Ungarn: Regierungspartei nominiert Orbán-Kritiker als Präsidenten - DER SPIEGEL
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Machtwechsel in Ungarn Regierungspartei nominiert Orbán-Kritiker als Präsidenten

Der 73-jährige Jurist András Baka soll das neue Staatsoberhaupt Ungarns werden. 2011 war er von der Regierung von Viktor Orbán als Präsident des Obersten Gerichtshofs abgesetzt worden.
Das ungarische Parlamentsgebäude
Das ungarische Parlamentsgebäude

Das ungarische Parlamentsgebäude

Foto: epa MTI Tamas Kovacs/ picture-alliance/ dpa

Die ungarische Regierungspartei Tisza hat den früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, András Baka, als nächsten Staatspräsidenten nominiert, wie die Partei von Ministerpräsident Péter Magyar auf Facebook bekannt gab. Die Wahl ‌des 73-jährigen Juristen durch das Parlament gilt als sicher und soll bereits am Dienstag erfolgen.

Baka habe dem »Grundsatz der Gewaltenteilung stets überragende Bedeutung beigemessen und sich konsequent für Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz eingesetzt«, hieß es in der Erklärung der ​Tisza-Fraktion.

Magyar versucht, die alten Machtstrukturen des langjährigen Regierungschefs Viktor Orbán aufzubrechen. Baka, ein ehemaliger Richter ⁠am ⁠Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, war 2011 von Orbáns Regierung als Präsident des Obersten Gerichtshofs abgesetzt worden – drei Jahre vor dem regulären Ende seiner Amtszeit.

Den vorherigen Präsidenten bezeichnete Magyar als »Marionette«

Beobachtern ‌zufolge war die Absetzung eine Reaktion auf Bakas Kritik ​an der ‌Regierung. Die damalige Regierung Orbán wies die Vorwürfe zurück. Die Oppositionspartei Fidesz von Orbán kündigte an, sie werde sich nicht an der Wahl des Präsidenten beteiligen, und warf der Tisza-Partei autoritäre Politik ‌vor.

Magyar hatte die Parlamentswahl im April überraschend deutlich gewonnen und damit die 16-jährige Regierungszeit Orbáns beendet. Er hat angekündigt, demokratische Standards wiederherstellen zu ‌wollen. Ein zentrales Ziel ​war die Absetzung des bisherigen Präsidenten ‌Tamás Sulyok, den Magyar als »Marionette« Orbáns bezeichnet hat. ‌Sulyok ​unterzeichnete im Juli eine von Magyars Regierungspartei verabschiedete Verfassungsänderung, die seine eigene Präsidentschaft beendete.

Das ungarische Staatsoberhaupt hat ​ein weitgehend zeremonielles Amt. Zu ⁠seinen begrenzten Befugnissen gehört es, ​Gesetze ​per Veto zu blockieren oder zur Überprüfung vorzulegen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass András Baka 76 Jahre alt sei. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war Baka allerdings 73. Wir haben den Fehler korrigiert.

sei/Reuters