Unterwegs in der Region Donezk – einer Region, die seit dem Treffen von Trump und Putin als diplomatische Verhandlungsmasse gilt – für sogenannte Friedensverhandlungen. Was hier weniger gut ankommt. Die achtzehnjährige Alina will es gleich auf Russisch formulieren – damit die Botschaft bei Putin ankommt:
Anwohnerin:
»Ihr werdet hier nicht freundlich empfangen. Die Region Donezk wartet nicht auf Russland, die Region Donezk gehört zur Ukraine. Unsere Truppen kämpfen bis zum Ende, damit Donezk und alle besetzten Gebiete ukrainisch bleiben. Russland wird hier nicht gebraucht. Niemand hier wartet auf euch. Fick dich!«
Die Frontlinie im Donbass verläuft nur wenige Kilometer von hier entfernt: Die strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk sind zwar weiterhin unter ukrainischer Kontrolle, doch russische Drohnen-, Raketen- und Artillerieangriffe gehören zum Alltag. Putins Forderung für Friedensverhandlungen: die gesamte Region Donezk.
Endlich Frieden also – im Tausch gegen Gebietsabgaben? Diskussionen darüber werden hier schnell emotional:
Anwohner:
»Ich sage nicht, wem etwas gegeben werden sollte, es liegt nicht an uns. Ich bin aber dafür, dass der Krieg aufhört, dass das Blutvergießen aufhört. Dass die Zerstörung von Häusern aufhört, damit es keinen Krieg gibt. Dafür bin ich.«
Anwohner:
»Mein jüngster Sohn war in der Nähe von Tschassiw Jar. Er ist seit mehr als einem Jahr vermisst. Mein älterer Sohn wurde auch zur Armee eingezogen. Ich habe zwei Söhne diesem Krieg gegeben. Wofür? Um alles aufzugeben?«
Anwohnerin:
»Mein Mann ist 65 Jahre alt, er ging zu den territorialen Verteidigungskräften. Warum? Um das alles zurückzugeben? Mein ganzes Leben habe ich die ukrainische Sprache unterrichtet. Ich liebe die Ukraine.«
Anwohnerin:
»Wir alle unterstützen die Ukraine natürlich, aber wir wollen auch, dass der Krieg aufhört. Damit sie endlich einen Kompromiss finden können.«
Anwohnerin:
»Schauen Sie, alle diese Verhandlungen, wozu führen sie? Dazu, dass Putin eine weitere verrückte Idee bekommen hat. Er stellt sich als Hegemon vor. Ein Herrscher darf nicht so lange an der Macht sein.«
Anwohnerin:
»Wenn sie hier erst einmal erscheinen, werden sie nicht aufhören.«
Die russischen Truppen sind weniger als 20 Kilometer von Kramatorsk entfernt; Diplomatie »à la Alaska« trifft hier auf Skepsis:
Soldat:
»Nun, versetzen Sie sich in unsere Situation: Würden sie im Gegenzug ihre Stadt abgeben? Würde Deutschland Frankreich eine Stadt abgeben? Einfach so? Fragen Sie Ihren deutschen Kollegen. Würde er zum Beispiel Mainz an Frankreich geben? Wenn Frankreich ohne Grund angreifen sollte.«
Anwohner:
»Was hat aber Selenskyj zu Trump gesagt? Warum geben Sie nicht die Hälfte von Florida einfach so ab? Trump hat sofort den Mund gehalten. Er hatte mit Putin gesprochen und gedacht, Selenskyj wird einfach Land abgeben. Aber es lief überhaupt nicht so. Selenskyj sagte, das steht anders in unserer Verfassung. Ja, richtig, gut gemacht.«
Das Team muss Kramatorsk verlassen, es gab inzwischen wieder einen Angriff auf die Stadt. In der Nachbarstadt Slowjansk herrscht am Baggersee noch vermeintliche Ruhe. An schnellen Frieden glaubt hier nach wie vor niemand:
Anwohnerin:
»Wenn die Frontlinie näherkommt, werden wir evakuieren. Ich habe ein Kind, es gibt ständigen Beschuss. Natürlich gibt es keinen sicheren Ort in der Ukraine, aber wir werden evakuieren. Viele Menschen warten darauf, dass Donezk wieder Teil der Ukraine wird. Viele hoffen es. Aber wir alle erkennen, dass wir Donezk oder Luhansk nicht auf militärische Weise befreien werden. Also wird es entweder einen diplomatischen Weg oder einfach einen Deal geben. Sonst werden noch mehr Soldaten und Zivilisten getötet, auch Frauen und Kinder. Es ist alles sehr traurig.«
Anwohnerin:
»Es ist im Moment ruhig und gut. Wir sahen den Rauch auf unserem Weg hierher. Nicht angenehm. Aber ein Ort wie dieser ist wichtig zum Entspannen.«
Derweil kriecht die Front von Norden aus näher. Im Horizont ist sie schon deutlich zu sehen.