebt, »ganz ohne Starallüren«. Dabei hat Xurrasco 021 viele Fans und Nachahmer. Kinder und Jugendliche aus seinem Viertel schauen zu ihm auf.
»Durch ihn starten sie mit einem anderen Männlichkeitsbild in die Welt. Einer Alternative zu den Vorstellungen, die sie aus ihrem konservativen Umfeld kennen, das stark von den evangelikalen Kirchen, aber auch vom Drogenmilieu geprägt ist«, erklärte mir Marian.
Ich empfehle Ihnen seinen Text sehr!
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Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
In Niedersachsen lesen Kinder Katzen vor – und alle profitieren
Wie bekommt man Kinder dazu, mehr Bücher zu lesen? Eine Option: Man setzt Katzen ins Publikum. Was schräg klingt, ist das Konzept eines Projekts im niedersächsischen Drakenburg. Dort lesen in einem Tierheim Mädchen und Jungen tatsächlich Katzen vor. Dadurch können sie in einer ruhigen Atmosphäre ihre Lesefähigkeit verbessern, während die Tiere Zuwendung und Sozialisierung erfahren. Lesen Sie hier mehr zu dieser außergewöhnlichen Win-win-Situation.
Kind liest Katze vor: Ein vielversprechendes Projekt des Tierheims Drakenburg (Symbolbild)
Foto: Zoonar.com / Photographer: Dmitry Naumov / Zoonar / IMAGOImmer weniger Studiengänge haben Zulassungsbeschränkungen
Bewerberinnen und Bewerbern stehen immer mehr Studienplätze zur Auswahl, die keinen vorgegebenen Notendurchschnitt, ein Auswahlverfahren oder eine Eignungsprüfung erfordern. Das geht aus einer Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung hervor. Demnach können heute deutlich mehr Menschen das Fach ihrer Wahl an ihrer Wunschhochschule studieren als noch vor zehn Jahren. Lesen Sie hier die ganze Meldung.
Astronomen entdecken interstellares Objekt
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben einen neuen Himmelskörper entdeckt. 3I/Atlas ist wohl 10 bis 20 Kilometer breit und nähert sich mit schwer vorstellbaren etwa 210.000 Kilometer pro Stunde den inneren Planeten im Sonnensystem. Die gute Nachricht: Eine Gefahr für die Erde stellt das interstellare Objekt indes nicht dar. Das zeigen Berechnungen der Forschenden, die wegen der Entdeckung seit Tagen in heller Aufregung sind. Lesen Sie hier mehr Hintergründe.
Verteidigungsministerium zeigt Regenbogenfarben
Die Frage der Solidarisierung von Politikerinnen und Politikern mit der LGBTQ-Community hat zuletzt mehrfach für Diskussionen gesorgt: Wer positioniert sich wie? Das Verteidigungsministerium bleibt in der Debatte offenbar bei seinem Standpunkt: Am 3. Juli hat das Ressort an seinen Dienstsitzen in Berlin und Bonn erneut die Regenbogenflagge gehisst. Dabei hat das Datum gleich zwei für die Bundeswehr historische Bezüge. Erfahren Sie hier mehr dazu.
Was gut ist – für Sie:
Worauf Sie achten sollten, bevor Sie Apps eine Standortfreigabe erteilen
Viele Apps fordern Zugriff auf den Standort von Apple-Gadgets. Nutzer nicken das oft aus Bequemlichkeit ab. Datenhändler beuten das aus. Erfahren Sie hier, welche Unterschiede es bei der Standortfreigabe gibt. Und wie Sie Einstellungen schnell überprüfen und anpassen können.
Welche Sonnencreme passt zu Ihnen?
Sonnenschutz ist wichtig. Er beugt Hauterkrankungen vor und schützt die Eitlen unter uns vor Falten. Doch: Welcher Lichtschutzfaktor ist nötig? Chemisch oder mineralisch? Spray oder Creme? Hier geben zwei Hautärztinnen Tipps und erklären, worauf Sie bei der Auswahl achten müssen.
Vor der Sonne schützen: Mit Creme oder Spray? Chemisch oder mineralisch?
Foto:Caroline Tompkins / Refinery29 / Getty Images
Was Sie vor Ihrer nächsten Flugreise mit Handgepäck wissen sollten
Vielleicht machen Sie es ja auch so: Auf Kurztrips verzichte ich meist auf den Aufgabekoffer. Das spart Geld, und für ein paar Tage komme ich auch mit Handgepäck aus. Beim Buchen aber bin ich jedes Mal aufs Neue überfragt: Wie groß darf mein Rucksack sein? Geht auch ein Trolley? Und was passt eigentlich in das sogenannte kleine Handgepäck, auch die »kleine Tasche« genannt? Antworten zu sämtlichen Fragen rund ums Handgepäck lesen Sie hier.
Wie Sie Ihre Pflanzen vor Blattläusen retten
In vielen Gärten machen sich Blattläuse über Rosen, Gemüsepflanzen und Obstbäume her. Biologe Torsten Will weiß, ab wann die Schädlinge für Pflanzen zur Gefahr werden und was am besten gegen sie wirkt. Lesen Sie hier das Experteninterview.
Und sonst?
Zum Abschluss möchte ich Ihnen von einer besonderen Protestaktion auf offenem Meer erzählen. Genauer vor Pag-asa Island, einer winzigen Insel im Südchinesischen Meer. Die Philippinen kontrollieren sie. China aber reklamiert die Insel für sich – ebenso wie fast das gesamte Südchinesische Meer.
Eine Gruppe Aktivisten wollte dem nun etwas entgegensetzen. Sie organisierte ein Konzert, das vor Pag-asa Island auf einem Schiff stattfand. Eine Hip-Hop-Formation trat auf, ebenso wie eine K-Pop-Gruppe und eine Singer-Songwriterin. Und im Publikum? Saß Reporter Cornelius Dieckmann, der für den SPIEGEL über diese irre Aktion berichtet hat.
Welches Land welche Rolle in dem Konflikt spielt – und wie Cornelius’ tagelange Fahrt durchs Südchinesische Meer verlaufen ist, lesen Sie hier .
Sängerin Kai Mata: Mit Musik gegen die zahlenmäßig größte Marine der Welt?
Foto: Michael Varcas / DER SPIEGELIch wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und allzeit gute Fahrt. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihre Anastasia Trenkler, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL