»Ich muss Gott danken. Ich bin kein Mensch, der anderen den Tod wünscht, aber Terroristen haben das verdient.«
Thore Schröder, SPIEGEL
»Montagabend hat die Knesset die Todesstrafe für Terroristen beschlossen. Das Gesetz steht international schwer in der Kritik. Es sei menschenverachtend und diskriminierend. Doch was sagen eigentlich die israelischen Bürgerinnen und Bürger dazu? Das wollen wir jetzt hier in Jerusalem erfahren.«
»Jeder, den ich kenne, ist entweder selbst knapp dem Tod entkommen oder kennt jemanden, dem das passiert ist. Dass das Gesetz nun endlich verabschiedet wurde, dafür muss ich Gott einfach danken.«
»Gott sei Dank, was für ein großartiges Gesetz! Jeder Terrorist sollte getötet werden. Als jemand, dessen Vater im Krieg gefallen ist, sage ich: Jeder Terrorist sollte sterben.«
Das israelische Parlament hat das Gesetz am Montag beschlossen. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann.
»Ein solches Gesetz finde ich schrecklich. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Land leben kann. Ich fühle mich schlecht, weil es mich traurig macht und ich mich in diesem Land unwohl fühle.«
»Ich bin dafür, weil unschuldigen Menschen das Leben genommen wurde, die nichts getan haben. Menschen müssen lernen, damit sie es sehen und sich fürchten und vielleicht stoppt das diesen ganzen Terror.«
Allerdings betrifft das Gesetz de facto nur Palästinenser. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe sogar zwingend. Sie muss bei Verurteilung binnen 90 Tagen durch Erhängen vollstreckt werden. Dagegen hegt sich auch vor der Knesset Protest.
»Die jüdische Moral, die auch meine Moral ist, besagt, dass nur Gott über das Schicksal eines Menschen entscheiden darf, wenn es um Leben oder Tod geht. Und dieses unmoralische Gesetz greift Palästinenser heraus.«
»Wir werden das auf der Straße nicht einfach so hinnehmen. Aber ich bin nicht optimistisch. Ich glaube nicht, dass das Oberste Gericht sich in dieser Sache bis zum bitteren Ende durchsetzen wird. Ich glaube, sie haben zu viele Probleme mit der israelischen Öffentlichkeit. Und ich glaube, dass sie es vielleicht doch nicht aufheben werden.«
Wenig später nach unserem Besuch löste die israelische Polizei den Protest hier gewaltsam auf.
»Wir werden nicht schweigen.«
Das Gesetz steht nur vor einer Prüfung durch das Oberste Gericht Israels. Die Juristen könnten den kontroversen Beschluss noch kippen.